"Sich eigene Preise machen"

23. April 2003, 09:14
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Kapitalismus-Kritiker riefen im Internet dazu auf, Barcode-Etiketten für das Einscannen an Kassen auszudrucken

Eine Gruppe amerikanischer Cyber-Aktivisten hat sich mit dem Einzelhandelskonzern Wal-Mart angelegt. Die Kapitalismus-Kritiker riefen im Internet dazu auf, "sich eigene Preise zu machen" und Barcode-Etiketten für das Einscannen an den Wal-Mart-Kassen auszudrucken.

Ladendiebstahl

In der Bereitstellung von mehreren hundert alternativen Barcodes sieht Wal-Mart die Aufforderung zum Ladendiebstahl. Die Anwälte des Konzerns schickten dem Internet-Provider, auf dessen Server die Web-Site re-code.com angelegt wurde, die Aufforderung, die Internet-Seiten vom Netz zu nehmen. Die Betreiber von re-code.com reagierten auf die juristische Breitseite, indem sie den Link entfernten, der zum Ausdrucken der Barcodes aufgefordert hat. "Unsere Anwälte haben uns empfohlen, dass dies sinnvoll wäre", sagt einer der Aktivisten, der nur mit seinem Netznamen Nathan Hactivist genannt werden will.

Mit einfachsten Mitteln

Inzwischen erklären die Aktivisten im Internet ausführlich, dass sie mit re-code.com lediglich eine Diskussion über die Preisgestaltung im Einzelhandel auslösen wollen und nicht dazu auffordern, die Barcodes in den Wal-Mart-Läden zu überkleben. Nur wenn man die Aktion als Satire verstehe, solle man sich die Seiten weiter anschauen. Dort findet sich eine Online-Datenbank mit den Barcodes verschiedener Produkte, Preisklassen und auch für andere Supermärkte als Wal-Mart. Diese können mit einfachsten Mitteln ausgedruckt und zur Täuschung an den Ladenkassen verwendet werden.

Ob das schon geschehen ist, könne er nicht sagen, erklärt Hactivist. Re-code.com wolle die Leute lediglich zum Nachdenken über die Preisgestaltung bringen. Die Aktion richte sich vor allem gegen Wal-Mart, weil dieser Konzern die Gewerkschaften aus dem Unternehmen fernzuhalten suche und kleinere Einzelhändler mit Preis-Dumping aus dem Markt dränge.

Risiko

Registriert ist die Internet-Adresse von dem Globalisierungskritiker Mike Bonnano aus Loudonville im US-Staat New York. Er selbst gehöre nicht zu den Barcode-Aktivisten, wolle aber das juristische Risiko der Unterstützung eingehen, sagt Bonnano.

Satire

Wal-Mart-Sprecher Tom Williams erklärt, dass betrügerische Kunden in der Vergangenheit schon gefälschte Barcodes verwendet hätten. Daher wolle man nicht dulden, dass solche Fälschungen frei im Internet erhältlich seien. Wer Barcode-Etiketten austausche, müsse mit Haftstrafen bis zu 90 Tagen rechnen - auch wenn dies "in satirischer Absicht" geschehe, sagt der Leiter der Einzelhandelsberatungsfirma Strategic Resource Group, Burt Flickinger.

Üblich

Barcodes sind seit 1974 im Einzelhandel üblich. Sie beschleunigen die Verkaufsabwicklung und unterstützen die Lagerverwaltung. Auch ohne den Ärger mit re-code.com plant der Einzelhandel mittelfristig die Einführung von Chip-Lösungen auf der Grundlage der RFID-Technik (Radio Frequency ID). Diese winzigen Chips teilen der Kasse über Funk den Preis des Produkts mit. (APA/AP)

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