Gewerkschaft legt "Faculty"-Modell für Unis vor

24. Juni 2010, 14:28

"Faculty" soll Professoren im Senat ersetzen - Keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen

Wien - Den ersten Vorschlag für ein "Faculty"-Modell an den Universitäten hat die Uni-Lehrer-Gewerkschaft auf den Tisch gelegt. Die neue (dem angloamerikanischen Raum entlehnte) "Faculty" soll demnach all jene wissenschaftlichen Mitarbeiter umfassen, die ihren beruflichen Lebensmittelpunkt an den Unis haben, und jene Mitwirkungsrechte wahrnehmen, die derzeit den Professoren zukommen, heißt es in einem Wissenschaftsministerin Beatrix Karl übermittelten Konzept. Karl hatte sich vor kurzem für ein"Faculty"-Modell anstelle des derzeitigen Kuriensystems ausgesprochen.

Nach dem Modell der Gewerkschaft sollen all jene Mitarbeiter Mitglieder der "Faculty" sein, die "Lehre und/oder Forschung/Erschließung der Künste betreiben" und "entweder mindestens zu 50 Prozent beschäftigt sind oder einen Beschäftigungshorizont von mindestens vier Jahren haben und die in wissenschaftlichen Fächern ein Doktorat oder Dr.med aufweisen oder als Senior lecturer, Senior scientist oder Senior Artist beschäftigt sind". An Kunstunis und den künstlerischen Fächern der Architektur soll der akademische Grad nicht Voraussetzung für eine "Faculty"-Mitgliedschaft sein.

Eigener Vertretungskörper für Nichtmitglieder

Jene wissenschaftlichen bzw. künstlerischen Mitarbeiter, die diese Bedingungen nicht erfüllen, sollen im Senat einen eigenen Vertretungskörper bilden. Gedacht ist dabei vor allem an Kurzzeit-Lehrbeautragte oder Lektoren aus der Praxis, so der stellvertretende Gewerkschafts-Vorsitzende Herbert Sassik. Mit dieser Gruppe, den Studenten, dem allgemeinen Personal und der Faculty würde es damit im Senat nach wie vor vier Vertretungkörper geben (derzeit Professoren, Mittelbau, Studenten, allgemeines Personal).

Durch die "Faculty" soll der Zugang von Frauen (die derzeit in der Professoren-Kurie unterrepräsentiert sind, Anm.) zu Leitungsfunktionen verbessert werden. Professorinnen, die derzeit in Vielfach-Funktionen tätig seien, würden so entlastet. Das "Faculty"-Modell der Gewerkschaft hat ausschließlich Einfluss auf die organisationsrechtliche Stellung der Mitarbeiter. Arbeitsrechtliche Konsequenzen seien damit nicht verbunden, so Sassik. (APA)

 

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19 Postings
Theano
01
25.6.2010, 09:34

Aus Erfahrung muss ich leider vermuten, dass der Grund der Initiative leider eher in gekränkter Eitelkeit so mancher A.o.-Profs liegt, die endlich zu den Professoren aufschließen wollen. Die Großbürger wollen zu den Aristokraten. Um das Arbeitsvolk, die Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter usw., hat sich die Gewerkschaft bislang jedenfalls nicht sonderlich gekümmert. Ich lasse mich zwar gerne eines Besseren belehren, doch will ich nie wieder lesen, dass es um den Schutz angeblich überlasteter Frauen geht. Das ist purer Zynismus.

slugi
01
24.6.2010, 20:58
eh nett

ABER - die gewerkschaften sollten sich wirklich um wichtigeres kümmern - DAS große problem ist nämlich die praktische unkündbarkeit von universitätsangehörigen nach sechs jahren - diese regelung verhindert, dass junge, gute wissenschafterInnen eine karrieremöglichkeit an den universitäten haben - eine weiterbeschäftigung solcher leute - und seien sie noch so gut - ist durch die furchtbare finanzielle situation der universität - praktisch unmöglich - hier muss eine dienstrechtsänderung her!!!!! andernfalls wird die universität am arbeitsmarkt nicht konkurenzfähig sein können!

smea_gol
00
28.6.2010, 07:59

schön, nur dass im moment sich die unbefristetheit nur durch zunächst 4 jahre und dann 6 jahre wissenschaftlichen dienst erwirken lässt. das ist wohl eine probezeit die lang genug ist...
vor allem wenn man bedenkt, dass die meisten dann mitte 30 oder älter sind...

noli turbare ...
01
25.6.2010, 09:32

Nach sechs Jahren wird ein Vertrag unbefristet, dann ist er aber auch ganz normal kündbar. Die Unis beharren seltsamerweise darauf dass man Angestellte nur durch Fristablauf ausscheiden lässt.

slugi
01
25.6.2010, 18:25

ja - weil sich niemand getraut sich mit den betriebsräten anzulegen - wie gesagt, durch diese "regelung" geht so viel know how und potential verloren...
und das schlimmste ist, das der betirebsrat damit NICHT die mitarbeiter vertritt, weil die meisten gerne bleiben würden und nicht können, weil es zu keiner lösung kommt - statt win/win - loose/loose - sehr traurig.
ps: ich bin einer der (wenigen) glücklichen, die nach der habil und sechs jahren vertrag eine verlängerung bekommen haben.

potz
00
25.6.2010, 00:42

jawohl! kettenvertraege sind immer eine loesung.

