US-Panzerkommandant will Journalisten-Hotel in Bagdad nicht gekannt haben

21. April 2003, 20:59
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Zwei Reporter wurden durch Beschuss getötet

Paris - Der Kommandant einer US-Panzereinheit, durch deren Beschuss in einem Bagdader Hotel zwei Kameramänner starben, hat einem Magazinbericht zufolge erklärt, nicht über den Aufenthalt von Journalisten in dem Gebäude informiert gewesen zu sein. Bei dem Beschuss des Hotels am 8. April waren ein Kameramann der Nachrichtenagentur Reuters und ein Kollege des spanischen Fernsehsenders Tele 5 ums Leben gekommen. Drei weitere Reuters-Mitarbeiter wurden verletzt.

"Ohne zu zögern - das ist die Regel."

Das französische Magazin "Nouvel Observateur" zitierte US-Hauptmann Philip Wolford mit den Worten, er habe den Beschuss freigegeben, nachdem seine Männer auf dem Dach des Hotels eine Person mit einem Fernglas gesehen habe. "Wir waren seit mehreren Stunden in heftige Gefechte verwickelt", sagte er dem Magazin. Von der Gegend des Hotels und anderen Bereichen seien seine Männer beschossen worden. "Ich erwiderte das Feuer. Ohne zu zögern - das ist die Regel."

20 Minuten später sei klar gewesen, dass ein Hotel mit Journalisten getroffen wurde, sagte Wolford. "Ich fühlte mich schlecht, meine Männer fühlten sich schlecht." Auf die Frage, ob ihm bekannt gewesen sei, dass die meisten Journalisten in diesem Hotel untergebracht waren, sagte er: "Nein, ich hatte keinerlei derartige Informationen." Er halte es für ausgeschlossen, dass ihm Angaben vom Hauptquartier nicht erreicht hätten. Aus US-Kreisen verlautete, der Bericht des Magazins werde geprüft.

Internationale Medienvertreter hatten den Beschuss des Hotels verurteilt. Das US-Verteidigungsministerium hatte zunächst angegeben, die Panzerbesatzung habe das Feuer von Heckenschützen erwidert. Journalisten vor Ort hatten erklärt, sie hätten von dem Hotel aus keine Schüsse gehört. (APA/Reuters)

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