Wenn Staaten sich verschuldet haben

25. Juni 2010, 09:17
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    foto: apa

    Italiens Staatschef Silvio Berlusconi versucht, die Staatsschulden mit einem 25-Milliarden-Sparpaket einzudämmen.

Wie funktioniert der Abbau der Staatsschulden eigentlich? Wird Österreich je schuldenfrei sein?

User Meine Uhr ist von CUGGI hat sich erkundigt: "Gibt es eine Chance, dass die Staatsschulden je (kontrolliert) abgebaut werden?" derStandard.at hat nachgefragt:

"Ein vollständiger Abbau der Staatsschulden macht ökonomisch keinen Sinn. Es gilt vielmehr, ein optimales Verschuldungsniveau zu finden und die Verschuldungsquote dort zu stabilisieren", klärt Margit Schratzenstaller-Altzinger, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim WIFO (Arbeitsbereich Budget- und Steuerpolitik), auf. Staatsschulden können also auch gerechtfertigt sein, beispielweise für offizielle Investitionen, vor allem in der Bildung oder zur Krisenbekämpfung, so Schratzenstaller. Problematisch wird es, wenn die Ausgaben für Zinszahlungen zu hoch werden: Schuldenrückzahlungen machen in Österreich mittlerweile den zweitgrößten Finanzposten der Regierung aus, nach "sozialer Wohlfahrt" (Kosten für Förderung und Sicherung von Arbeitsplätzen, die Integration von Arbeitslosen, Sozialversicherung und ähnliches). Wenn ein gewisses Niveau erreicht wird, "kann das Vertrauen der Gläubiger erschüttert werden, dass Zins- und Tilgungszahlungen geleistet werden können, was zu sehr hohen Risikoaufschlägen auf die Zinsen und im Extremfall dazu führen kann, dass ein Land keine Kredite mehr bekommt." 

Staatsbankrotte drohen immer wieder

Wenn man Staatsbankrotte historisch betrachtet, können daraus Schlüsse gezogen werden, ab welchen Werten es für Regierungen kritisch wird: Beispielweise ab einer Zinsbelastung in Höhe von 25 Prozent der Steuereinnahmen, wie es in Griechenland 2009 der Fall war. Der Staatsbankrott von Griechenland wurde/wird durch den Milliarden-Notkredit der EU abgewendet, andere Länder erhielten in der Vergangenheit keine Hilfe: Deutschland war beispielweise 1923 zahlungsunfähig. Belastet durch sehr hohe Reparationszahlungen nach dem ersten Weltkrieg, ungenügende Besteuerung und übermäßige Ausgaben, entwickelte sich eine starke Inflation.

Italiens Staatschef Silvio Berlusconi versucht derzeit, die Staatsschulden mit einem 25-Milliarden-Sparpaket einzudämmen - Im ganzen Land wird dagegen demonstriert.

Möglichkeiten des kontrollierten Abbaus

Laut Schratzenstaller gibt es mehrere Möglichkeiten, die Staatsschulden kontrolliert abzubauen: Die wohl unbeliebteste ist die Erhöhung von Einnahmen, sprich höhere Steuern für die Bevölkerung, die Senkung von Ausgaben, zum Beispiel für Soziales. Dabei ist die Ausgangssituation der Einnahmen und Ausgaben wichtig, da sie den Spielraum bestimmt. 

"Die Erhöhung des Wirtschaftswachstums", zählt Schratzenstaller noch als Lösung auf, "weil dann die Steuereinahmen automatisch steigen und konjunkturabhängige Ausgaben - vor allem Arbeitslosen- und Sozialhilfezahlungen - sinken". Privatisierungen von öffentlichem Eigentum sind eher problematisch, weil "die Privatisierungerlöse nur einmal zum Schuldenabbau zu verwenden sind". Hierbei sollte eher die Effizienzsteigerung öffentlicher Unternehmen eine Rolle spielen. (Isabel Russ, derStandard.at, 25.6.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 175
1 2 3 4
Sa Sa2
01
7.11.2010, 08:34

eine andere lösung wäre auch eine internationale Entschuldung von allen Staaten - das ist etwas was ich nie verstanden habe und nie verstehen werde...wenn die wirtschaft so ein kreislauf ist und die wirtschaft für die menschen dienlich sein SOLL, warum streichen wir dann nicht einfach international die roten zahlen und fangen bei jedem gleich an?
wahrscheinlich hätten da ein paar nationen etwas dagegen und die freunde von den weltbanken würden sich quer stellen -

Gut und dann...?
01
26.7.2010, 20:48
Hört doch auf mit diesen Steuererhöhungen!

Wir zahlen doch sowieso wenig Steuern und manche überhaupt keine.
Das Problem ist ein ganz anderes, die anderen Abgaben wie Krankenkasse, Pensionsversicherung, SozVers. die sind sehr hoch und damit bleibt jedem wenig!
Auch der Pensionist muss das bezahlen und der Selbstständige 14 Mal für den Angestellten, obwohl der nur 12 Monate lang krank werden kann.
Die Firmen können sich einen Angestellten gar nicht mehr richtig leisten und deshalb gibt es auch so viele automatisierte Arbeitsabläufe, wo früher ein Mensch tätig war.
Manche arbeiten auch für zwei und sind noch froh darüber einen Job zu haben.
Auch die Zuwanderer machen das!
Bei dem Dreckslohn wundert man sich dann noch über die vielen seelisch und psychisch Kranken!