(das ist nicht ernst gemeint)

Schurli Schorsch
 
00
24.6.2010, 22:02

schon mal was von wohlerworbenen rechten gehört? ist ja ein geflügeltes wort in österreich. diese situation wird sich nie ändern, leider gottes...

smea_gol
10
28.6.2010, 08:00

tja, ihr wohlerworbenes recht zu posten fällt uns anderen etwas auf die nerven, da haben sie recht.,

potz
01
24.6.2010, 19:28

öh ich glaub die haben das mit faculty nicht ganz verstanden. da gehts um durchgehende karrierewege ab dem zeitpunkt nach dem postdoc. mit starker selektion zu diesem zeitpunkt, und dann kontinuierlicher weiterentwicklung bis zum full-prof. mit entsprechendem gehalt.

nicht darum dass alle jetzt in bibliotheksbudget sitzungen sitzen duerfen.

das koennen sie sich behalten.

noli turbare ...
00
25.6.2010, 17:46

Sehe ich auch so, dass zum "Facultymodell" ein tenure track gehört. Das Problem dabei ist: Facultymodell (organisationsrechtlich)kostet nix, tenure track kostet zumindest in der Anlaufphase.

Und bei der dztigen Politik ist letzterer damit tot.

potz
00
27.6.2010, 03:05

ja nur das organisationsrechtliche faculyt modell koennen sie sich in den allerwertesten schieben. das ist in einer liga mit 'mitarbeiter der woche' incentives

noli turbare ...
00
27.6.2010, 09:19

Ganz so unwichtig ist das nicht. Es geht ja nicht nur ums Bibliotheksbudget sondern auch um Berufungen, Habilitationen, weitere Personalfragen, Curricula, Organisation usw.

Schurli Schorsch
 
01
24.6.2010, 15:41

na das ist ja wieder einmal ein ganz toller vorschlag. da sollen dann also alle nebenbei irgendwas unterrichter in den senat einziehen und über die unipolitik mitbestimmen? dafür werden alle wiss.ass. und projektmitarbeiter, welche ja die hauptlast der praktischen forschungsarbeit tragen weiterhin ausgesperrt bzw. den studenten zugerechnet. blöd nur, dass die bedürfnisse von dissertanden die auf der uni angestellt sind und für ihre tätigkeit geld bekommen, forschen müssen und in der regel auch lehre machen müssen mit jenen der "normalen" studenten so gut wie gar nichts zu tun haben. genausowenig wie sich die professoren oder die dann neue "faculty" nicht für deren interessen einsetzten wird, da sie in der regel ebenso gegenteilige haben...

noli turbare ...
00
24.6.2010, 18:01

Die "nebenbei irgendwas unterrichter" gehören seit UG 2002 zum Mittelbau und machen dort wohl an den meisten Unis sogar die Mehrheit aus.

Ich halte auch wenig davon die angestellten Dissertanten zu den Studierenden zu zählen. Welche Vertretung würden Sie vorschlagen?

Schurli Schorsch
 
01
24.6.2010, 20:02

faculty wäre grundsätzlich schon gut, nur sollten dann eben alle uniangestellten in wissenschftlicher verwendung, also gerade auch wiss.ass. und projektmitarbeiter darin vertreten sein. ich habe ja auch grundsätzlich nichts dagegen, dass gastlektoren dort was zu sagen haben. aber in diesem vorschlag hier, würden parktisch nur gastlektoren oder andere nicht angehörige der professorenkurie dort drinnen sitzen. mir würde gefallen: 1) allg. bedienstete 2) professoren (incl. ao-profs) 3) der gesamte mittelbau (inkl. bezahlter dissertanden) 4) studenten. alle jeweils zu 25% von mir aus auch mit einem mandat überhang bei den profs. das wäre fair und würde alle ander universität tätigen personen in deren leitung einbinden.

Tollkirsche1
00
25.6.2010, 17:30

ja, es wäre eine gute Sache, alle Habilitierten in eine Kurie zusammenzufassen, weil diese in der Tat ähnliche Interessen verfolgen. Habilitierte haben in einer Mittelbaukurie (alle nicht habilitierten wissensch. Angestellten) nichts verloren. Viertelparitätisch muss mE im Senat nicht sein, weil lt. UG dem Senat in erster Linie Lehre zufällt, und da muss das allgemeine Personal, so sehr ich es schätze und es uns das Leben erleichtert, nicht 25 % der Stimmen führen. Ich bin auch nicht dafür, dass die Profs einen Stimmüberhang bekommen - mit welcher Begründung stünde ihnen dieser zu?

Schurli Schorsch
 
00
26.6.2010, 14:49

die einzige begründung für einen überhang bei den profs ist, dass es wohl die einzige möglichkeite wäre das model durchzusetzten. man müsste wohl auch den studenten eines wegnehmen... und ja sie habn schon recht, die llg. bediensteten müssen dort auch nicht zwingend gleich viel zu reden haben wie die anderen. was die habilitierten betrifft, naja ich glaube das is generell sehr schwierig einzuordnen. solange sie keine prof stelle habn sind sie im prinzip mittelbau, sobald sie eine haben eben profs. man kann sie ja deshalb schlecht ausschließne nur weil sie wohl eher dafür sind, wofür die profs eintreten...

Kirschenkompott
01
29.6.2010, 19:55

Da liegt ein Missverständnis vor - ich bin nicht der Meinung, dass man die 'habilitierten nicht O.Profs' von irgendwas ausschließen sollte - aber: Die Interessen eines bspw. habilitierten Ass.Profs und eines Univ.Ass ohne Doktorat verhalten in der Regel wie der Teufel und das Weihwasser. Habilitierte machen Habilitiertenpolitik und nicht Mittelbaupolitik. Darum sollten die Habilitierten einen Vertretungskörper haben und alle nicht habilitierten Wissenschafter ebenfalls. Das wäre auf jeden Fall sinniger als das vorgelegte verwordakelte Faculty Modell.

Schurli Schorsch
 
00
30.6.2010, 15:43

so gesehn haben sie nat recht. es würde ja nix dagegen sprechen 5 gruppen im senat zu haben anstatt nur 4.

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