Konzepte fürs Erinnern

22. April 2003, 10:30
posten

Der Vermittlung der NS-Geschichte an Schulen widmet sich das Projekt "Nationalsozialismus und Holocaust: Gedächtnis und Gegenwart"

Innsbruck/Bregenz - Den stürmischen Jahren der "Aufarbeitung" der Geschichte des Nationalsozialismus müssten an den Schulen nun differenzierte pädagogische Konzepte folgen, ansonsten können die angestrebten ethischen Ziele nicht erreicht werden. Von dieser Prämisse geht das von den beiden Vorarlberger AHS-Lehrern Werner Dreier und Peter Niedermair konzipierte Vermittlungsprojekt "Nationalsozialismus und Holocaust: Gedächtnis und Gegenwart" aus, welches vom Bildungsministerium vorerst für drei Jahre - bis September 2004 - finanziert ist.

Ein erstes "zentrales Seminar", das Lehrende und Forschende im Dezember in Feldkirch zusammengeführt hat, beschäftigte sich mit "Möglichkeiten und Grenzen" des Themas im Bildungswesen, DER STANDARD berichtete.

Ausdrücklich verweist Niedermair auf das Risiko, dass eine unkoordinierte Beschäftigung mit dem Thema auch zu einer "Überfütterung der Jugendlichen" und daraus resultierenden Abwehrreaktionen führen könne.

Damit die Arbeit in den einzelnen Bundesländern konkrete Formen annehmen und den jeweiligen Bedingungen angepasst werden kann, wurde nun begonnen "dezentrale Netzwerke" einzurichten. Vorerst in Vorarlberg, Tirol und dem Burgenland wurden Netzwerkkoordinatoren gefunden. Ihre Aufgabe besteht darin, Forschungseinrichtungen, Archive, Museen, Projekte, Schulbehörden und Schulen anzusprechen und Kooperationen weiterzuentwickeln.

Fortbildung für Lehrer und Expertenpool

Für Tirol hat die Koordinatorenrolle der AHS-Lehrer Horst Schreiber übernommen, der seine Rolle als "Katalysator zur Veränderung des Unterrichts" sieht. Im Aufbau ist ein regionaler Pool von Experten, aber auch unterrichtsrelevante Projekte und regionale Fortbildungsveranstaltungen für Lehrer sollen via Internet aufbereitet und angeboten werden.

Für das kommende Schuljahr plant Schreiber mit Lehrern und Universitätsmitarbeitern ein "Materialienwerk zur Geschichte der Juden und Jüdinnen in Tirol" zusammenzustellen, dessen Erprobung im Unterricht von den Projektbetreibern begleitet werden soll. (Hannes Schlosser/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22. 4. 2003)

Share if you care.