Anne unter der Brause

23. Juni 2010, 17:10
87 Postings

Stichwort Frauenquote: Ein beschämendes Schauspiel liefert derzeit Deutschlands öffentlich-rechtliches Fernsehen

Stichwort Frauenquote: Ein beschämendes Schauspiel liefert derzeit Deutschlands öffentlich-rechtliches Fernsehen. Nach langem Hin und Her ließ sich Günther Jauch zu einer Talkshow bei ARD überreden. Die Verantwortlichen jubeln, erfreut sich doch der RTL-Moderator einer dauerhaften Beliebtheit wie kein anderer Entertainer im deutschsprachigen Raum. Die Quizshow Wer wird Millionär? moderiert Jauch seit elf Jahren in konstanter Spitzenform, Stern-TV gilt als Magazinurgestein mit einer Haltbarkeit, die im Privatfernsehen nicht gang und gäbe ist. Jauch soll sonntags um 21.45 Uhr Polittalks leiten. Sein Vertrag läuft drei Jahre - ein unüblich großer Vertrauensvorschuss: Misserfolg ist nicht vorgesehen.

Das bedeutet gleichzeitig Pech für Anne Will, die den Programmplatz bis jetzt innehat und sich nun leider brausen gehen kann. Will führte die Talks mit sicherer, ruhiger Hand und schaffte sich in knapp zwei Jahren einen Namen und ARD eine Marke, auf die der Sender hätte bauen können. Will legte eine solide Performance hin, es gab nichts, gar nichts an ihr auszusetzen.

Man könnte nun fragen, ob es vonseiten der ARD klug war, das Engagement von Jauch groß zu feiern, ohne einen blassen Schimmer zu haben, was man eigentlich mit der prominenten Talkerin tun soll. Welches Signal man mit derart rückwärtsgewandten Entscheidungen aussendet, wäre ebenfalls zu hinterfragen.

Skeptisch hinsichtlich Jauchs Zukunft könnte man auch sein, wenn man sieht, was auf ARD mit Harald Schmidt passierte. Aber lassen wir das und sagen es später einfach mit den weisen Worten eines Diego Maradona: Ihr seid falsch gelegen, sehr falsch. (Doris Priesching, DER STANDARD; Printausgabe, 24.6.2010)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Anne Will und Günther Jauch.

Share if you care.