Ein entsprechender Antrag Dänemarks wurde bei der IWC-Tagung in Marokko gebilligt
Agadir - Grönland darf künftig auch Buckelwale jagen. Die Internationale
Walfangkommission (IWC) billigte zum Abschluss der einwöchigen IWC-Tagung im marokkanischen Agadir am Freitag einen Antrag
Dänemarks. Vom weltweiten Walfangverbot sind einige wenige indigene Völker
offiziell
ausgenommen, die das Fleisch der großen Meeressäuger für ihre
Existenzsicherung
benötigen. Bisher durfte Grönland 178 Zwergwale, 19 Finnwale und zwei Grönlandwale im Jahr
jagen. Nun kommen neun Buckelwale pro Jahr hinzu, die Zahl der Zwergwale wurde im Gegenzug auf 169 reduziert. Grönland ist ein autonomes Außengebiet von Dänemark, gehört
aber nicht
zur EU.
Tierschützer hatten im Vorfeld dagegen protestiert, die Jagd auf eine weitere Walart freizugeben. "Grundsätzlich stellen wir diesen indigenen Walfang nicht infrage",
betonte Nicolas Entrup von der WDCS. Das Sonderrecht sei jedoch
verwirkt, wenn unter seinem Deckmantel Geschäfte
mit Walfleisch gemacht würden. Grönland nutze das Sonderrecht für einen streng
limitierten Walfang zu kommerziellen Zwecken aus. Nach aktuellen Recherchen lande Walfleisch in
Supermarktregalen oder auf Restauranttellern, kritisierte die Wal- und
Delfinschutzorganisation WDCS am Donnerstag. Walfleisch tauche immer wieder als Luxusdelikatesse in Städten auf - also weit weg von den
Dörfern
der Ureinwohner. Zudem habe Grönland die Fangquote in den vergangenen Jahren gar nicht
ausgeschöpft, so Entrup.
Reaktionen und Kritik
"Dies ist das erste Mal seit Inkrafttreten des Moratoriums, dass die IWC
Buckelwale zur Jagd freigibt", kritisierte Sandra Altherr von der
Tierschutzorganisation Pro Wildlife. Entrup sprach von einem "traurigen Ausgang" der Tagung. Die Umweltschützer glauben, dass die Inuit lieber Buckelwale jagen, weil sich
das Fleisch besser verkaufen lässt. Sie forderten, dass sich die
Walfangkommission stärker zu einer Walschutzkommission wandeln sollte. Dazu
müsse das Thema jedoch mehr zur Chefsache werden und etwa bei G8-Gipfeln auf den
Tisch kommen, sagte Altherr.
"Das eigentliche Problem der IWC besteht in der Bestechung von
Entwicklungsländern durch die japanische Regierung. Solange es nicht gelöst
wird, wird die IWC nicht im 21. Jahrhundert ankommen", erklärte Thilo Maack von
Greenpeace. Nach Recherchen der britischen Zeitung "Sunday Times" hatte ein japanischer Geschäftsmann dem derzeitigen IWC-Vorsitzenden Anthony Liverpool die Reise und das Luxushotel bezahlt. (APA/red)