Dieter Hildebrandt dankt ab

21. April 2003, 21:04
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Letzte "Scheibenwischer"-Sendung am 15. Mai

Mit Dieter Hildebrandt dankt ein kabarettistisches Urgestein vom deutschen Bildschirm ab. Nach 23 Jahren wird am 15. Mai die Satiresendung "Scheibenwischer" das letzte Mal ausgestrahlt. Eine Sondersendung folgt am 2. Oktober. "Ich hätte den Staffelstab gerne nahtlos weitergegeben", sagte Hildebrandt. Aber die "Herren von der ARD" wollten es offenbar nicht.

"Es mutet schon fast lächerlich an, wenn sie vorher eine Pilotsendung wollen", meinte Hildebrandt mit Hinweis auf seine langjährigen Mitstreiter und potenziellen Nachfolger Mathias Richling, Bruno Jonas und Georg Schramm. "Als müssten die erst einmal zeigen, dass sie so was können." Überhaupt scheinen "ein paar Herren" die Ansicht des früheren ZDF-Intendanten zu vertreten, Kabarett sei unzeitgemäß und gehöre in den nächtlichen "Kulturkeller".

Kabarett - auch im Fernsehen eine Zukunft

"Wir zählen mit rund vier Millionen Zuschauern pro Sendung zu den Minderheiten. Dabei wäre jeder Quereinsteiger in der Politik froh, so viele Wählerstimmen zu bekommen", sagte Hildebrandt. Dennoch sei er überzeugt davon, dass das politische Kabarett auch im Fernsehen eine Zukunft hat. "Natürlich nicht so, wie wir es mit der Lach- und Schießgesellschaft erlebt haben. Damals konnte man ja nur vom Ersten zum Ersten schalten", so Hildebrandt.

"Kabarett ist nicht tot. So wie es Theater oder eine Zeitung gibt, wird es auch Kabarett geben", sagte Hildebrandt. Es sei ein menschliches Grundbedürfnis, sich einzumischen. "Und da ist das Kabarett die künstlerische Form des Widerstands." Außerdem gebe es eine ganze Reihe sehr guter junger Kabarettisten, die man jedoch nicht unbedingt auf dem Bildschirm sieht. "Es gibt unendlich viele Kleinkunstbühnen in Deutschland mit einem sehr abwechslungsreichen Programm."

"Das Fernsehen flacht alles ab"

Kabarett sei eigentlich am besten auf der Bühne. "Wir hatten bei der Lach und Schieß gezweifelt, ob so etwas im Fernsehen rüberkommt. Und dann waren wir Straßenfeger." Dennoch: "Das Fernsehen flacht alles ab, auch die (Berg)-Spitzen im Kabarett. Das Glitzern im Auge sieht man über den Schirm nicht", meinte Hildebrandt, mit 76 Jahren Deutschlands dienstältester Kabarettist. "Ich habe das zulässige Alter erreicht, nun soll sich mal das junge deutsche Kabarett präsentieren." (APA/dpa)

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