Kolumbien: FARC ruft Regierung zu Friedensgesprächen auf

21. April 2003, 21:27
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Über Ostern zwanzig Tote und fünfzehn Entführte

Bogota - Die kolumbianische Guerillabewegung FARC hat die Regierung zu Friedensgesprächen aufgerufen. Ihr Kommandant Manuel Marulanda forderte in einer am Sonntag im Internet veröffentlichten Erklärung zugleich die neuerliche Einrichtung einer entmilitarisierten Zone. Der 72-jährige Guerillaführer erklärte, die FARC bemühe sich um "ein zivilisiertes politisches Ende des Konflikts". Zu Ostern hatte der Bürgerkrieg im südamerikanischen Land 20 Todesopfer gefordert, 15 Menschen wurden entführt.

Militär weist Erklärung Marulandas zurück

Der kolumbianische General Carlos Alberto Ospina wies die bereits dritte Erklärung Marulandas in weniger als einem Monat zurück. "Unsere Aufgabe ist es nicht, Briefe von Banditen zu empfangen", sagte der Befehlshaber der Streitkräfte. Seine Truppen würden weiter gegen die Guerilleros vorgehen.

Über Ostern zwanzig Tote und fünfzehn Entführte

Der Bürgerkrieg in Kolumbien hat über Ostern zwanzig Menschen das Leben gekostet. Weitere fünfzehn Menschen seien entführt worden, teilten die Behörden am Sonntag mit. Bereits am Donnerstag war ein Zehnjähriger in der Provinz Arauca an der Grenze zu Venezuela gestorben, als sein mit mehreren Kilogramm Sprengstoff präpariertes Fahrrad in der Nähe eines Kontrollpunktes der Armee explodierte.

Weitere drei Menschen, darunter ein Jugendlicher, starben bei einem Angriff von Rebellen der marxistischen "Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens" (FARC) auf eine Osterprozession. Bei Gefechten mit FARC-Einheiten und Bewaffneten des an Kuba orientierten "Nationalen Befreiungsheeres" (ELN) seien in der Provinz Antioquia im Nordwesten des Landes zudem vierzehn Rebellen und zwei Soldaten getötet worden.

Touristen auf Macura verschleppt

Unbekannte Bewaffnete landeten unterdessen mit Schnellbooten auf der Ferieninsel Mucura an der Karibikküste und verschleppten acht Touristen, darunter einen Elfjährigen.

In der Provinz Guajira entführten FARC-Rebellen an einer Straßensperre weitere sieben Urlauber.

Pro Jahr werden in Kolumbien etwa dreitausend Entführungsfälle bekannt. Fast immer geht es um Lösegelderpressung.

Kämpfe seit vierzig Jahren

Kolumbien hatte 1998 eine entmilitarisierte Zone eingerichtet, in der die FARC eigene politische Strukturen aufbaute. Nach dreijährigen ergebnislosen Friedensverhandlungen rückten Anfang 2001 wieder Truppen in dieses Gebiet ein. Die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) sind die größere der beiden Guerillagruppen des Landes.

Alvaro Uribe hat die kolumbianischen Präsidentschaftswahlen im Mai des Vorjahres mit dem Versprechen gewonnen, mit aller Härte gegen die bewaffneten Gruppen im Lande vorzugehen. Ein durchschlagender Erfolg seiner Politik ist aber bisher ausgeblieben. (APA/dpa/AP)

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