Grönland darf Buckelwale jagen

25. Juni 2010, 18:59
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Ein entsprechender Antrag Dänemarks wurde bei der IWC-Tagung in Marokko gebilligt

Agadir - Grönland darf künftig auch Buckelwale jagen. Die Internationale Walfangkommission (IWC) billigte zum Abschluss der einwöchigen IWC-Tagung im marokkanischen Agadir am Freitag einen Antrag Dänemarks. Vom weltweiten Walfangverbot sind einige wenige indigene Völker offiziell ausgenommen, die das Fleisch der großen Meeressäuger für ihre Existenzsicherung benötigen. Bisher durfte Grönland 178 Zwergwale, 19 Finnwale und zwei Grönlandwale im Jahr jagen. Nun kommen neun Buckelwale pro Jahr hinzu, die Zahl der Zwergwale wurde im Gegenzug auf 169 reduziert. Grönland ist ein autonomes Außengebiet von Dänemark, gehört aber nicht zur EU.

Tierschützer hatten im Vorfeld dagegen protestiert, die Jagd auf eine weitere Walart freizugeben. "Grundsätzlich stellen wir diesen indigenen Walfang nicht infrage", betonte Nicolas Entrup von der WDCS. Das Sonderrecht sei jedoch verwirkt, wenn unter seinem Deckmantel Geschäfte mit Walfleisch gemacht würden. Grönland nutze das Sonderrecht für einen streng limitierten Walfang zu kommerziellen Zwecken aus. Nach aktuellen Recherchen lande Walfleisch in Supermarktregalen oder auf Restauranttellern, kritisierte die Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS am Donnerstag. Walfleisch tauche immer wieder als Luxusdelikatesse in Städten auf - also weit weg von den Dörfern der Ureinwohner. Zudem habe Grönland die Fangquote in den vergangenen Jahren gar nicht ausgeschöpft, so Entrup.

Reaktionen und Kritik

 

"Dies ist das erste Mal seit Inkrafttreten des Moratoriums, dass die IWC Buckelwale zur Jagd freigibt", kritisierte Sandra Altherr von der Tierschutzorganisation Pro Wildlife. Entrup sprach von einem "traurigen Ausgang" der Tagung. Die Umweltschützer glauben, dass die Inuit lieber Buckelwale jagen, weil sich das Fleisch besser verkaufen lässt. Sie forderten, dass sich die Walfangkommission stärker zu einer Walschutzkommission wandeln sollte. Dazu müsse das Thema jedoch mehr zur Chefsache werden und etwa bei G8-Gipfeln auf den Tisch kommen, sagte Altherr.

"Das eigentliche Problem der IWC besteht in der Bestechung von Entwicklungsländern durch die japanische Regierung. Solange es nicht gelöst wird, wird die IWC nicht im 21. Jahrhundert ankommen", erklärte Thilo Maack von Greenpeace. Nach Recherchen der britischen Zeitung "Sunday Times" hatte ein japanischer Geschäftsmann dem derzeitigen IWC-Vorsitzenden Anthony Liverpool die Reise und das Luxushotel bezahlt. (APA/red)

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    Grönland hat gewonnen - und darf künftig neun Buckelwale pro Jahr jagen.

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