Habsburgische Heiratspolitik und Frauenschicksale

27. Juni 2010, 14:21
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Sonderausstellung im Innsbrucker Schloss Ambras

Innsbruck - "Du glückliches Österreich heirate". Dass das aber nicht immer ganz so einfach war, zeigt eine Sonderausstellung im Innsbrucker Schloss Ambras. Die Schau "Nozze italiane" rekonstruiert anhand dreier Töchter Kaiser Ferdinands I., Eleonore, Barbara und Johanna, die Facetten der habsburgerischen Heiratspolitik im 16. Jahrhundert und die damit verbundenen Frauenschicksale. Bis 17. Oktober sind dabei unter anderem Kunstwerke der italienischen Renaissance-Künstler Giuseppe Arcimboldo, Alessandro Allori und Giambologna zu bewundern.

Die drei Österreichischen Erzherzoginnen wuchsen größtenteils in Innsbruck auf und wurden der dynastischen Heiratspolitik ihres Vaters gemäß an die Höfe von Mantua, Ferrara und Florenz verheiratet. Dort erwarteten sie zum einen prunkvolle Hochzeiten, zum anderen die Verpflichtung, einen Thronfolger zu gebären. Die Ausstellung rekonstruiert laut Kuratorin Margot Rauch die unterschiedlichen Frauenschicksale. "Das Thema der Ausstellung hat sich aus der Geschichte des Schlosses generiert und ist schon längst fällig gewesen", betonte Sabine Haag, Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums (KHM), vor Journalisten.

Bild und Rolle der Frau

Am Beginn stehe das Bild der Frau, das damals geherrscht habe und bereits in der Renaissance eifrig debattiert worden sei. Exemplarisch stünden dafür unter anderem Werke des italienischen Dichters Petrarca und des Schriftstellers Baldassare Castigliones, der sich in besonderer Weise mit der Rolle der Frau in der höfischen Gesellschaft auseinandergesetzt habe. Das Dilemma der Frau in der Renaissance habe darin bestanden, dass sie entweder "engelhaft erhöht" oder als "Nachfolgerin Evas verteufelt" worden sei, schilderte Rauch.

Das Schicksal der Prinzessinnen, das sich für jede verschieden gestaltet habe, bekomme innerhalb der Ausstellung ausreichend Raum. Eleonore, die eigentlich ein Gott geweihtes Leben führen wollte, habe in Mantua dann auch nahezu klösterlich gelebt. Barbara habe ihrem für die damalige Zeit verständnisvollen Ehemann keine Kinder geboren. Trotz einer Reihe von bedeutenden Gelehrten am Hof von Ferrara sei ihr die "Zeit oft recht lange" geworden. Johanna habe dreizehn, im Wesentlichen von der Untreue ihres Mannes geprägte Jahre in Florenz verbracht.

Nachfolge

Die KHM-Generaldirektorin gab auch die Nachfolge für den scheidenden Direktor Alfred Auer bekannt. Ab 1. Dezember wird die bisherige Stellvertreterin Auers, Veronika Sandbichler, die Federführung übernehmen. "Die Sammlung ist damit in besten Händen", hob Haag hervor. Die am 19. März 1967 in Innsbruck geborene Sandbichler ist seit 1992 für den wissenschaftlichen Dienst des Kunsthistorischen Museums Wien Sammlungen Schloss Ambras tätig. (APA)


Ausstellung
"Nozze italiane. Österreichische Erzherzoginnen im Italien des 16. Jahrhunderts".
Bis 17. Oktober im Schloss Ambras, Schloss Straße 20, 6020 Innsbruck.
Öffnungszeiten: Täglich 10 bis 17 Uhr, im August 10 bis 18 Uhr.

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