Am liebsten Argentinier

23. Juni 2010, 18:38
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Welcher Empfang wohl am besten kommt

Franzose müsste man sein. Den Empfang in Paris sollte man erleben, das wird sicher ein einziger Triumphzug. Raymond Domenech (angeblich bei Kapfenberg und der Vienna im Gespräch) wird mehrere Stunden auf fremden Schultern verbringen. Die Spieler haben ja trotz des Punktes gegen Uruguay auf Prämien in Höhe von fünf Millionen verzichtet. Echte Helden, sie werden von Ordensverleihung zu Ordensverleihung geschleift.

Noch besser - Nordkoreaner. Die sind nämlich neuer Weltmeister. Der große Führer soll es veranlasst haben. Der 11. Juli ist bereits gewesen. Die irrtümlich angesetzte TV-Übertragung vom Spiel gegen das in der Tat armselige Portugal wurde beim Stande von 0:4 abgebrochen. Der große Führer hat dann aus dem erfundenen 0:7 ein heldenhaftes 4:4 gebastelt. Von einem 5:4-Sieg hat der schlaue Fuchs abgesehen, das wäre unglaubwürdig gewesen. So naiv ist sein Volk auch wieder nicht. Man ist aber Österreicher.

Da drängt sich die Frage auf, was wäre gewesen, hätte das ÖFB-Team die Qualifikation für Südafrika geschafft. Natürlich ist das so unrealistisch wie ein 4:4 von Nordkorea gegen Portugal gewesen, aber die Gedanken sind immer noch frei. Österreich hätte halt dreimal verloren, einmal mit viel Pech, zweimal mit wenig Pech. Kapitän Marc Janko hätte Teamchef Dietmar Constantini in einer Halbzeitpause niemals "Hurenbock" genannt, im Gegensatz zum Franzosen Nicolas Anelka hat Janko nämlich Stil. Sonst hätte ihn Twente Enschede nicht Red Bull Salzburg abgekauft (kein Gedankenspiel, stimmt).

Der Empfang in Wien wäre dem ORF-Kurzsport 30 Sekunden Wert gewesen. Dominic Heinzl wäre auch am Flughafen erschienen, hätte aus der Ankunft ein sehr lustiges und sehr scharfes Geschichterl geschnitten. Da ist man lieber Franzose.

In Wahrheit müsste man Argentinier sein. Trotz der Küsse von Diego Maradona. Oder wegen. (Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe 24.06.2010)

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