Irak berät über Wiederaufnahme der Ölförderung

20. April 2003, 20:57
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Raffinerie nahe Bagdad soll wieder in Gang gesetzt werden

Bagdad - Ranghohe Vertreter der irakischen Ölbranche haben am Sonntag Beratungen über die Wiederaufnahme der Ölförderung und zur Wahl eines neuen Ölministers aufgenommen. Die Produktion war vor knapp einem Monat im Zuge des US-geführten Militärschlags zum Sturz des irakischen Präsidenten Saddam Hussein unterbrochen worden. Mitarbeiter des Ölministeriums trafen sich mit US-Militärvertretern im irakischen Ölministerium, eins der wenigen Regierungsgebäude, das dank der US-Truppen weitgehend von Plünderungen verschont blieb.

"Unsere wichtigste Aufgabe ist nun, die Tankstellen in Bagdad zu bedienen und Treibstoff für die irakischen Kraftwerke zur Verfügung zu stellen, um wieder Elektrizität zu liefern", sagte ein Gesprächsteilnehmer, der nicht namentlich genannt werden wollte. Der Irak verfügt über die weltweit zweitgrößten bekannten Ölreserven. Die USA sind interessiert an der Wiederaufnahme der Ölproduktion und des Exports, um Energie und finanzielle Mittel zum Wiederaufbau des vom Krieg gezeichneten Landes bereitzustellen.

Produktion wiederaufnehmen

Nach Angaben eines Öl-Vertreters soll zunächst die Daura-Raffinerie in der Nähe von Bagdad wieder in Gang gesetzt werden, die 100.000 Barrel Öl pro Tag verarbeitet. Es werde damit gerechnet, dass die Produktion Anfang nächster Woche aufgenommen wird. Der Großteil der Ministeriums-Mitarbeiter, die sich am Sonntag registrieren ließen, war auf eigene Initiative wieder zur Arbeit erschienen. "Wir sind bereit, die Ölproduktion wieder in Gang zu bringen, bis eine neue Regierung eingesetzt wird. Dann werden sie entscheiden, ob sie uns behalten oder uns zum Gehen auffordern", sagte ein ranghoher Vertreter des Ministeriums.

Der bisherige Ölminister Amir Muhammed Rashid, der zuletzt am 25. März von Journalisten gesehen wurde, steht nun auf der US-Liste der 55 meist gesuchten Iraker. Als Nachfolger ist nach Angaben aus Kreisen unter anderem Fadhil Othman im Gespräch, der die staatliche Öl-Marketing-Organisation SOMO vor der Präsidentschaft Saddam Husseins vor 24 Jahren geleitet hat. Der frühere irakische General Jawdat Obeidi, der sich als stellvertretender Gouverneur im Nachkriegs-Bagdad bezeichnet, kündigte am Sonntag an, er werde die irakische Delegation für das Treffen der OPEC in Wien in dieser Woche anführen. (APA/Reuters)

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