Nordkorea korrigiert Erklärung zu Atombrennstäben

21. April 2003, 15:09
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Übersetzungsfehler: Aufbereitung des waffenfähigen Materials hat noch nicht begonnen - Gespräche mit USA offenbar gesichert

Seoul - Kurz vor den ersten geplanten Gesprächen mit den USA seit Beginn der Atom-Krise hat Nordkorea eine umstrittene Erklärung zur Wiederaufbereitung von Atombrennstäben korrigiert. In einer am Montag von der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA veröffentlichten Mitteilung hieß es, Pjöngjang nähere sich "erfolgreich" der Wiederaufbereitung von 8.000 Atombrennstäben. In einer offenbar falsch übersetzten Fassung war zuvor der Eindruck entstanden, die Wiederaufbereitung habe schon begonnen. Die USA hatten daraufhin das für Mittwoch geplante Treffen mit Vertretern Nordkoreas und Chinas in Peking in Frage gestellt. Südkorea nahm ein Angebot Nordkoreas für die Wiederaufnahme von bilateralen Gesprächen an.

Nach der Verwirrung um die nordkoreanische Erklärung äußerte sich die US-Regierung zunächst nicht offiziell dazu, ob an dem von Mittwoch bis Freitag angesetzten Treffen festgehalten werde. Washington befürchtet, dass Pjöngjang bei der Wiederaufbereitung der Brennstäbe atomwaffenfähiges Plutonium produzieren könnte. Südkorea und Japan, die an den Verhandlungen in der chinesischen Hauptstadt nicht teilnehmen werden, sprachen sich für die Beibehaltung des Treffens aus, wie der südkoreanische Vize-Außenminister Lee Soo Hyuck in Washington erklärte. Eine Sprecherin des südkoreanischen Präsidenten versicherte, ihr sei nichts über eine Absage seitens der USA bekannt.

US-Präsident George W. Bush sagte am Sonntag auf dem texanischen Armeestützpunkt Fort Hood, gemeinsam mit Japan, Südkorea und China hätten die Vereinigten Staaten eine "gute Chance", Nordkorea von der Aufgabe seines Atomwaffenprogramms zu überzeugen. Die USA verfolgten das Ziel einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel. Bush lobte zugleich die Vermittlerrolle, die China in der Krise einnehme. Der Vorsitzende des Senats-Außenausschusses, Richard Lugar, warnte hingegen im US-Fernsehsender NBC, die Möglichkeit eines Krieges gegen Nordkorea sei noch immer sehr groß.

Nordkorea rief seine Armee zur verstärkten Verteidigungsbereitschaft auf. In dem Aufruf, der in allen Zeitungen des Landes veröffentlicht wurde, fordert die Staatsführung auch eine baldige Wiedervereinigung mit Südkorea. Zuvor hatte Pjöngjang die Koreaner in aller Welt aufgerufen, sich gegen ein militärisches Vorgehen der USA gegen Nordkorea zu stellen.

In Anwesenheit chinesischer Regierungsvertreter wollen sich Washington und Pjöngjang in dieser Woche erstmals seit Oktober an den Verhandlungstisch setzen. Die USA werfen Nordkorea vor, bereits über ein oder zwei Atomwaffen zu verfügen und weitere herstellen zu wollen. Das kommunistische Nordkorea hingegen gibt an, sein Atomprogramm allein zur Linderung seiner Energiekrise wiederaufnehmen zu wollen.

Nach mehrwöchiger Pause bahnte sich auf innerkoreanischer Ebene eine Wiederaufnahme des Entspannungsprozesses an. Südkorea nahm nach Angaben des Vereinigungsministeriums in Seoul ein Angebot Nordkoreas für erneute bilaterale Gespräche an. Das Treffen auf Ministerebene soll vom 27. bis 29. April in Pjöngjang abgehalten werden. Beide Seiten wollen laut Seoul Schritte zur politischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit diskutieren. Südkorea will bei dem Treffen aber seine Sorge über Nordkoreas Atomprogramm kundtun.

Analysten bezeichneten die verschiedenen Mitteilungen als Druckmittel Nordkoreas im Vorfeld des Treffens mit Vertretern der USA und Chinas in Peking. "Die Gespräche werden wahrscheinlich wie geplant stattfinden", hieß es in Kreisen des südkoreanischen Außenministeriums. Seoul hatte zunächst verärgert auf die Forderung Pjöngjangs reagiert, es solle nicht an den Dreier-Gesprächen in Peking teilnehmen.

Die USA haben Nordkorea mit dem Iran und dem Irak als Teil einer "Achse des Bösen" bezeichnet und den Ländern vorgeworfen, Massenvernichtungswaffen zu entwickeln und weiterzugeben. Den Konflikt mit Nordkorea wolle man aber - im Gegensatz zum Irak - friedlich beilegen, bekräftigten die USA mehrfach. Nordkorea hat im Zuge des Streits den Atomwaffensperrvertrag gekündigt und die Inspektoren der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) ausgewiesen. (APA/Reuters/dpa)

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