Große Defizite bei künstlicher Ernährung

24. Juni 2010, 12:44
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Fehler beim Setzen von Infusionen - Alternative Enterale Ernährung oft nicht Erwägung gezogen


London - Bei der künstlichen Ernährung von kranken Babys und Erwachsenen in Krankenhäusern gibt es große Defizite. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie der National Confidential Enquiry into Patient Outcome and Death (NCEPOD) gekommen. Bei drei Viertel der untersuchten Fälle wurden Probleme festgestellt. Beispielsweise wären Komplikationen bei der Hälfte der erwachsenen Patienten zu verhindern gewesen. Zu früh geborene Kinder erhalten nicht immer die notwendige Versorgung mit Nahrung und Versäumnisse sind weit verbreitet.

Für die Studie wurden die Daten von mehr als 1.000 Fällen künstlicher Ernährung in England, Wales und Nordirland analysiert. Bei der parenteralen künstlichen Ernährung wird Patienten Flüssigkeit mit allen wichtigen Nährstoffen direkt in eine Vene verabreicht. Ein ganzer Katalog von Problemen zeigte sich bei der Auswertung der Fragebögen und Krankenunterlagen. So ist oft nicht sicher gestellt, dass der Katheter durch ausgebildetes Personal unter sterilen Bedingungen gesetzt wurde. Dazu kamen Fehler bei der Überwachung und bei der Beurteilung.

Die Studie betont, dass die parenterale künstliche Ernährung zu tödlichen Komplikationen führen kann, wenn sie nicht richtig verabreicht wird. Diese reichen von einer nicht ausreichenden Versorgung mit Kalorien und Vitaminen bis hin zur Blutvergiftung. Todesfälle konnten jedoch keine nachgewiesen werden. Es zeigte sich jedoch, dass bei fast einem Drittel der erwachsenen Patienten auch eine künstliche Ernährung über den Magen-Darm-Trakt mit Hilfe einer Nasen- oder PEG-Sonde möglich gewesen wäre (enterale Ernährung, Anm.) Die Betroffenen wurden also einem unnötigen Risiko ausgesetzt.

Behandlung nach Zufallsprinzip

Laut James Stewart, dem NCEPOD Klinik-Kordinator, fehlt es an einem weiteren Verständnis und Wissen über die Ernährung der Patienten. Ärzte könnten in Panik geraten und glauben, das sei die einfachste Möglichkeit mit einem Kranken umzugehen. Es sei aber sicher nicht die leichteste und in machen Fällen sogar völlig unangebracht. Die Organisation fordert auch einen größeren Konsens bei den Neonatologen über das beste Verfahren zur Versorgung von Frühgeborenen. Bei der Auswertung der Daten zeigte sich nämlich bei der Art der Behandlung ein gewisses Zufallsprinzip.

Bei den 264 untersuchten Fällen kam es bei einem Drittel zu Verzögerungen beim Erkennen der Notwendigkeit einer künstlichen Ernährung. Weitere Verzögerungen folgten beim Beginn der Behandlung. In fast 40 Prozent der Fälle wurde die erste verabreichte Dosis als nicht den Bedürfnissen der Kinder entsprechend eingeschätzt. Komplikationen wären bei einem Fünftel der Babys zu verhindern gewesen. (pte)

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    Parenteral verabreicht umgeht die künstliche Nahrung den Magen-Darm-Trakt.

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