Missverständnisse - von RAU

21. April 2003, 18:52
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Wenn im diplomatischen Leben "Missverständnisse" entstehen, dann ist das einmal vielleicht ein echtes Pech, für das niemand etwas kann, bei Häufung sollte man aber schon beginnen, Fragen zu stellen. Die österreichische Außenministerin Benita Ferrero-Waldner ist in ihrer (Krone-gestützten) Diplomatie ausgesprochen missverständnis-anfällig: Ferrero reist zum US-Außenminister Powell und geht ihm mit der Waldheim-Watchlist auf die Nerven. Nach dem Gespräch sagt sie, Powell werde die Aufhebung der Watchlist prüfen. Einige Stunden später folgt das offizielle Dementi. Dann werden ein paar harmlose Alternative rund um die Demos in Genua verhaftet und mit langjährigem Gefängnis bedroht. Ferrero brandmarkt die Leute zuerst als Halb-terroristen und tut nichts zu ihrer Freilassung. Erst als sich andere Staaten für ihre inhaftierten Bürger einsetzen, verweist Ferrero auf "dubiose" Informationen aus dem Innenministerium. Jetzt platzt sie im Fall der entführten Sahara-Touristen damit heraus, man habe ein Lebenszeichen von ihnen. Was wiederum die Deutschen, die schon intensiv wegen Lösegeld verhandeln und eine Info-Sperre wollen, aufs Höchste erregt. Bisschen viel Missverständnisse für eine Diplomatin. (DER STANDARD, Printausgabe, 22.4.2003)

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