WAZ will sich "nicht ausrauben lassen"

24. Juni 2010, 19:18
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Wirtschaftsminister an Medienkonzern: "Für die WAZ kein Platz in Serbien"

Belgrad/Essen/Wien - Gegen den Watschentanz in Serbien wirkt das Verhältnis von WAZ und Familie Dichand bei der "Krone" fast harmonisch. "Für die WAZ ist kein Platz in Serbien", schaltete sich nun Wirtschaftsminister Mladan Dinkic in den Clinch ein.

Vecernje Novosti zitierte Dinkic, jene Zeitung, deren Mehrheit die WAZ von einem Treuhänder einfordert, den sie bis zum kartellrechtlichen Okay zwischenschaltete. Doch der gibt die Anteile wie berichtet nicht heraus.

Mediale Begleitmusik: Novosti erinnert, die WAZ habe eine Kioskkette mit einem Unternehmer betrieben, der mit internationalem Haftbefehl gesucht wird. Die WAZ erklärt, sie habe mit der Fahndung ihre Anteile verkauft, und "seit Jahren keinen Kontakt". Die nächste Kioskkette habe die WAZ von einem Drogenboss übernommen, berichtete Novosti. Peter Lange, WAZ-Mann für Serbien: "Wir kennen den Mann nicht, hatten nie Kontakt zu ihm."

Die WAZ bestätigt einen Beratervertrag mit dem Geschäftsführer und Chefredakteur von "Vecernje Novosti" für Medienbeteiligungen in Serbien. Neben einer Pauschale von 75.000 Euro verspricht der Vertrag 500.000 Euro Erfolgsprämie, wenn die WAZ alle geplanten Beteiligungen in Serbien geschafft hat. Nun aber geben die Deutschen den Markt auf. Sie begründen das, auch in einem Brief an Präsident Boris Tadic, mit ungesetzlichen Bedingungen und Korruption. Erst wollten sie all ihre Anteile direkt übernehmen, um sie zu verkaufen. Oder, so WAZ-Manager Bodo Hombach an Dinkic zum Rückzug: "Das ginge noch schneller, wenn er den Oligarchen auffordern würde, uns unser Geld für den Kauf zurückzugeben." Die WAZ werde sich "nicht ausrauben lassen".

Eine Salzburger Firma, die 25 der strittigen 63 Prozent an "Novosti" hält, hat die WAZ schon vom Treuhänder übernommen - der dagegen klagen will.

Hombach in der Belgrader "Politika", an der die WAZ noch beteiligt ist, zur Lage dort:"Wo wir nicht willkommen sind, wollen wir auch keine Medien haben." (Andrej Ivanji/Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 25.6.2010)

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