Energieagentur sieht Gasblase prall gefüllt

23. Juni 2010, 21:56
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Zumindest bis 2015 sollte es auch bei Rohöl keine fundamentalen Engpässe geben

  Paris/Moskau/Wien - Trotz der gewaltigen Mengen an Rohöl, die sich in den Golf von Mexiko ergießen, und dem jüngst ausgebrochenen Streit zwischen Moskau und Minsk um das Erdgas gibt es von beidem genug - zumindest auf mittlere Sicht. Zu diesem Ergebnis kommt die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem am Mittwoch präsentierten Ausblick für den Öl- und Gasmarkt bis 2015.

"Auf dem Rohölmarkt sind die freien Kapazitäten komfortabler als im Vorjahr erwartet. Die Gasblase dürfte bis über das Jahr 2013 hinaus intakt bleiben, zumindest in einigen Regionen" , schreiben die IEA-Experten.

Der Analyse der in Paris ansässigen Organisation wird große Bedeutung beigemessen. Sie ist die Interessenvertretung der Energieverbraucher und warnt normalerweise vor Engpässen und mangelnden Investitionen in die Öl- und Gasförderung.

Die IEA geht davon aus, dass sich die Förderkapazität bei Rohöl bis 2015 um gut 5,0 auf 91 Millionen Fass (je 159 Liter) am Tag erhöht. Das sind 0,9 Millionen Barrel pro Tag mehr, als die IEA im Juni 2009 geschätzt hatte. "Der höhere Ölpreis, geringere Kosten und ein Anstieg der Investitionen begünstigten diese Entwicklung" , schreiben die IEA-Experten. "Neue Projekte kommen voran. Zudem ist der Förderrückgang auf erschlossenen Feldern etwas geringer als erwartet."

Das Nachfragewachstum in den kommenden fünf Jahren schätzt die IEA auf 0,84 bis 1,2 Mio. Fass täglich. Damit würde der globale Verbrauch entweder dieses oder nächstes Jahr das Vorkrisenniveau wieder erreichen. Für 2015 entspräche das einem Volumen von 90 bis 92 Mio. Fass täglich.

Für Gas sieht die Versorgungslage aus Sicht der IEA noch entspannter aus. Erst 2013 werde der weltweite Verbrauch zwei Prozent über dem Niveau von 2008 liegen.

Gasstreit trifft Litauen

Überraschende Wende im Gasstreit: Weißrussland hat nach Regierungsangaben nun doch seine ausstehenden Rechnungen bei Russland komplett bezahlt. Minsk habe die vom Staatskonzern Gasprom geforderten 187 Millionen Dollar (152 Mio. Euro) am Mittwoch überwiesen, sagte Vize-Regierungschef Wladimir Semaschko. Zu Ende ist der Streit damit aber noch nicht.

Russland bestätigte den Erhalt des Geldes nicht und stellte dem finanzschwachen Weißrussland ein Ultimatum. Sollte Gasprom nicht die angehäuften Schulden für den Transit des Gases in Höhe von 260 Mio. Dollar begleichen, werde Minsk dem Westen den Gashahn zudrehen, hieß es am Mittwochabend.

Da das EU-Mitgliedsland Litauen 40 Prozent weniger russisches Gas als normalerweise über die Transitleitungen durch Weißrussland erhält, will die EU sich selbst ein Bild der Lage machen. Man werde Experten nach Litauen schicken, um den Gasfluss genau zu überprüfen, kündigte EU-Energiekommissar Günther Oettinger an. (ved, stro, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.6.2010)

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    Wegen des Streits zwischen Moskau und Minsk strömt derzeit zwar weniger Gas nach Europa, insgesamt gibt es aber genug davon.

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