Bischöfe beschließen Geldpool für rasche Entschädigungen

Markus Rohrhofer , 23. Juni 2010, 19:42
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    foto: apa/roland schlager

    Inklusive Kardinal Christoph Schönborn feierte die Bischofskonferenz am Mittwoch eine Messe in Mariazell. Danach gab es demütige Gesten gegenüber Opfern von Missbrauch in der Kirche

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Aktionsplan: Stiftung für Missbrauchsopfer, Suspendierung mutmaßlicher Täter, aber keine Anzeigenpflicht - Die Kirche hofft auf einen "Neuaufbruch"

Mariazell - Die katholische Kirche hat am Mittwoch einen "Rahmenplan" gegen Missbrauch und Gewalt in ihren Reihen vorgestellt. Eingerichtet werden soll eine "Stiftung Opferschutz", um Entschädigungen "rasch und unbürokratisch" zu bezahlen. Kirchenbeiträge sollen dafür aber nicht verwendet werden, sagt Wiens Kardinal Christoph Schönborn. Vielmehr soll das Geld bei den Tätern zurückgeholt werden. Mutmaßlichen Tätern droht bei begründetem Verdacht die Suspendierung, eine Anzeigepflicht ist nicht geplant.

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Mariazell - Es sind exakt 63 Seiten, die die Österreichische Bischofskonferenz in den drei Tagen ihrer Sommervollversammlung in Mariazell beschäftigt haben. Mittwochnachmittag präsentierte der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn das bereits mit Spannung erwartete Maßnahmenpaket der Kirche gegen Missbrauch und Gewalt. Die Wahrheit wird euch frei machen ist der Titel des für alle Diözesen verbindlichen Positionspapiers.

Dienstfreistellung bei Verdacht

Für den Weg der Wahrheit erlegt sich die Kirche darin deutlich schärfere Richtlinien auf. So wird es künftig in allen Diözesen neben den bereits bestehenden Ombudsstellen, an die Verdachtsfälle sexuellen Missbrauchs gemeldet wurden, eine eigene Kommission geben, die weitere Konsequenzen mit dem Bischof berät. Bei begründetem Verdacht wird der mutmaßliche Täter bis zur endgültigen Klärung des Sachverhalts dienstfrei gestellt. "In den Komissionen werden künftig ganz unterschiedliche Personen sitzen - vom Juristen bis hin zur Dame von der Telefonseelsorge ist da alles möglich", erläutert Schönborn.

Keine Anzeigenpflicht

Nicht durchgerungen haben sich die Bischöfe zu einer Anzeigenpflicht für alle Kirchenmitarbeiter. Aber man ist zumindest um eine verstärkte Einbindung weltlicher Gerichtsbarkeit bemüht. Schönborn: "Erhärtet sich ein Verdacht, empfiehlt die Ombudsstelle zunächst dem Opfer, Anzeige zu erstatten. Und die kirchlichen Leitungsverantwortlichen werden in solchen Fällen den mutmaßlichen Täter zur Selbstanzeige auffordern. Besteht die Gefahr, dass weitere Personen zu Schaden kommen, wird auf Initiative der Kirche der Sachverhalt zur Anzeige gebracht."

"Sind bitte nicht in den USA"

Beschlossen wurden erstmals auch Entschädigungszahlungen an Opfer kirchlicher Gewalt. Vor dem Hintergrund drohender Klagen kündigten die Bischöfe in Mariazell eine "Stiftung Opferschutz" an. Diese soll künftig in "von der unabhängigen Opferschutzanwaltschaft oder den Ombudsstellen geprüften" Fällen für Therapiekosten sowie allfällige Schmerzensgeld- und Schadensersatzzahlungen "finanziell in Vorlage treten". Schönborn: "Uns geht es darum, dass die Opfer rasch und unbürokratisch Entschädigung bekommen. Wir wollen lange Verfahren verhindern und schnell Mittel freisetzen."

