Widerstand gegen Ausweisung der Zogajs formiert sich

24. Juni 2010, 11:13
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Demonstration am 1. Juli unter dem Motto "Genug ist genug" am Heldenplatz – Facebookgruppen und Grüne machen mobil

Nachdem die Familie Zogaj nun von der Bezirkshauptmannschaft Vöcklabruck per Bescheid aufgefordert wurde, "unverzüglich" in den Kosovo auszureisen, werden die Gegner der Ausweisung nun aktiv und treten in die Öffentlichkeit. Am 1. Juli um 19:00 Uhr findet am Wiener Heldenplatz eine Demonstration unter dem Motto "Genug ist genug" für den Verbleib der Zogajs in Österreich statt. Dort werden sich unterstützt von SOS Mitmensch auch prominente DemonstrantInnen für ein humanitäres Bleiberecht einsetzen: neben Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, Videoblogger Robert Misik und Oscar-Gewinner Stefan Ruzowitzky auch Kabarettist Josef Hader, Schauspieler Robert Palfrader und "Grünen"-Galionsfigur Freda Meissner-Blau, sowie viele weitere.

Facebook als Plattform des Protests

Das "3Raum-Anatomietheater" in Wien veranstaltet schon am 28. Juni einen Benefizabend für die Familie mit dem Titel "Es gibt ein anderes Österreich". Die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler wollen den Reinerlös aus der Veranstaltung der Familie für ihren Neuanfang im Kosovo zugutekommen lassen. Werbung für die Veranstaltung findet sich auch auf Facebook. Auf der großen Social Web Plattform postet Christoph Engelmaier in der Gruppe "Arigona soll bleiben!" den Link zu dem Abend. Er möchte damit "auch in Wien ein Zeichen setzen" und macht für die Zogajs mobil, "weil ich es nicht hinnehmen will, dass man eine gut integrierte Familie einfach so abschiebt".

In der größten Gruppe, "Arigona soll bleiben!" finden sich mit knapp 2.000 Unterstützern, die meisten Anhänger der "Protestbewegung". So postet etwa Norbert Pichler: "Arigona Zogaj hoffentlich bekommst du die Möglichkeit hier in unseren Land zu wohnen!!" und Edith Friedl richtete sogar ein Spendenkonto ein und veröffentlicht die Bankdaten. Ihr Engagement begründet Friedl damit, dass sie den Zogajs im Kosovo einen Neustart erleichtern möchte, denn: "Diese Familie steht ja vor dem Nichts!".

Profilbild für Arigona geändert

User Christop Mörz de Paula ist ebenfalls nicht nur Mitglied einer Protestgruppe, sondern hat sogar sein Profilbild dem "Widerstand" gewidmet. Zu sehen: Innenministerin Maria Fekter, mit einem gelben Balken durchgestrichen und darunter ist zu lesen: "Fekter stoppen! Menschlichkeit retten!" Mörz de Paula begründet die Aktion damit, dass er seine "Ablehnung sichtbar machen möchte" und der Familie Zogaj zeigen will "dass sie in diesem Land, dessen Teil sie fast ein Jahrzehnt waren, auch "Freunde" haben!" Das geänderte Profilbild findet sich zurzeit schon bei mehreren Usern.

Innenministerin Fekter ist generell das beliebteste Feindbild der User. Von ihr fordert man "Menschlichkeit", "Herz" oder will sie gleich "selbst in den Kosovo abschieben". Doch nicht alle Aussagen sind ganz ernst gemeint. Eine kleine Facebook-Gruppe etwa würde lieber "Arigona als Fekter heiraten" und die Unterstützer einer anderen Seite bieten an: "Dann heirat‘ ich halt die Arigona".

Wiener Grüne: Resolutionsantrag

"Wien für Arigona Zogaj. Dieses Bekenntnis wollen wir vom Wiener Landtag", erklärt nun auch die Klubobfrau der Grünen Wien, Maria Vassilakou. Die Stadtpartei brachte einen Resolutionsantrag ein und fordert die SPÖ dazu auf, sie zu unterstützen. "Wir verlangen vom Wiener Landtag den schärfsten Protest gegen diese unwürdige Praxis und fordern die SPÖ auf, hier klar Farbe zu bekennen und gemeinsam mit den Grünen ein deutliches Zeichen gegen die Abschiebung von Arigona Zogaj zu setzen", sagt Vassillakou. Die Grünen fordern eine Reform des Bleiberechts und dass Kinderrechte in der Verfassung verankert werden. (Bianca Blei, derStandard.at, 24.6.2010)

 

 

 

  • Sichtbare Zeichen des Widerstands gegen die Abschiebung der Zogajs im Social Web.
    foto: screenshot

    Sichtbare Zeichen des Widerstands gegen die Abschiebung der Zogajs im Social Web.

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