Erste Bank: Osten bleibt Cashcow

21. April 2003, 20:52
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Regina Ovesny-Straka, Vorstandsvorsitzende der Slovenská sporitel'na, will aus der slowakischen Erste-Bank-Tochter die ertragreichste Bank in Osteuropa machen. Standard-Interview

Standard: Frau Mag. Ovesny-Straka, sind die Slowakei und ihr Bankensektor für den EU-Beitritt gewappnet?

Ovesny-Straka: Das Land steht insgesamt gut da. Im Bankensektor sehe ich keine Probleme, denn 90 Prozent der Banken sind in ausländischer Hand. Die slowakischen Klein- und Mittelbetriebe haben jedoch keine gute Bonität, und der Zugang zu Krediten ist für sie extrem schwierig: Da wird es noch Vorbereitungsarbeiten geben müssen.

STANDARD: Was erwarten sich die Slowaken vom EU-Beitritt?

Ovesny-Straka: Ein schnelleres Wirtschaftswachstum, einen verstärkten Know-how-Transfer, mehr internationale Investoren, gesetzliche Verbesserungen. Das Land will perfekt sein, darum nimmt es Veränderungen an. Die Slowakei will beweisen, dass sie in der EU einen Platz hat.

STANDARD: Österreich ist in der Slowakei nicht so beliebt . . .

Ovesny-Straka: Im Gegenteil, das Image ist sehr gut. Es gibt allerdings einige Auslandsinvestoren, die sich schlecht benommen haben. Österreich hat nur einen dummen Fehler gemacht: Es hat mit viel Geld ein hypermodernes Grenzgebäude gebaut, das nächstes Jahr weggerissen wird. Das kritisieren die Slowaken jetzt.

STANDARD: Was hat sich seit der Übernahme der Slovenská sporitel'na durch die Erste im April 2001 verändert?

Ovesny-Straka: Es war wichtig, aus der ehemaligen slowakischen Staatsbank eine auf westlichen Standards basierende, kundenfreundliche Bank zu machen. Wir haben zuerst die Zentrale in Bratislava umstrukturiert, neue Kreditkonditionen eingeführt, den Firmen- und Privatkundenbereich aufgebaut und ein Risikomanagement implementiert.

STANDARD: Und jetzt?

Ovesny-Straka: Die Bank ist seit einem halben Jahr eine andere. Wir haben nicht nur optisch alle Filialen modernisiert, sondern auch das Konzept der Erste Bank eingeführt: Jeder Kunde hat jetzt seinen Berater. Außerdem haben wir die Anzahl der Filialen von 531 auf 340 reduziert und die Mitarbeiterzahl von 6470 auf 5248. Derzeit werden insbesondere Zwei-Mann-Filialen - das sind ein Prozent aller Zweigstellen - nach ihrer Rentabilität bewertet.

STANDARD: Wie lange wird der Osten noch die Cashcow der Erste Bank bleiben?

Ovesny-Straka: Sie verlangen von mir einen Blick in die Kristallkugel. Es wird nicht lange dauern, bis die Margen wieder runtergehen werden. Bei der Slovenská sporitel'na haben wir jedoch den Vorteil, State-of-the-Art-Prozesse einzuführen, und daher werden wir noch lange eine Cashcow bleiben.

STANDARD: Will die Erste Bank weiter im Osten wachsen?

Ovesny-Straka: Wir sind gerade dabei, bei der zweitgrößten bulgarischen Bank, der DSK, mitzubieten. Für weitere Expansionsschritte müssen Sie Andreas Treichl fragen.

STANDARD: Wie entwickelt sich derzeit das Kreditgeschäft in der Slowakei?

Ovesny-Straka: In den letzten zwei Jahren ist es insbesondere im Firmenkreditgeschäft zu großer Konkurrenz zwischen den Banken gekommen. Das Privatkundengeschäft hängt ein wenig nach. Hypothekarkredite gehen wieder besser, da es einen enormen Bedarf an neuen Wohnungen und Unterstützung vom Staat bei Zinsen gibt.

STANDARD: Werden Sie heuer eine Eigenkapitalrendite von 18 Prozent erreichen und auch halten können?

Ovesny-Straka: Ja, sicherlich. Die Verkaufszahlen des ersten Quartals sind sehr gut. Wir haben die Qualitätsstandards der Erste Bank erreicht. Der Transformationsprozess im letzten Jahr war sehr schnell.

STANDARD: Was wollen Sie mittelfristig erreichen?

Ovesny-Straka: Wir wollen die ertragreichste Bank der Slowakei werden. Meine Zielrichtung geht in Richtung Privatkunden und KMU. Wir haben daher eine Investmentfonds-Gesellschaft eine Versicherungstochter und eine Factoring-Gesellschaft gegründet.

STANDARD: Was fehlt der Slovenská sporitel'na noch?

Ovesny-Straka: Wir wollen noch den Leasing- und den Versicherungsbereich ausbauen. Einen Studentenclub haben wir vor zwei Wochen gegründet: Mittlerweile haben wir dort bereits 900 Kunden. Im Privatkreditgeschäft haben wir derzeit einen Anteil von 40 Prozent. Im Kreditgeschäft sind wir mit 24 Prozent gut positioniert, wollen aber noch mehr erreichen. Außerdem wollen wir verstärkt ins Großkunden- und ins Projektgeschäft gehen.

STANDARD: Wie haben sich andere Banken neben der Slovenská sporitel'na entwickelt?

Ovesny-Straka: Der Bankensektor war im letzten Jahr extrem profitabel: Er hat alleine 290 Mio. Euro erwirtschaftet.

STANDARD: Erwarten Sie in der nationalen Bankenszene noch Marktbereinigungen?

Ovesny-Straka: Wir haben in der Slowakei insgesamt 24 Banken, davon viele internationale. Die Entwicklung hängt von deren Mütterkonzernen ab. Ich denke, dass es da noch zu Fusionen oder Rückzügen kommen wird.

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    Regina Ovesny-Straka, Vorstandsvorsitzende der Slovenská sporitel'na

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