Geld kommt nicht aus Kirchenbeiträgen

Dotiert wird die Stiftung zur Hälfte von den Diözesen, weitere 50 Prozent steuern die Orden bei. Konkrete Summen wollte der Kardinal aber nicht nennen. "Zumindest für die Diözesen kann ich sagen, dass das nötige Geld nicht aus Kirchenbeitragsmitteln kommt. Es sind diese Entschädigungszahlungen auch keine gesetzliche Vorgabe, vielmehr eine freiwillige Leistung - die wir aber natürlich als rechtens und angemessen sehen", so Schönborn.

Zurückholen will sich die Kirche das Geld auch von den Tätern selbst. Schönborn: "Natürlich werden wir diese Personen haftbar machen. Dann wird abgerechnet - beim Täter oder einer verantwortlichen Einrichtung."

Keine Entschädigungs-Summen wie in den USA

Möglichen Klagen sieht der Wiener Erzbischof aber gelassen entgegen: "Wir sind bitte nicht in den USA. Aber jeder kann den österreichischen Rechtsweg gehen." Kolportierten Entschädigungs-Summen von bis zu 130.000 Euro pro Opfer erteilt der Kardinal a priori eine Absage: "Wir werden uns nicht an Vorgaben von Rechtsanwälten halten, die sich derzeit lautstark zu Wort melden. Wir richten uns nach den Empfehlungen der unabhängigen Opferschutzanwaltschaft."

Ziel, den Opfern Hilfe zukommen zu lassen

Sichtlich stolz präsentierten die katholischen Würdenträger das präsentierte Regelwerk. Der Maßnahmenkatalog gegen Missbrauch und Gewalt habe als primäres Ziel, den Opfern "Gerechtigkeit und Hilfe zukommen zu lassen". Der eingeschlagene Weg sei der richtige, Schönborn sieht einen "Neuaufbruch" in der Kirche: "Die Mauer des Schweigens müsse durchbrochen werden."

Staatliche Einrichtung wäre angebracht

Der Kardinal spricht sich auch für die Errichtung einer staatlichen Kommission zur Behandlung von Missbrauchsfällen aus. "So eine Einrichtung wäre angebracht, auch wenn der Bundeskanzler da anderer Meinung ist."(Markus Rohrhofer, DER STANDARD Printausgabe 24.6.2010)

Kommentar:
Grenzenlos - Erstmals wurde ein gemeinsames Maßnahmenpaket geschnürt - über ungeschriebene Kirchengesetze hinweg

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 47
1 2
misfits74
 
00
25.6.2010, 20:43
lustiger papierhut da am foto

keine Anzeigenpflicht? warum darf der schaasverein über dem gesetz stehen?

sommerwind
00

Es gibt keine Anzeigepflicht in Ö.

(Wär ja noch schöner, wenn ich Opfer eines Verbrechens werden würde und mich noch einmal von einem Richter viktimisieren lassen müsste, oder wenn andere dazu aufgefordert wären, das Verbrechen gegen meinen Willen anzuzeigen.)

f gut
00
24.6.2010, 18:52
Beim Lesen der Schönborn Aussagen.............

...........will man beten und an Himmel und Hölle glauben.
Aber nur deshalb, daß diese heuchlerische Bagage in die Hölle kommt!

Quicksand
12
24.6.2010, 10:39
"Wir richten uns nach den Empfehlungen der unabhängigen Opferschutzanwaltschaft"

Aha. Man richtet sich also nach der Kommission, deren Vorsitzende vm Papst im Jahr 2003 den „Gregorius-Orden für den Eifer in der Verteidigung der katholischen Religion“ erhalten hat.

free spirit
11
24.6.2010, 09:54
kann irgendjemand diesen pfosten erklären, dass geld nicht alles richtet

hier wäre eine unabhängige strafjustiz vonnöten. das ist ja als würde man die mafia bitten gegen sich selbst zu ermitteln

Graf Bobby
10
24.6.2010, 10:28

zahlens nicht, isses nicht recht, zahlen sie, auch nicht....