Fred Fido
00
Ich kann nicht bestätigen,

dass steuererhöhungen besonders unbeliebt wäre. Es kommt darauf an, wer zahlt :-)

Silvio Lackner
01
1,6 Millionen Raucher.

= geschätzt ca. 2 Millionen Zigarettenpackerln täglich (Vielraucher, Touristen etc.).

Hauts doch € 1.- pro Packerl Budgetsolidaritätsbeitrag drauf = 730 Millionen Euronen pro Jahr, da lässt sich schon Budgetsanieren!

pepitant
00
14.1.2011, 10:34
pro Packerl Budgetsolidaritätsbeitrag

Auf die Idee ist offenbar schon wer vor Ihnen gekommen :-)

schwarze löcher nicht nur im weltraum
00
30.6.2010, 21:04
wollen politiker auch

wirklich die staatsschulden zurückzahlen, verringern usw.
mir schein nicht so.

TX35
04
29.6.2010, 17:12
Was ist Geld

Papiergeld kehrt früher oder später zu seinem inneren Wert zurück - Null. (Voltaire 1694-1778)

koSebi
 
00
22.7.2010, 00:27
nicht böse gemeint

aber verstehst du den sinn hinter dieser aussag beziehungsweise was Geld wirklich ist?

torch
 
05
28.6.2010, 09:40

Der Sinn von Staatsschulden ist permanent Geld für den Zinsendienst weitgehend kritikfrei zu Kreditgebern umlagern zu können, die dadurch ein quasi leistungsfreien Ertrag erzielen.

Mit Aufgabe der Realdeckung ein ideale Möglichkeit Erträge abschöpfen zu können.

egon edi ohne strachwitz
00
27.6.2010, 15:05
welchen grossen beitrag leisten die gewinner?

welchen grossen beitrag,hr. marin, leisten grossunternehmen jetzt,hr. marin?

wenns eng wird für alle privaten,der staat und die vielen ameisen sinds,die den karren aus dem sumpf ziehen müssen mit erheblichen einbussen.

hr. marin-dann mit 70 noch.

ibk
00
27.6.2010, 13:16
Geld = Schulden

stimmt für das derzeitige Finanzsystem.
Nur stellt sich die Frage ob und wie lange dieses System funktioniert.
Diese System ist mit einem Schneeballsystem vergleichbar.
Mehr Geld bedeutet immer mehr Schulden und dieser Vorgang ist nicht linear.

DirtyHarry
00
25.7.2010, 15:14
Geld war einmal ein Element

und damit an sich manipulationssicher.

Seit 1914 ist Geld immer mit Kredit verbunden, auf Grund der ständig steigenden Staatsschulden ist ihr Vergleich mit einem Schneeballsystem passend - irgendwann bringt eine Lawine dieses System zum Einsturz.

her wig
00
27.6.2010, 20:32
Geld = Guthaben

stimmt ebenso.

Aus Halbwahrheiten Schlüsse zu ziehen führt zu einseitigen Ergebnissen.

Nachhaltiger Bio-Tofu jetzt nur Euro 9,99
 
11
27.6.2010, 13:09
Was sollte an Staatsschulden schlecht sein?

Wir verschulden uns, um unser Leben und das unserer Nachkommen besser zu gestalten. So einfach ist das mit den Schulden ...

Wer die Verschuldung stoppt, stoppt das Leben, stoppt die Entwicklung ...

Natürlich sind wir wahnsinnig, wenn wir uns derart verschulden, dass die Zinslast uns oder unsere Kinder dereinst einmal "dadrucken" wird.

IMO sollten Budgets ausgeglichen erstellt werden und in Jahren der Krise mag dann manches aus dem Ruder laufen. In Zeiten der Hochkonjunktur müsste eine verantwortungsvolle Regierung dagegen Überschüsse anhäufen.

So einfach kann Hohe Staatsfinanz sein ... ;-)

P.S.: Und wer langfristige Projekte kurzfristig finanziert, dem ist eh nicht mehr zu helfen ...

King Ralph
21
27.6.2010, 12:20
Schrazenstaller!

Als objektiv ist es nicht anzusehen, wenn eine linke Wirtschaftsideologin (=! Expertin) ihren Senf zum Thema Staatsschulden gibt.

