Olusegun Obasanjo steuert auf eine zweite Amtszeit als Nigerias Staatschef zu

21. April 2003, 20:05
posten

Die Bilanz seiner ersten Amtszeit mag etwas nüchtern ausfallen: ein Mobilnetz für das ganze Land (oder nahezu), kürzere Schlangen an den Tankstellen (zumeist wenigstens), internationales Ansehen für Afrikas größte Demokratie (eine unbeständige Auszeichnung). Wenn Olusegun Obasanjo nun wohl eine zweite Amtszeit als Staatspräsident Nigerias antreten wird, verdankt er sie eher seiner eigenen Geschichte als nationale Führungsfigur denn großer Hoffnungen, die seine Kandidatur geweckt hätte: Dem "guten General" aus den 70er-Jahren, der freiwillig die Macht abgab und in Opposition zu den späteren Putschisten ging, traut die Mehrheit der Nigerianer noch am ehesten.

Dabei sind mehr noch als Obasanjos abgeklärte Beziehungen zum mächtigen Militär im Land nun die Fähigkeiten zum Austarieren der Volksgruppen des mehrheitlich christlichen Südens und des islamischen Nordens gefordert. Die Kämpfe von Yoruba und Ibo (Süden) gegen Haussa und Fulani (Norden) in den vergangenen Jahren haben Obansanjos Ansehen bereits erheblich beschädigt.

Obasanjo selbst ist dabei der typische Aufsteiger aus dem Süden: 1935 in Abeokuta geboren, der späteren Hauptstadt des Bundesstaates Ogun, besuchte er - ein Yoruba und aus christlicher Familie stammend - ein Baptisten-Gymnasium. Als 23-Jähriger trat er in die britische Kolonialarmee ein und absolvierte Offizierskurse in Großbritannien und an der ebenfalls britischen Stabshochschule in Indien.

Den "Wind des Wandels", der im Lauf der 60er-Jahre nacheinander die meisten Kolonien in Afrika mitnahm, erlebte der Hauptmann, Oberst und schließlich General Obasanjo in der nigerianischen Armee: Er war es auch, der 1970 die Kapitulation der aufständischen Einheiten in der Ostregion Biafra entgegennahm. Zu dieser Zeit regierte in Nigeria schon längst das Militär. Die Demokratie im westafrikanischen Vielvölkerstaat nach war bald nach der Unabhängigkeit 1960 verspielt.

Im Obersten Militärrat der Putschgeneräle um Yakubu Gowon saß Obasanjo erst relativ spät, 1975, als Kommissar für Öffentliche Arbeiten und Wohnungswesen. Als er 1976 selbst an die Spitze des Militärrates aufrückte, versprach Obasanjo die Rückkehr zur Demokratie - und hielt sich daran. Im April 1979 schied er aus der Armee aus und zog sich auf seine große Hühnerfarm in Otta, 60 Kilometer nördlich von Lagos zurück.

Als 49-jähriger General im Ruhestand und international gefeiert war Obasanjo Teil der Elder-Statesman-Liga um Helmut Schmidt, die sich zu allen weltpolitischen Themen äußerte. Sein Widerstand gegen die Putschisten Babangida 1985 und Abacha 1993 brachte den Vater von sechs Kindern ins Gefängnis. 1998 kam er frei und gewann die ersten Präsidentschaftswahlen. (Markus Bernath/DER STANDARD, Printausgabe, 22.4.2003)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.