Infineon rutscht tief in die roten Zahlen

22. April 2003, 16:21
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Chiphersteller enttäuscht Erwartungen und weitet Verlust im zweiten Quartal deutlich aus - Sparkurs wird verschärft

München - Deutlich gesunkene Preise für Speicherchips (DRAMs) haben den Münchner Chiphersteller Infineon im zweiten Quartal 2002/03 wieder tiefer in die Verlustzone gedrückt. Dabei fiel das Minus stärker als erwartet aus.

"Der Nettoverlust betrug 328 Mio. Euro, gegenüber einem Nettoverlust von 40 Mio. Euro im Vorquartal und 108 Mio. Euro im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2002", berichtete Infineon am Dienstag. Der Konzernverlust vor Steuern und Zinsen (EBIT) stieg auf 223 Mio. Euro angewachsen nach 31 Mio. Euro im Vorquartal und 178 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Der Verlust je Aktie sei von 0,06 Euro im ersten Quartal auf 0,45 Euro je Aktie gestiegen. Der Umsatz lag im zweiten Quartal bei 1,48 Mrd. Euro, das waren 3 Prozent mehr als im Vorquartal und 13 Prozent mehr als vor Jahresfrist.

Angesichts der unsicheren Wirtschaftslage wagt Infineon vorerst nur einen vagen Ausblick. "Auf Grund der aktuell schwierigen weltweiten Wirtschaftslage und der Unsicherheit über die weitere internationale Entwicklung bleiben Prognosen weiterhin schwierig." Im vergangenen Quartal habe man aber eine positive Nachfrageentwicklung in den meisten Segmenten festgestellt, heißt es im Quartalsbericht vom Dienstag weiter. "Um den anhaltenden Preisdruck auszugleichen, werden wir uns auch weiter darauf konzentrieren, die Produktivität zu steigern und unsere Kosten zu senken".

Weiterer Stellenabbau nicht ausgeschlossen

Nach einem unerwartet hohen Verlust im abgelaufenen Quartal will der Halbleiter-Hersteller Infineon seinen Sparkurs verschärfen. Dabei sei auch ein weiterer Stellenabbau möglich, sagte Konzernchef Ulrich Schumacher am Dienstag in München. "Ich schließe gar nichts aus." Zuletzt sei das Unternehmen bei der Verbesserung der Produktivität gut vorangekommen. Leider seien die Preise bei Speicherchips noch schneller gefallen.

Im Bereich Festnetzkommunikation erwartet Infineon weiter schwarze Zahlen im Schlussquartal des Geschäftsjahres 2002/03 (zum 30 September). "Ja, wir planen (in diesem Bereich) nach wie vor, im letzten Quartal den Break-Even zu erreichen", sagte Schumacher. Im abgelaufenen zweiten Quartal hatte der Konzern in dem Bereich vor Steuern und Zinsen (Ebit) einen Verlust von 39 Mio. Euro nach 66 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum ausgewiesen.

Massiver Preisverfall

Infineon rechnet in den kommenden Quartalen laut Schumacher mit weiteren Marktanteilszuwächsen im Speicherchip-Geschäft (DRAMs). Aktuell liege der Marktanteil in dem starken Preisschwankungen unterliegenden Halbleiter-Segment bei 16 bis 17 Prozent, sagte Schumacher am Dienstag in einer Telefonkonferenz mit Analysten. "Und wir gehen davon aus, dass er weiter ansteigt."

Derzeit hätten einige große Konkurrenten wie Hynix oder Micron Schwierigkeiten, ihre Position zu halten. Nach Zahlen von Gartner Dataquest steht Infineon weltweit im DRAM-Markt an vierter Stellen nach Hynix und Micron, wobei sich der Konzern selbst auf dem dritten Rang sieht. Nummer eins ist die koreanische Samsung.

Beteiligungen minimiert

Infineon hatte im am 31. März endenden zweiten Quartal 2002/03 vor allem wegen des massiven Preisverfalls in seiner Speicherchip-Sparte den Verlust wieder deutlich ausgeweitet. Der Konzern macht bis zu 40 Prozent seines gesamten Umsatzes im Speicherchip-Bereich.

Infineon hat indes ihren Anteil an dem Speicherchiphersteller ProMos von etwa 30 Prozent auf rund 25 Prozent abgebaut. Infineon hatte bereits vor geraumer Zeit angekündigt, sich von der Beteiligung trennen zu wollen. Hintergrund ist der seit Monaten schwelende Streit mit dem ehemaligen taiwanesischen Partner Mosel Vitelic über die Zukunft des Gemeinschaftsunternehmens ProMos. Ende Februar hatte der Infineon-Vorstandsvorsitzende Ulrich Schumacher angekündigt, dass man die Auseinandersetzung einvernehmlich lösen will.

Stellenabbau in .at kein Thema

Bei der Infineon Technology Austria AG ist ein Stellenabbau kein Thema. Dies könne für Villach bzw. Österreich ausgeschlossen werden, hieß es am Dienstag seitens des Konzerns. Österreich sei von Sparplänen des Konzerns nicht betroffen. Konzernchef Ulrich Schuhmacher hatte heute in München erklärt, nach einem überraschend hohen Quartalsverlust noch stärker sparen zu wollen, und einen weiteren Stellenabbau nicht ausgeschlossen.

Bei Infineon Österreich macht man darauf aufmerksam, dass der Geschäftsbereich Automobile ein Rekordergebnis eingefahren habe. Die Automobilelektronik mache 80 Prozent der Produktion in Villach aus, hieß es. (APA/dpa/Reuters)

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    Infineon-Zahlen - ein Spiegelbild der matten Stimmung in der IT-Branche.

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