Consulter und Prüfer zerpflücken Organisation

24. Juni 2010, 16:09
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Roland Berger-Strategiepapier: 16 Bereiche und 21 Töchter zu viel

Wien - Im Vorfeld der nächsten Aufsichtsratssitzung am Flughafen Wien (28. Juni) berichtet das Magazin "Format" von einem Strategiepapier der Beratungsfirma Roland Berger, das die Proporz-Rekrutierungspraxis ebenso zerpflückt wie die Organisation am Airport. Die Struktur strotze nur so vor Doppel- und Dreifachgleisigkeiten: 16 Bereiche und 21 Töchter seien schlicht "zu viel", zitiert das Magazin aus dem Berger-Papier.

"Überflüssige Kosten"

So würden sich drei Bereiche für Marketing, Bau und Umweltthemen kümmern und kaum absprechen. Vorstände sicherten sich eigene Kernkompetenzen in ihren Ressorts. Die Auswirkung auf die Organisation: Es entstünden "überflüssige Kosten durch überflüssige Schnittstellen und Know-how-Verluste".

In dem Papier (Strategie Audit VIE) heißt es zudem zur Personalpolitik: "Die mangelnde Talenteförderung ist auffällig. Immer wieder findet eine Berufung von Externen statt, ohne interne Entwicklung zu betreiben. Besetzungen erfolgen nicht ausschließlich nach dem Leistungsprinzip (Vorrang Parteibuch)". Die Auswirkung auf die Organisation: "Verlust von High Potentials und Demotivation der Mitarbeiter."

Auffälligkeiten habe das Papier zu insgesamt 16 Themen der Organisation ermittelt, schreibt "Format". Zum Thema "Führung" fiel den Consultern als Allererstes die "mangelnde Unternehmenskultur" auf. An einem Strang werde selten gezogen. Oft würden die 16 Unternehmensbereiche gegeneinander arbeiten. Und der "starke Fokus auf interne Themen und Befindlichkeiten" behindere den Blick nach außen, auf den Markt. Die Zusammenarbeit im Vorstand sei selten konstruktiv, so das Magazin unter Berufung auf den Consulter-Bericht, sondern von "Misstrauen im Tagesgeschäft geprägt". In der Expertise sei von "Ineffizienz, Intransparenz und Steuerungsverlust" als Folge die Rede.

RH-Bericht Mitte Juli

Mitte Juli soll der Bericht des Rechnungshofs (RH) zum Skylink-Debakel beim Flughafen offiziell einlangen. "Format" zufolge ist darin nicht nur die Rede von lascher Kontrolle und fehlender Objektivität bei Auftragsvergaben. Auch seien die Rechnungshofprüfer davon überzeugt, dass die Vorstände zu viel verdienen und zu wenig leisten würden.

Die Kostenexplosion beim Bau des Skylink-Terminals werde von den Prüfern fast ausschließlich auf das Versagen des Vorstandes zurückgeführt, schreibt das Magazin. Externe Konsulenten, zum Beispiel bei Planung, Bauaufsicht und Projektsteuerung, sollen sich als inkompetent erwiesen haben, beim Projekt allerdings dennoch eingesetzt worden sein. Zudem sei eine Reihe von Vergaben nicht ordnungsgemäß durchgeführt worden. Darunter die seinerzeitige Auslagerung der Projektsteuerung an Raiffeisen Evolution. Kritisiert werde auch Neo-Vorstand Ernest Gabmann für den verhängten Baustopp, weil dadurch zusätzliche Kosten verursacht worden seien (bestehende Verträge konnten allerdings günstiger nachverhandelt werden), schreibt die Zeitung. (APA)

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