Hoffnung für Ex-Yukos-Chef

24. Juni 2010, 15:15
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Ein Vertrauter von Russlands Regierungschef Putin sagt im Sinne von Chodorkowski aus, ein angeblicher Öl-Diebstahl sei ihm nicht bekannt

Moskau - Im Prozess gegen den Kremlkritiker und russischen Ex-Öl-Manager Michail Chodorkowski hat ein weiterer Vertrauter von Regierungschef Wladimir Putin für den Angeklagten ausgesagt. Ihm sei der Chodorkowski vorgeworfene Diebstahl von 350 Millionen Tonnen Öl nicht bekannt. Das sagte Industrie- und Handelsminister Viktor Christenko am Dienstag als Zeuge der Verteidigung vor Gericht in Moskau. Chodorkowski hatte stets betont, er rechne nicht mit einer Freilassung, solange Ex-Kremlchef Putin an der Macht ist. Der Prozess gegen den einst reichsten Mann Russlands gilt als politisch motiviert.

Christenko war zum Zeitpunkt des angeblichen Diebstahls stellvertretender Regierungschef. Er war überraschend vom Gericht geladen worden. Am Montag hatte bereits der frühere Wirtschaftsminister German Gref ausgesagt, er habe keine Kenntnis von dem Öl-Diebstahl. Der heutige Sberbank-Chef ist ebenfalls ein langjähriger Weggefährte Putins. Wegen der angeblichen Unterschlagung drohen Chodorkowski 22 weitere Jahre Haft. Er sitzt derzeit wegen Steuerbetrugs eine achtjährige Gefängnisstrafe ab, die 2011 endet.

Dass die beiden Spitzenfunktionäre tatsächlich erschienen, überraschte sogar Chodorkowskis Anwältin Natalia Terechowa. "Was ich gehört habe, ist für mich als Verteidigerin sehr wertvoll", sagte sie nach der zweieinhalbstündigen Aussage Grefs. "Wir glauben, dass sein Auftritt positiv für uns war", ergänzte ihr Kollege Konstantin Riwkin.

Schadenersatz-Forderung

Zum neuen Rückenwind für Russlands bekanntesten Häftling trägt derweil bei, dass sich mittlerweile der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg mit dem Yukos-Fall beschäftigt. Die früheren Eigentümer fordern von Russland 98 Milliarden Dollar (rund 80 Milliarden Euro) Schadenersatz wegen einer möglichen versteckten Enteignung. (APA)

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    Der Prozess gegen den einst reichsten Mann Russlands, Michail Chodorkowski,  gilt als politisch motiviert.

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