Hofmarschall
00
24.6.2010, 10:47
Solche Leute gehören verurteilt, schon alleine wegen Abschreckung weiterer Taten bzw. wegen Vorbeugung gegen Gewalt an Kinder !!!!!

Wäre das nicht OK ????

naihoit
11
24.6.2010, 09:45
In der röm.kath. Kirche entscheiden alte Herren,

die längst hormonbefreit sind und es daher für unproblematisch halten, den zweitstärksten aller Triebe (Arterhaltung) zu unterdrücken.
Aber die Natur ist stärker.
Das war schon immer so, kam früher nur nicht an die Öffentlickeit.
So lange die römischen Katholen die Sexualität nicht als gottgegeben -also gut und wünschenswert- akzeptieren wird sich nichts grundlegend ändern.
Und die Kluft zwischen den Klekos (klerikal-konservativ) und den Menschen wird immer größer.
So wird die röm.kath. Kirche ihre Ziele immer weniger erreichen.

Das 21. Jahrhundert
02
24.6.2010, 09:25
WOLLEN DIE UNS PFLANZEN?

"Dotiert wird die Stiftung zur Hälfte von den Diözesen, weitere 50 Prozent steuern die Orden bei... 'Zumindest für die Diözesen kann ich sagen, dass das nötige Geld nicht aus Kirchenbeitragsmitteln kommt.'"

Eine RIESIGE Frotzelei!! Das ist so, als sagte der Bundeskanzler: "Dotiert wird die Stiftung zur Hälfte von den Ministerien, die weiteren 50 Prozent steuern die Bundesländer bei. Ich kann sagen, dass das Geld nicht von den Steuerzahlern kommt!"?????

Roter Baron
00
24.6.2010, 09:15
ich verlange offenlegung

damit sicher gestellt ist
dass nicht kirchenbeiräge dafür verwendet werden.


roter baron

naihoit
00
24.6.2010, 08:47
Woher nimmt die Kirche das Geld, wenn nicht von den Beitragszahlern?

Werden dann die Kerzerln und die Heiligenbildchen in den Wallfahrtsorten teurer?
Oder Taufe, Firmung und Heirat?
Bezahlte Messen?
Ach ja, ich vergaß: sie refundieren sich bei den Mönchen. Da diese ja zumeist in Armutsgelübde abgegeben haben tut´s denen ja nicht weh.

Roter Baron
01
24.6.2010, 09:14

zb. ist das chorherrenstift klosterneuburg
einer der größten grundeigentümer in wien,
allulol stellen auch her
usw.

Clarissa Goldsmithprawndown
11
24.6.2010, 09:39

Und dieses (ich spekuliere mal: bewusstseinsverändernde?) allulol gelangt dann zu www.atheistische-religionsgesellschaft.at und anderen, die einen besonderen Durchblick für sich beanspruchen, kann das sein? :(
Ein "drogenfreies" Österreich ist derzeit eine Utopie.

OttotheBusdriver
14
24.6.2010, 08:42
Die USA Methode wäre die einzige, die diese Leute verstehen

Erst, wenn das letzte Goldgewand, die Kunstwerke und die Immobilen weg sind, dann merken die was.

mikey frau
03
24.6.2010, 08:13
und, um wieder alle zu beglücken wieder ein konstruktives posting:

austreten,austreten,austreten,austreten,austreten,austreten,austreten,austreten,austreten,austreten,austreten,austreten,austreten,austreten,austreten,austreten,austreten,austreten,austreten,austreten,austreten,austreten,

misfits74
 
00
25.6.2010, 20:46
ICH KANN NICHT MEEEEEHR!

:)

Wieviel Demokratie ist es bitte?
11
24.6.2010, 03:52
Es sieht ganz so aus

- nur mal auf die westliche Welt bezogen, insgesamt - und auf Österreich mithin - daß der Kirche einerseits und staatlichen Einrichtungen andererseits, der Ernst ihrer Lage noch nicht mit dem nötigen Nachdruck vermittelt worden ist.

