Neu im Musiktheater

24. Juni 2010, 16:44
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Märtyrer, Mysterium, Musik: "Unsichtbare Mächte"

Nebel, Nebel, Nebel im cosy Kirchenraum, Rabenmutter Düsternis und Tochter Beklemmung kriechen ins Gemüt, der Chor trägt Grubenlampen, steht, irrt umher; dazu statische dunkle Klänge, Orgel-Mysterien-Theater. Ein Pfarrer predigt auf der aus dem Nebeldunkel leuchtenden Kanzel; eine Braut (Nina Plangg) schreitet nach vorn, mit strahlendem Dornenkranz am Kopf.

Die Braut, das ist Maria von Wedemeyer, die Verlobte Dietrich Bonhoeffers - des Mannes, um den es in Unsichtbare Mächte, einer Zoon-Musiktheater-Produktion in der Evangelischen Stadtkirche, geht. Bonhoeffer, lutherischer Theologe und Teil der "Bekennenden Kirche" , die Christentum und NS-Rassenideologie als unvereinbar erklärte, bezahlte den hartnäckigen Widerstand gegen das NS-Regime mit dem Tod: Im April 1945 wurde er auf Hitlers Befehl im KZ Flossenbürg hingerichtet.

Nach dem bleiernen Beginn der Bonhoeffer'schen Lebens- und Leidcollage, nach einer halben Stunde circa, variiert der musikalische Fortgang - das Orgelspiel schreitet in langsamem 4er-Takt voran, später darf ein Schlagzeug kurz in dezente Jazz-, noch später in felsige Rockgefilde ausbrechen; ein Akkordeon trägt Weltlich-Leichtes bei (Textzusammenstellung, Musik und Regie: Thomas Desi; musikalische Leitung: Matthias Krampe).

Mutter Bonhoeffer und Bonhoeffer selbst werden von Cornelia Horak und Günter Haumer zwei wunderschöne Singstimmen geliehen. "Ich brauche ein Cembalo und frische Unterhosen" , lässt Desi Bonhoeffer bemerken. Der Märtyrer: auch Musiker und Mensch. (end, DER STANDARD/Printausgabe, 25.06.2010)

25.-27. 6., Reformierte Stadtkirche, 1., Dorotheergasse 16. 20.30

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