In Wahrheit gibt es nichts Unsozialeres als Staatsschulden, denn dies ist nichts anderes als Konsum auf Kosten zukünftiger Generationen, die das Desaster auszubaden haben.

loundy
 
02
30.6.2010, 17:41
kommt immer darauf an was mit dem geld gemacht wird...


milchmädchen-beispiel:

wenn sie einen kredit aufnehmen um sich ein cabrio zu kaufen und ihre familie monatlich die rückzahlungen weniger hat ist das unsozial ihrer familie gegenüber.

wenn sie einen kredit aufnehmen um sich ein taxi zu kaufen und dadurch monatlich mehr rückkommt als sie für die kreditzinsen ausgeben ist das ein gewinn für ihre familie.


dasselbe gilt für jede art der investition, ob staatliche investition in z.b. bildung die sich in der nächsten generation dann rechnet oder auch ihre private investition darin die schulbank länger zu drücken, ein paar jahre später mit dem geldverdienen anzufangen aber dafür mit einem besser bezahlten job am schluss sehr viel besser darzustehen.

apparatschik
01
28.6.2010, 00:06

na,na so schlimm sind dann staatsschulden auch nicht. wie schon so oft (und mMn richtig) in diesem Forum gepostet kommt es halt darauf an was mit dem geld gemacht wird und wie groß die kapazität ist die schulden zurückzuzahlen. Es ist nicht alles schlecht oder gut nur weil es links oder rechts ist.

sed s/./_242_/g
00
27.6.2010, 11:31

Wieso macht es keinen Sinn keine Schulden zu haben? Ich verstehe das nicht. Kann mir das mal jemand erklären?

loundy
 
00
30.6.2010, 17:52
ich glaube die dame spielt darauf an... dass sie sich mit dem dogma der nicht-verschuldung auch gestaltungsspielräume nehmen.


wenn wir jetzt mal davon ausgehen dass es uns gelingt alle unsere schulden hundertprozentig abzubauen gibt es dennoch investitionen in die zukunft zu tätigen (z.b. bildung, infrastruktur,...).

natürlich könnten wir uns das auch ansparen, aber das hat auch nachteile da in der zeit in der wir das geld anhäufen kein rückfluss aus der investition kommt.

nehmen wir ein einfaches beispiel wie ein taxi dass sie sich kaufen um damit geld zu verdienen:

kaufen sie sich das taxi sofort müssen sie schulden machen die sie in 10 jahren + zinsen abbezahlen.

wenn sie sich das auto ansparen haben sie zwar keine schulden und keine zinsen, in den 10 jahren des sparens verdienen sie aber auch keinen cent mit taxifahren.


ist eine sache der balance.

Sand
00
27.6.2010, 10:41
Wo blieb Österreich in der Graphik?

Die österreichische Staatsschuld sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Grob gesagt 50 % geringer als Griechenland aber mit genau dem selben exorbitanten Mix aus (wenig) Inlands- und (viel) Auslandsschulden.

Ingrimm
01
27.6.2010, 07:43

Lol, Staatsschulden machen nur für für die Banken Sinn. Danach gehts dem Staat wie jedem kleinen Privatschuldner. Die Banken diktieren die Regeln, hier sogar dann die Gesetze...

her wig
00
27.6.2010, 10:11

Obwohl die existenziellen Abhängigkeiten ja umgekehrt sind. Griechenland darf nicht pleite gehen, weil dann ein Banken-Domino in Gang gesetzt werden würde, welches wiederum viele EU-Geldanleger betreffen würde, weshalb die EU den Griechen hilft...

apparatschik
00
28.6.2010, 00:11

so isses, es hat alles zwei seiten. die banken sind nicht nur die bösen abzocker, sondern können selbst pleite gehen. das würde aber kaum jemanden helfen und ist nicht im Spielplan vorgesehen. Darum springen auch die Staaten mit Haftung ein. mMn müssen Regierungen und Politiker dazu gebracht werden (leider weiß ich auch nicht wie das gehen soll) eine verantwortungsvolle politik zu machen. Dem Kapitalismus ist es nämlich egal, ob der greiche flöten geht oder nicht. hier ist also die politk gefragt, die sich mit dem kapitalistischen System sozusagen ins Bett gelegt hat, dafür zu sorgen, dass die sozial schwachen nicht für deren Fehle büßen müssen.

Thun23
 
00
27.6.2010, 07:01
Wem sollen die Steuervermeider ihr Geld borgen,

wenn der Staat keine Schulden mehr macht ?

Triple AAA geraitetes arbeitsloses Einkommen muß einem reale Arbeitslose schon wert sein, wem sollte man sonst die Schuld in die Schuhe schieben.

Es ist lukrativer dem Staat Geld zu borgen als die gleiche Summe als Steuer zu bezahlen, wo doch der kleine Mann die gleiche Chance hat dies zu tun.

Wir sind ja auch alle reich und gleich. Drum brauchts keine Vermögenssteuer denn " Warum soll soll man Steuer zahlen für etwas für das man nie Steuer bezahlt hat "........

Ich weiß so hat ers nicht gesagt der Herr Kopf.....aber so ists.

Schulden werden von allen bezahlt, aber nur wenige verdienen enorm daran und die werden alles tun damit es so bleibt.

the academic cyber sense
13
27.6.2010, 00:15

wenn die meisten staaten hochverschuldet sind und viele haushalte ebenfalls hochverschuldet sind so stellt sich mir schon die frage wer eigentlich die vermögenswerte besitzt.

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