Hickersberger: "Eine Gratwanderung"

22. April 2003, 19:11
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Der Rapid Trainer spricht über die Ursachen der Hütteldorfer Misere und wagt einen Ausblick in die Zukunft

Wien - Nach dem enttäuschenden Verlauf der Frühjahrssaison bei Rapid, der zuletzt in drei Niederlagen in Serie mit einer Tordifferenz von 0:7 gipfelte, wird im Lager der Hütteldorfer verstärkt Ursachenforschung betrieben. Trainer Josef Hickersberger packt die unangenehme Situation in eine Metapher: "Wir befinden uns auf einer Gratwanderung, einem schwierigen und steilen Anstieg. Zuletzt sind wir gewaltig abgerutscht und hängen nun in den Seilen, die gesamte Seilschaft und ich mittendrin. Jetzt ist es wichtig, dass wir uns gemeinsam aufrappeln und wieder hochkommen."

Der Grund für den Absturz liegt für Hickersberger unter anderem an den zu hohen Erwartungen (angestrebt wurde Platz zwei) vor den Frühjahrsrunden: "Wir hatten uns ein Ziel gesteckt, dass im Nachhinein kontraproduktiv war. Die Spieler haben sich einen Punkteschnitt ausgerechnet, bei dem ich ihnen gesagt habe, dass ist der Schnitt einer Meistermannschaft. Wenn sich dann abzeichnet, dass das Ziel nicht erreicht wird, wird's gefährlich."

Sommerlicher Umbau

Besserung soll spätestens in der Sommerpause mit der Verpflichtung von einigen neuen Spielern nahen. "Ich weiß, wo der Schuh drückt. Wir haben Probleme im Angriff und bei hohen Bällen, sowohl in der Defensive als auch in der Offensive. Die Mannschaft muss auf Schlüsselpositionen verstärkt werden", sagte der Rapid-Coach. Doch der Spielraum ist begrenzt: "Für uns kommen nur ablösefreie Spieler in Frage. Das ist eine Sysiphus-Arbeit, Spieler zu finden, die leistbar sind und Rapid weiterhelfen", weiß Hickersberger.

Lexa ist interessant

Der Rapid-Trainer bestätigte Interesse an Ex-Teamspieler Stefan Lexa, der alternde 1860-Stürmer Davor Suker soll hingegen kein Thema sein. Obwohl zu Saisonende nur die Verträge von Andi Herzog, Ivan Knez, Jürgen Saler und Saoud Fath auslaufen, dürften im Sommer wohl ein Reihe von Abgängen geben. Hickersberger führt nach eigenen Angaben Listen von Spielern, mit denen er in Zukunft nicht mehr plant, wollte aber keine Namen nennen.

Größere Entlastungen für die Rapid-Finanzen und damit mehr Ressourcen für eine aktive Transferpolitik sind trotzdem nicht in Sicht. Dennoch hält Kuhn das Etat des Rekordmeisters für ein "in Österreich sehr gutes Budget, dass aber sicher nicht große Sprünge erlaubt. Ein doppeltes Budget wäre wichtig. Das habe ich nicht geschafft, ich stelle mich der Verantwortung", gab sich Kuhn selbstkritisch. (APA)

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    Josef Hickersberger: "Es ist nicht eine Frage von Monaten, sondern es dauert bestimmt zwei bis drei Jahren, bis Rapid wieder dort ist, wo der Klub hingehört."

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