Qualität im Fokus

24. Juni 2010, 16:54
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ÖGPÄRC präsentiert aktuelle Guidelines zum Thema Qualitätssicherung

Wien - Im Mittelpunkt der Arbeit der Fachärzte für Plastische Chirurgie stehen das Wohl, Schutz und Wahrung der Rechte von Patienten. Die Österreichische Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie (ÖGPÄRC) setzt daher neue Standards im Bereich Patientensicherheit und präsentiert ihre aktuellen Guidelines zur Qualitätssicherung.

Höchste Qualität im Bereich ästhetischer Eingriffe ist ein zentrales Anliegen der Fachärzte für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie. Sie setzen daher zahlreiche Maßnahmen, um die Wahrung der hohen Standards ihres Berufsstandes zu garantieren. Anlässlich eines Special Interest Talks, bei dem anerkannte Experten zu den Themen Patientensicherheit, Qualität und Qualitätssicherung Stellung nehmen, präsentiert die ÖGPÄRC auch ihre aktuellen Guidelines zum Thema Qualitätssicherung.

Helmut Hoflehner, Präsident der ÖGPÄRC und stellvertretender Leiter der Schwarzl Tagesklinik dazu: "Mit unseren neuen Guidelines bieten wir nicht nur den Patienten den entsprechenden Qualitätsnachweis, sondern wir zeigen, dass Ästhetische Chirurgie in Östrreich auf höchstem Niveau betrieben wird. Durch die Leitlinien wird klar, wo das Know-how bei ästhetischen Eingriffen liegt und wo fächerübergreifende Zusammenarbeit angestrebt wird." Hoflehner betont, dass damit Qualität besser dokumentiert, aber auch hinterfragt werden könne und dies die nötige Sicherheit für Arzt und Patient darstelle.

Qualität in der Ästhetischen Chirurgie

Ästhetische Operationen sind hochkomplexe medizinische Eingriffe, die umfassendes Fachwissen, technische Perfektion der Chirurgen und eine entsprechende Infrastruktur voraussetzen. Die ÖGPÄRC hat nun unter der Leitung ihres Qualitätsbeauftragten, Walther Jungwirth, Plastischer Chirurg und Abteilungsleiter der EMCO Privatklinik, Guidelines erarbeitet, die das Herzstück der qualitätssichernden Maßnahmen der Gesellschaft darstellen. Die vorliegenden Guidelines legen die Qualitätsstandards für die verschiedenen Operationen fest und dienen so der objektiven Evaluierung der Qualität der Eingriffe.

 Jungwirth dazu: "In unseren neuen Guidelines werden jene Kriterien, Strukturen und Prozesse, die ausschlaggebend für die Qualität des Ergebnisses bei ästhetischen Eingriffen sind, definiert, um höchstmögliche Sicherheit und Zufriedenheit für unsere PatientInnen zu erreichen". Die Guidelines stellen für die ästhetischen Chirurgen eine valide Basis dar, darüber hinaus informieren sie auch künftige Patienten über die nötigen Voraussetzungen für die entsprechenden Eingriffe. Jungwirth ergänzt: "Mit diesen Guidelines liegen nun überprüfbare Parameter vor, die als Leitlinien für all jene dienen sollten, die ästhetisch-chirurgisch arbeiten. Darüber hinaus postulieren sie dort eine Aufgabenteilung mit anderen ärztlichen Experten wo sie sinn- und wertvoll ist."

 Greta Nehrer, Vorstandsmitglied der ÖGPÄRC und niedergelassene Plastische Chirurgin erklärt: "Wer sich im Intimbereich als unzureichend empfindet oder in dieser Region tatsächlich mit körperlichen Schwierigkeiten kämpft, muss nicht leiden. Die Schamlippenkorrektur ist ein einfacher Eingriff, bei dem, vom Profi ausgeführt, nur ein geringes Risiko für Komplikationen besteht. Seriös durchgeführt, haben Schamlippenkorrekturen nichts mit Genitalverstümmelung zu tun, allerdings sollte man - wie vor jedem ästhetischen Eingriff - den Operateur sorgfältig auswählen. Voraussetzung für den Eingriff ist natürlich ein ausführliches Beratungsgespräch mit dem Chirurgen, in der die Beweggründe und die medizinische Indikation ausgelotet werden. Das Gespräch verhindert leichtfertige Entscheidungen und dient der Aufklärung und dem Schutz der Patientin."

Beruflicher Ethos

Auch für Maria Deutinger, Vizepräsidentin der ÖGPÄRC und Vorstand der Abteilung für Plastische- und Wiederherstellungschirurgie an der Krankenanstalt Rudolfstiftung, steht der Schutz der Patienten im Vordergrund. Sie meint: "In manchen Bereichen sieht der Gesetzgeber leider nur ungenaue Regelungen vor. In solchen Fällen sind die beteiligten ExpertInnen dazu aufgerufen, in Form von Konsensuspapieren Leitlinien für den gemeinsamen Umgang zu finden. Zuletzt hat sich die ÖGPÄRC an der Erstellung einheitlicher Leitlinien zur weiblichen Genitalkorrektur beteiligt, um damit zum höchstmöglichen Schutz der PatientInnen beizutragen."

Helmut Ofner, Rechtswissenschaftliche Fakultät, Universität Wien und Mitglied des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin, betont, dass auch der Gesetzgeber für den Patienten besonderen Schutz vorsieht und berichtet, dass bei rein kosmetischen Operationen, die ohne medizinische Indikation vorgenommen werden, besonders strenge Anforderungen an die ärztliche Aufklärungspflicht bestehen. Er führt aus: "Der Patient ist bei solchen Operationen insbesondere darüber ausdrücklich aufzuklären, dass die erhoffte optische Verbesserung des Aussehens aus vom Arzt nicht beeinflussbaren physiologischen oder psychologischen Gründen ganz oder teilweise misslingen könnte. Der Arzt ist bei kosmetischen Eingriffen oft mit einer realitätsfremden Erwartungshaltung des Patienten konfrontiert. Bei der Aufklärung über das erzielbare Operationsergebnis ist der Arzt daher verpflichtet, offen und schonungslos darüber aufzuklären, dass die Zielvorstellungen des Patienten durch die kosmetische Operation nicht immer gänzlich verwirklicht werden können. Dies gilt im besonderen Maße, wenn der Arzt selbst eine bestimmte Vorstellung über das zukünftige Aussehen hervorruft."

Weiters weist Ofner darauf hin, dass auch über die Wirkungsdauer des Eingriffes und über die Notwendigkeit weiterer Eingriffe nach Ende der Wirkungsdauer aufgeklärt werden muss. In diesem Zusammenhang sei auch über die mit weiteren Eingriffen verbundenen finanziellen Belastungen aufzuklären.

Ohne Aufklärung keine OP

Hoflehner plädiert daher für fundierte Beratungsgespräche, die Patienten die nötige Sicherheit vor einem Eingriff geben, da Vorteile, Risiken, Nebenwirkungen, aber auch die zu erwartenden Ergebnisse gut abgeschätzt werden können. Der Präsident der ÖGPÄRC betont: "Unsere Studien haben ergeben, dass Patienten meist dann unzufrieden waren, wenn sie unerfüllbare Erwartungen hatten. Wenn ein Arzt gut aufklärt, lernt er die Vorstellungen und Wünsche des Patienten kennen und wird ihn darauf hinweisen, wenn sie unrealistisch sind. Damit bleiben unseren Patienten Enttäuschungen erspart." (red)

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