"Letzte Chance" genützt trotz Wirtschaftskrise

24. Juni 2010, 18:07
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Seibersdorf-Forscher präsentierten positive Bilanz 2009

Wien - "Yes, we can. Yes, we did." Der Industrielle Hannes Androsch, Aufsichtsratspräsident des Austrian Institute of Technology (AIT, vormals ARC Seibersdorf), nahm Anleihen bei US-Präsident Barack Obama, um die Bilanzpressekonferenz des Forschungszentrums einzuleiten. Die Gründe für seine gute Stimmung: Die Zahlen sind nach turbulenten Jahren zum zweiten Mal nach 2008 schwarz (3,934 Mio. Euro Jahresergebnis), die Auftragslage trotz "beachtlicher Schrumpfung der Weltwirtschaft" zufriedenstellend. Die "letzte Chance" , von der Androsch im Zuge der Umstrukturierung in Seibersdorf gesprochen hatte, sei "rascher und strukturierter genützt worden, als ich angenommen habe" .

"Fokussierung" habe zum Erfolg geführt, meinte der wissenschaftliche Geschäftsführer Wolfgang Knoll. Das AIT besteht im Gegensatz zur Vorgängerorganisation nur mehr aus fünf Departments: Energy, Mobility, Health & Environment, Safety & Security sowie Foresight & Policy Developement (Technikfolgenabschätzung). Schwerpunkte sind, wie Knoll ausführte, Datensicherheit, aber auch die Simulation intelligenter Nutzung des Stromnetzes. Daneben wird eine Genombibliothek mit 350.000 Genen aufgebaut. Um die Entwicklungen in der Elektromobilität voranzutreiben, wird ein Battery Labor eingerichtet. Knoll will das AIT so als "Frontrunner" positionieren.

Ausgliederung statt Jobabbau

Man habe im Zuge der Umstrukturierung "nicht im großen Stil Mitarbeiter vor die Tür setzen müssen" , meinte Anton Plimon, kaufmännischer Geschäftsführer des AIT. Man habe sie stattdessen in fünf Spin-offs ausgegliedert, weitere sechs, vor allem aus dem Bereich der Materialwissenschaften, seien für heuer geplant. 150 Mitarbeiter arbeiten in der AIT-Tochter Seibersdorf Labor GmbH, die als Dienstleister, nicht als Forschungsabteilung fungiert. Die Internationalisierung der rund 1100 Mitarbeiter mache gute Fortschritte, sagte Knoll. Man müsse diesen Weg gehen, der zu Zeiten der Vorgängerorganisation ARC Seibersdorf nicht in diesem Ausmaß verfolgt wurde. Das sei kein "nice to have" , sondern ein "must" , betonte der ehemalige Direktor des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung.

Knoll setzt auch auf Kooperationen mit internationalen Unis (Nayang Technological University Singapur, University Berkeley Kalifornien, ETH Zürich). Er lädt verstärkt Gastwissenschafter ein und plant ein Bionano-Doktorandenprogramm mit Singapur. (Peter Illetschko, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.6.2010)

 

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