Ankara fordert Botschaften zu Unterstützung radikalislamischer Milli Görüs auf

19. April 2003, 20:26
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Deutscher Verfassungsschutz überwacht türkische Moslem-Gruppe

Ankara - Die religiös-konservative türkische Regierung hat ihre Botschaften im Ausland zur Unterstützung der radikalislamischen Organisation Milli Görüs aufgefordert, die in Deutschland vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Das Außenministerium habe einen entsprechenden Rundbrief an die diplomatischen Vertretungen geschickt, sagte der türkische Außenamtschef Abdullah Gül am Samstag in Ankara. Zum genauen Inhalt des Schreibens wollte sich Gül nicht äußern. Er hob lediglich hervor, dass sich die Türkei seit langem bemühe, die "Verbindungen zwischen unserem Staat und unseren Bürgern im Ausland zu stärken".

Vor zwei Wochen hatte ein deutsch-türkisches Abkommen über die Bekämpfung der organisierten Kriminalität in der islamisch angehauchten türkischen Regierungspartei AKP für Aufregung gesorgt. Neben der verbotenen Kurdengruppe PKK wurde dabei auch Milli Görüs genannt. Da viele AKP-Politiker aus der religiösen Bewegung stammen, brachte dies die AKP-Führung innerparteilich in eine peinliche Lage. Vor der Verabschiedung im Parlament sollte die Begründung deshalb nachgebessert werden, hatte Gül angekündigt. Milli Görüs hat nach eigenen Angaben 200.000 Mitglieder in Europa, die meisten von ihnen in Deutschland. (APA)

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