Slowakei wirft Weltmeister Italien raus

24. Juni 2010, 19:08
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Entthronter Titelverteidiger nach 2:3 nur Gruppenletzter - Neuseeland verabschiedet sich gegen Paraguay ohne Niederlage

Johannesburg - Witzfiguren statt Weltmeister: Italien scheiterte nach einer erneut katastrophalen Leistung bei der Fußball-WM in Südafrika bereits in der Gruppenphase und wurde damit nach Vize-Weltmeister Frankreich zur nächsten Lachnummer. Die Squadra Azzura unterlag der Slowakei durch ein Doppelpack des ehemaligen Bundesliga-Profis Robert Vittek (25. /73.) und einen Treffer von Kamil Kopunek (89.) verdient 2:3 (0:1). Nur Brasilien 1966 und Frankreich 2002 scheitereten vorher als Weltmeister in der Vorrunde.

"Wir müssen nach Hause fahren. Das ist sehr traurig, sehr bitter. Aber das müssen wir jetzt akzeptieren. Wir haben bis zum Schluss gekämpft, aber es hat gegen die sehr engagierten Slowaken einfach nicht gereicht", sagte Italiens Nationalcoach Marcello Lippi. Italien blieb bei der 17. WM-Teilnahme erstmals ohne Sieg und schied als Letzter der Gruppe F aus. Die Slowaken erreichten als WM-Debütant gleich das Achtelfinale. "Das ist unfassbar für die Slowakei. Wir schauen von Spiel zu Spiel. Vielleicht können wir für eine weitere Überraschung sorgen", sagte Vittek.

Vittek legt mit Doppelpack vor

Vor 45.000 Zuschauern im Ellis-Park-Stadion von Johannesburg sorgte der Mann von Ankaragücü zunächst für die Führung der Slowaken. Nach der Pause erhöhte Vittek mit seinem dritten Turniertreffer auf 2:0 für den Außenseiter, Di Natale traf in der 81. Minute zum Anschlusstreffer, ehe Kopunek in der spektakulären Schlussphase mit einem herrlichen Heber nach horror-artiger Vorstellung der italienischen Abwehr das 3:1 erzielte. Fabio Quagliarella sorgte in der zweiten Minute der Nachspielzeit für den Endstand.

Die Nerven lagen schon nach dem Anschlusstreffer zum 2:1 völlig blank. Nach dem Tor wollte Keeper Mucha den Ball aus dem Netz holen, wurde von zwei Italienern aber bedrängt in die Maschen geschoben. Quagliarella bekam Muchas Faust ins Gesicht. Der englische Referee Howard Webb zeigte in dieser heiklen Situation Gelb. Wiederum Quagliarella traf in der 85. Minute zum vermeintlichen 2:2, Webb versagte dem Tor aber wegen Abseits die Anerkennung. Eine knappe Entscheidung, die sogar in den TV-Analysen von ORF und ZDF widersprüchlich aufgelöst wurde.

Vorne fehlt der Schwung

Das Team des scheidenden Lippi hatte zunächst nur fünf starke Minuten, ehe für den viermaligen Weltmeister das Unheil seinen Lauf nahm. Der in die Startelf gerückte Di Natale (1.) und Vincenzo Iaquinta (4.) vergaben in einer munteren Anfangsphase die ersten Chancen für Italien. Anschließend agierte Italien aber genauso schlecht wie beim peinlichen 1:1 gegen Neuseeland.

Dagegen wachte die Slowakei nach schwacher Anfangsphase schnell auf. Zunächst kam Kapitän Marek Hamsik in der 6. Minute aus zwölf Metern frei zum Schuss, traf den Ball aber nicht richtig. Dann sorgte Vittek mit seinem trockenen Schuss für die Führung der Osteuropäer.

Heißer Tanz am Ende

Italien zeigte sich anschließend geschockt und zeigte vorerst ohne den auf der Bank gebliebenen Spielmacher Andrea Pirlo eklatante Schwächen im Spielaufbau. Die nun selbstbewusster auftretenden Slowaken erspielten sich deutliche Feldvorteile und hatten durch Zdenko Strba sogar die Möglichkeit zum 2:0, Torwart Federico Marchetti konnte den Distanzschuss des Mittelfeldspielers aber zur Ecke klären (35.). Strba erlitt in der 43. Minute nach einem Zweikampf mit Gennaro Gattuso eine tiefe Fleischwunde am Knie.

Nach dem Seitenwechsel hatten die Italiener weiterhin nur wenig Ordnung im Spiel. So dauerte es bis zur 63. Minute, ehe Di Natale aus 20 Metern Slowakei-Keeper Jan Mucha prüfte. Vier Minuten später hatten die Italiener dann den Torschrei auf den Lippen, doch einen Schuss von Quagliarella klärte Slowakeis Abwehrstar Martin Skrtel auf der Linie. In der Schlussviertelstunde warfen die Italiener dann doch noch alles nach vorne, dann überschlugen sich die Ereignisse. Den verzweifelten Angriffen hielt die slowakische Abwehr allerdings stand.

Schwache Parallelpartie

Neuseeland schloß die Gruppenphase mit drei Punkten ab und blieb unbesiegt. Die Favoriten aus Paraguay lieferten den Kiwis kein großes Contra. Der Aufstieg war mit einem Unentschieden bereits gesichert und der Spielstand der anderen Begegnung verleitete die Südamerikaner nicht gerade zu großen Offensivspektakeln. Gegen Ende bemühten sich die Neuseeländer - denen ein Sieg zum Aufstieg verholfen hätte - etwas mehr, fanden aber keine tauglichen Mittel. Diese WM ungeschlagen absolviert zu haben gilt für den großen Außenseiter aber bereits als Sensationsergebnis. Die heutige Partie endete mit einem schwachen und gerechten 0:0. (sid/red)

Gruppe F (3. Runde):

Slowakei - Italien 3:2 (1:0). Johannesburg, Ellis Park, 45.000, SR Howard Webb (England).

Torfolge: 1:0 (25.) Vittek 2:0 (73.) Vittek 2:1 (81.) Di Natale 3:1 (89.) Kopunek 3:2 (92.) Quagliarella

Slowakei: Mucha - Pekarik, Skrtel, Durica, Zabavnik - Strba (87. Kopunek) - Stoch, Kucka, Hamsik - Vittek (92. Sestak), Jendrisek (94. Petras)

Italien: Marchetti - Zambrotta, Cannavaro, Chiellini, Criscito (46. Maggio) - Montolivo (56. Pirlo), De Rossi, Gattuso (46. Quagliarella) - Pepe, Iaquinta, Di Natale

Gelbe Karten: Strba (im Achtelfinale gesperrt), Vittek, Pekarik, Mucha bzw. Cannavaro, Chiellini, Pepe, Quagliarella

Paraguay - Neuseeland 0:0. Polokwane, Peter-Mokaba-Stadion, 20.000 Zuschauer, SR Yuichi Nishimura (Japan)

Paraguay: Villar - Caniza, J. Caceres, Da Silva, Morel - Vera, V. Caceres, Riveros, Valdez (67. Benitez) - Cardozo (66. Barrios), Santa Cruz

Neuseeland: Paston - Reid, Nelsen, Smith - Bertos, Vicelich, Elliott, Lochhead - Killen (79. Brockie), Fallon (69. Wood), Smeltz

Gelbe Karten: Santa Cruz, V. Caceres bzw. Nelsen

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    Sichtlich überglücklich: die slowakische "Repre"

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    Sichtlich enttäuscht: Squadra-Coach Marcelo Lippi

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    Italien am Ende.

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