Ban muss Farbe bekennen

23. Juni 2010, 19:05
12 Postings

Die großen Verlierer sind die Armen - Von Jan Dirk Herbermann

Die Uno gibt Durchhalteparolen aus. Im Kampf gegen Armut, Hunger und Seuchen könnte die Welt noch siegen. Die ambitionierten Ziele für eine bessere Welt bis 2015 seien erreichbar. Tapfer wiederholen hohe Funktionäre wie Generalsekretär Ban Ki-moon diese Wunschvorstellungen.

Ein Blick auf die Faktenlage reicht aber aus, um nüchtern zu sagen: Die sogenannten Millenniumsentwicklungsziele sind nicht alle erreichbar, allein der Anteil der hungernden Menschen an der Weltbevölkerung geht nicht entscheidend zurück. Und die Liste der bedrückenden Nachrichten lässt sich mühelos fortsetzen.

Wieso macht die Uno der Welt und auch sich selbst etwas vor? Die Organisation steht vor einem Dilemma: Geben Ban und seine Mitstreiter bereits heute die globale Niederlage im Kampf gegen die Armut zu, wäre der Druck auf die Staaten des Nordens und die Regierungen der armen Staat weg: Die Reichen würde noch mehr knausern, Machthaber in Afrika, Asien und Lateinamerika noch ungenierter in die eigene Tasche wirtschaften.

Also heißt es bei der Uno: Es wird schon irgendwie hinhauen mit den Millenniumszielen. Doch spätestens im Jahr 2016 wird Ban oder sein Nachfolger Farbe bekennen müssen. Die Uno sollte sich überlegen, wie sie dann die Niederlage im Kampf gegen das Elend verkauft. Eines ist schon heute klar: Die großen Verlierer sind die Armen.  (DER STANDARD, Printausgabe, 24.6.2010)

Share if you care.