US-Multis halten sich noch zurück

21. April 2003, 19:12
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Enorme Investitionskosten - Washington will Franzosen und Russen draußen haben

Paris - Die großen Ölkonzerne balgen sich weniger hitzig um den Irak als ihre Regierungen. Die amerikanische ExxonMobil dementierte im März einen Vorwurf von Greenpeace, sie stachle die Bush-Administration zum Irakeinsatz auf, als "lächerlich".

Gewiss verfügt das Zweistromland mit 113 Milliarden Fass über die zweitgrößten Ölreserven der Welt hinter Saudi-Arabien. Doch die Produktion, die noch nie 3,5 Millionen Fass am Tag überstieg, liegt flach; die Investitionskosten sind kolossal, und die Rechtslage ist unsicher. Die französische TotalFinaElf (ab Mai nur noch "Total") verfügt zum Beispiel nach unbestätigten Quellen über einen Vorvertrag aus dem Jahr 1995, der ihr eine Produktionsmenge im Wert von 40 bis 60 Mrd. Dollar einräumt. Vorher aber müsste der Konzern je sechs Milliarden Dollar in die zwei Ölfelder Bin-Umar und Majnun im Südirak stecken.

Weltweit genug Förderkonzessionen

Die großen Firmen werden zuerst genaue Verträge über Fördergarantien und Steuerklauseln verlangen, bevor sie Geld lockermachen, zumal sie weltweit noch genug Förderkonzessionen haben.

Bis dahin agieren Exxon und Co. höchstens hinter den Kulissen und überlassen das Feld den Politikern. Und die üben sich nicht in Diskretion. Pentagon-Berater Richard Perle wirft Frankreich unverhohlen vor, es habe die Ölverträge im Irak mit einer politischen Unterstützung für Saddam Hussein erkauft. Zudem gibt Perle in einem am Montag erschienenen Interview in der Moskauer Zeitung Kommersant russischen Firmen geringe Aussichten auf künftige Teilhabe am Irakgeschäft.

Russen und Franzosen los werden

Die Bush-Administration will offenbar alles unternehmen, um französische Firmen wie Total oder auch die russische Lukoil schlicht aus dem Zweistromland zu werfen. Trotzdem werden sich die Amerikaner die Ölkonzessionen nicht so leicht zuschanzen können wie die ersten Wiederaufbauverträge.

Zuerst müsste die "Iraq National Oil Company" (Inoc) in Bagdad privatisiert werden. Die Pentagon-Falken arbeiten daran. Doch die Widerstände sind groß. "Die 60.000 Öltechnokraten des Landes werden die US-Hegemonie nie akzeptieren", meint der ägyptisch-amerikanische Journalist Youssef Ibrahim.

Teilprivatisierund der Inoc

Und auch Total oder die russische Lukoil werden sich ihm zufolge nicht so einfach übergehen lassen: "Die Franzosen waren sehr geschickt darin, mit den irakischen Technokraten Kontakte zu knüpfen." Total-Präsident Thierry Desmarest bestätigte gegenüber der Zeitung Le Monde: "In technischer Terrainkenntnis im Irak haben wir ein Jahr Vorsprung auf die Konkurrenz."

Experten erwarten, dass die Inoc letztlich teilprivatisiert wird: Ein wichtiger Teil könnte an die "Majors" gehen, ein eher symbolischer an die Börsen in New York und London. Noch offen ist, ob der Staat die Mehrheit wahren kann. Daran wird sich die Zukunft des Irak entscheiden. (brä, Der Standard, Printausgabe, 22.04.2003)

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