Heimische Firmen in der Ratingfalle

22. April 2003, 09:38
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Ab 2007 kommt "Basel II": Mehrheit des Mittelstandes spürt die restriktivere Kreditkontrolle der Banken bereits jetzt

Wien - Banken sollen die Bonitätsbewertungen ihrer Kreditkunden offenlegen, verlangen die Rating-Berater von Pro Success, Franz Bonitz und Peter Ostermann. Auch die Wirtschaftskammer bereitet eine solche Offensive vor.

Denn seit rund einem Jahr bestimmen solche Ratings zwar die Kreditkonditionen für den Mittelstand, transparent seien sie für die einzelnen Firmen aber nicht, so die Kritik. Einzig die Bank Austria lege offen, wie sie zu ihren Bewertungen gelangt. Die Konsequenzen sind aber deutlich: Rund 60 Prozent des heimischen Mittelstandes spüren bereits seit einem Jahr die restriktiveren Kreditkontrollen der Banken, geht aus eine Umfrage der Wirtschaftskammer hervor. Für die Firmen bedeutet das entweder gekürzte Kreditrahmen oder teurere Kredite. Die Banken müssen mit den Ratings nach den Vorschriften von Basel II (Eigenkapitalrichtlinien) zu einer risiko-adäquateren Kreditvergabe gelangen.

"Die Unternehmen haben davon aber nichts, weil sie ohne Rücksprache keine Chance auf Verbesserung ihrer Kennzahlen haben", nennt Ostermann den Grund für den Vorstoß. "Was die Firmen brauchen, sind die Kriterien des Ratings und Informationen über die Kennzahlen, in denen Chancen auf Verbesserungen stecken". Zudem sei die Gefahr von Fehlbewertungen groß: Liefert das Unternehmen nicht rechtzeitig Daten, dann entstehen aus dem Bankenrating ganz falsche Kreditwürdigkeiten, falsche Empfehlungen, warnt Ostermann. Außerdem hätten die Banken aufgrund fehlender Verordnungen das heimische Ratingmonopol: Weder die Finanzmarktaufsicht noch die Nationalbank sind legitimiert, die Bankenratings zu kontrollieren.

Der Ausweg für Unternehmen ist derzeit nur die Eigeninitiative, sagen Ostermann und Bonitz. Das heißt: Eigene Bonitätsinformationen zusammen zu stellen und damit in die Kreditverhandlungen gehen. Je nach Unternehmensgröße und Bedarf gibt es dafür verschiedene Möglichkeiten - denn das Rating einer der drei globalen Agenturen (S&P, Moodys und Fitch) können sich nur große Konzerne leisten. Kleine Gewerbebetriebe brauchen so komplizierte Kataster auch nicht (siehe Tabelle). "Window dressing" - also die Behübschung der Bilanzkennzahlen - reiche aber nicht, warnen Bonitz und Ostermann auch pro domo, denn sie offerieren den Firmen interne Ratingsberatung. Ihr Arbeit beginnt beim Recherchieren der Bonitätsbewertung in der Hausbank und deren Analyse und reicht bis zu einem mehrjährigen Maßnahmenplan. Das sollte bei Verhandlung mit dem Institut zu günstigeren Fremdmitteln führen. (Karin Bauer, Der Standard, Printausgabe, 22.04.2003)

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Basler Rosskur

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