Halle mit wenig Strom und viel Zufriedenheit

24. Juni 2010, 13:05
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Die Produktionshalle der Firma Obermayr wurde kürzlich mit dem Österreichischen Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit ausgezeichnet

Die Produktionshalle des oberösterreichischen Betriebs Obermayr wurde 2005 errichtet. Kürzlich wurde das Passivhaus-Objekt mit dem Österreichischen Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit ausgezeichnet.

Die Firma Obermayr Holzkonstruktionen GmbH im oberösterreichischen Schwanenstadt ist ein Traditionsunternehmen seit vielen Jahrzehnten. Vergangenheit und Gegenwart schließen einander nicht aus. Seit dem Jahr 2005 ist der auf passivhaustaugliche Holzelemente spezialisierte Fertigungsbetrieb der Zukunft ein Stückchen näher. Bedingt durch stärkere Absatzzahlen musste das Unternehmen expandieren und baute sich eine Fertigungshalle im Passivhaus-Standard.

"Mit 4500 Quadratmetern ist das die erste Passivhaushalle dieser Größenordnung in ganz Österreich", sagt Markus Fischer vom zuständigen Büro F2 Architekten. "Die Entscheidung des Bauherrn, passiv zu bauen, war von Anfang an eine klare Vorgabe." Auf diese Weise könne das Unternehmen in Form einer Visitenkarte die Werte vorleben, für die es steht.

"Simpel und effizient"

Ende Mai wurde die Halle mit dem Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit 2010 ausgezeichnet. Grund für diese Prämierung, die vom Lebensministerium in Zusammenarbeit mit klima:aktiv vergeben wird, ist die simple und effiziente und somit kostengünstige Konstruktion.

"Wir haben viel experimentiert und simuliert, weil es keine passenden Vorbilder dafür gab", erinnert sich der Architekt. Zum Beispiel die großen Fensterflächen: Da es am Markt nur passivhaustaugliche Fenster in den Dimensionen des Wohn- und Bürobaus gibt, musste man spezielle Glasaufbauten entwickeln. Zum Beispiel die großen Rolltore für Lkws: Im Passivhaus-Standard gibt es ein derartiges Produkt nicht zu kaufen. In Zusammenarbeit mit dem Hersteller wurde der Anpressdruck der Elemente und die Geschwindigkeit des Öffnens und Schließens erhöht. Und zum Beispiel die Sache mit der Dämmung. Fischer: "Wir mussten Geld sparen und wollten ökologisch sein. Die Fertigteilelemente sind nun mit Sägespänen gefüllt. Das ist ein massenhaftes Abfallprodukt aus eigenem Haus."

Halle ohne Heizung

Fazit der planerischen Anstrengungen: Die neue Halle kommt ganz ohne Heizung aus. Zur Sicherheit wurde während des Baus vor fünf Jahren eine eigene Heizungsleitung zum bestehenden Biomasse-Kraftwerk am eigenen Gelände verlegt. Sie wurde nie angeschlossen. "Wir hatten eine Beobachtungsperiode von einem Jahr", sagt Hans-Christian Obermayr, Geschäftsführer des Unternehmens. "Danach haben wir gewusst, dass wir darauf verzichten können."

Der größte Clou am ganzen Projekt ist die Beleuchtung. In das Betriebssystem wurde eine eigens entwickelte Software eingespielt, die alle Sonnenstände des gesamtes Jahres gespeichert hat und die je nach Tageszeit und Monat die elektrische Beleuchtung in der Halle vollautomatisch dimmt. Zusätzlich applizierte Sensoren reagieren auf Abweichungen infolge von Schlechtwetter oder Bewölkung.

Die aufwändige Anlage habe sich bereits nach drei Jahren amortisiert, die finanziellen Einsparungen seien enorm, meint Obermayr (siehe Interview). Doch der größte Profit lasse sich ohnehin nicht in Zahlen fassen: Die Mitarbeiter sind motivierter als je zuvor, die Leistungsfähigkeit hat nach Auskunft des Chefs deutlich zugenommen. (Wojciech Czaja, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19./20.6.2010)

  • Die Fassadenfertigteilelemente aus Holz sind so zueinander versetzt,  dass dazwischen immer wieder diffuses Tageslicht in die Halle fällt.
    foto: f2 architekten

    Die Fassadenfertigteilelemente aus Holz sind so zueinander versetzt, dass dazwischen immer wieder diffuses Tageslicht in die Halle fällt.

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