Es sieht weiterhin danach aus, daß die Politik nicht bereit ist, adäquate Schlüsse aus den Vorkommnissen zu ziehen und stattdessen zusammen mit der Kirche und staatlichen Einrichtungen, betroffene Bürger und Beobachter der Szenerie veralbert.

Da wird wieder getrickst und verkompliziert, daß sich die Balken biegen.

Normalerweise müssen die Privilegien der Kirche aus dem Panorama verschwinden, incl. Konkordat und staatliche Einrichtungen an die Kandarre genommen werden, daß es kracht im Gebälk.

AsaJoe
05
24.6.2010, 00:23
"Bei begründetem Verdacht wird der mutmaßliche Täter bis zur endgültigen Klärung des Sachverhalts dienstfrei gestellt."

Schön und gut.
Nur, wer klärt den Sachverhalt, wenn das Opfer aus Schamgefühl keine Anzeige erstattet, die Kirche bzw. kirchliche Institution (weiterhin) keine Anzeige erstattet und der vermeintliche Täter (verständlicherweise) auch keine Selbstanzeige erstattet?

Eine kirchliche Kommission, die sich mit dem zuständigen Bischof berät.

Super!

Auf diese Weise ist natürlich 100%ig sichergestellt, dass in Zukunft jeder einzelne Missbrauchsfall aber auch wirklich, echt ehrlich, ganz, ganz sicher schonungslos aufgeklärt und der Täter zur Rechenschaft gezogen wird.

Tatsächlich wird wohl das Opfer mit 5 kEuro ruhig gestellt werden.
:(((

Die Herren von der Weihrauchwolke 7 haben offenbar noch immer nicht viel dazugelernt...
*seufz*

AsaJoe
00
24.6.2010, 00:50
Nachtrag:

Was ist denn in solchen Fällen eigentlich unter einem "begründeten Verdacht" zu verstehen?

Die Aussage eines Seminaristen, Pater Sowieso habe ihn begrapscht, was von Letzterem heftigst bestritten wird, wohl nicht, oder?

Die Aussage zweier Seminaristen, Pater Sowieso habe sie begrapscht, vielleicht schon eher?

Die Aussage dreier Seminaristen, Pater Sowieso habe sie begrapscht, dann schon ziemlich sicher, nicht wahr?

Blöd nur, wenn zwischen den Fällen jeweils mehrere Jahre liegen.

Und natürlich blöd für die ersten beiden Opfer, denen man nicht geglaubt hat: Die kriegen dann nämlich wohl nicht einmal die 5 kEuro Schweigegeld...

AsaJoe
00
24.6.2010, 00:55
P.P.S.:

Besonders blöd aber für all jene Opfer, die Pater Sowieso in der Zwischenzeit nicht "nur" begrapscht hat und die aus Scham niemandem etwas gesagt haben.

LCD
10
24.6.2010, 00:13

Bei 130.000 Euro Schadensersatz pro Opfer würden viele Eltern ihre Kinder sofort in ein RK Internat schicken. Nach zwei Kindern könnte es schon für ein Schickes Häuschen reichen oder einen Wagen der höheren Preisklasse.
Deswegen finde ich es gut dass die Schadensersatzsummen sich nicht an den Amis orientieren.

leser129
00
24.6.2010, 00:07
Was?

Ja so was muss man ja auch nicht umbedingt anzeigen?! Verständlich wenn man weiß was wirklich passiert ist! Seht selbst:
http://www.youtube.com/watch?v=J5YA3mauYqI

Oder??

DDr.Klugscheisser
20
23.6.2010, 22:10
Ich kenne mich im österreichischen Strafrecht nicht aus,



aber wer von einer Straftat weiss und den Täter kennt und diesen nicht anzeigt macht sich m.E. in jedem normalen Rechtsstaat strafbar.

peter schmidt
 
01
23.6.2010, 23:54
nein.

Mork vom Ork
01
23.6.2010, 23:36

nein

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