Kämpfer Melzer in Runde drei, Fischer out

24. Juni 2010, 18:08
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Melzer dreht einen 0:2-Satzrückstand gegen Aufschlagkanone Viktor Troicki

London - Wie vor drei Wochen im Viertelfinale der French Open gegen Novak Djokovic hat Jürgen Melzer am Mittwoch auch in der zweiten Runde von Wimbledon einen Zweisatzrückstand wettgemacht und noch einen Fünfsatzsieg gefeiert. Der 29-jährige Niederösterreicher gewann gegen Serben Viktor Troicki nach fast dreieinhalb Stunden Spielzeit 6:7(5),4:6,6:3,7:6(6),6:3 und trifft beim Rasenklassikers im Kampf um den Achtelfinaleinzug nun auf den Spanier Feliciano Lopez.

Den Weltranglisten-42. Troicki trennten im dritten Satz beim Stand von 5:4 und im Tiebreak des vierten Durchgangs jeweils nur zwei Punkte vom Matchgewinn. "Es ist natürlich etwas ganz Besonders, ein solches Comeback zu schaffen. Es ist wieder ein Statement an die anderen. Damit sage ich ihnen: Man muss mich schlagen, im Moment gibt es keine Geschenke", betonte Melzer.

Der Vorarlberger Martin Fischer ist am Donnerstag beim Tennis-Rasenturnier in Wimbledon ausgeschieden. Der 23-jährige Qualifikant unterlag in seinem ersten Grand-Slam-Zweitrundenmatch dem als Nummer 25 gesetzten Brasilianer Thomaz Bellucci nach hartem Kampf 7:6(11),6:7(4),6:7(1),2:6. Damit ist Jürgen Melzer der einzige österreichische Drittrunden-Einzelbeitrag beim Rasenklassiker in London.

Gewonnenes Selbstvertrauen

In den kritischen Momenten zeigte Melzer als Österreichs Nummer 1, dass er dank seines Erfolgslaufes in Paris an Selbstvertrauen gewonnen hat. Der Weltranglisten-16. blieb ruhig und gewann die wichtigen Punkte. "Das Selbstvertrauen stimmt natürlich. Dann spielt es sich auch leichter. Wichtig war einfach, dass ich immer dabei geblieben bin. Aber ich habe versucht, es ihm so schwer wie möglich zu machen. Das war ein Match über fünf Sätze auf einem richtig geilen Niveau", betonte Melzer.

Schon in den ersten beiden Sätzen hatte der Weltranglisten-16. ansprechend gespielt, doch sein serbischer Widersacher zeigte vor allem eine überragende Aufschlagleistung. Insgesamt servierte Troicki 32 Asse. "Für mich war es überraschend, dass er so dominant war beim eigenen Aufschlag. Denn meine Leistung war absolut in Ordnung", so der Österreicher. Melzer ließ sich auch im Rückstand nicht entmutigen, blieb dran und setzte sich letztlich dank seiner überlegenen Grundschläge durch und behielt auch im dritten Duell mit dem fünf Jahre jüngeren Serben die Oberhand.

Der Deutsch Wagramer qualifizierte sich zum bereits vierten Mal für die dritte Wimbledon-Runde, weiter ist er in London bisher aber noch nie gekommen. Am Freitag kann Melzer das nun gegen den als Nummer 22 gesetzten Linkshänder Lopez, der sich gegen den litauischen litauischen Qualifikanten Ricardas Berankis durchsetzte, ändern. Bei einem Erfolg gegen den Spanier, den er in fünf Duellen bisher dreimal besiegt hat, würde dann im Achtelfinale aller Voraussicht nach Superstar Roger Federer warten.

Positive Niederlage

Fischer war seinem in der Weltrangliste klar vor ihm klassierten 22-jährigen Gegner über weite Strecken ebenbürtig, verpasste aber zu viele Möglichkeiten. So nutzte er nur 3 seiner 13 Breakchancen, Belluci verwertete hingegen 5 von 7. Nach im Tiebreak gewonnenem Startsatz führte Österreichs Nummer 4 im zweiten Durchgang 5:3, gab dann aber die Führung aus der Hand und verlor in der Folge zwei Tiebreaks. "Bei einer 2:0-Satzführung hätte es natürlich anders ausgesehen. Die Partie habe ich verloren, weil ich die Chancen, die sich im zweiten und dritten Satz geboten hatten, nicht nützen konnte", erklärte Fischer.

In den entscheidenden Phasen schien dem Vorarlberger noch etwas die Erfahrung zu fehlen. Der Brasilianer war der effizientere Spieler. "Es wäre ganz wichtig gewesen, bei den Breakbällen besser aufzuschlagen. Leider ist mir das nicht gelungen. Ich schaffte es nicht, mich in diesen Momenten mit ein, zwei guten Aufschlägen zu retten. Das wäre auch von der mentalen Komponente wichtig gewesen", betonte Fischer.

Den vergebenen Möglichkeiten trauerte er dann auch nach. "Ich bin schon sehr enttäuscht. Ich ging in die Partie und wusste, dass ich eine Chance habe, sie zu gewinnen. Und weil ich nun auch viele Möglichkeiten verpasst habe, ist die Enttäuschung schon sehr groß", gab Fischer zu Protokoll.

Trotzdem darf Fischer, der im Südwesten Londons erstmals eine Runde in einem Major-Turnier überstand, auf ein gelungenes Turnier zurückblicken. "Die Reise nach Wimbledon war etwas ganz Positives. Etwas, das mir für die Zukunft Kraft und Mut gibt. In der ersten Enttäuschung ist es schwierig, das Positive zu sehen. Aber das wird morgen schon anders sein", bekräftigte der Vorarlberger, der vor einem Monat in Paris sein Grand-Slam-Debüt gegeben hatte. Nun geht es für Fischer auf Sand weiter, er wird versuchen, das gewonnene Selbstvertrauen bei Challenger-Turnieren in Erfolge umzumünzen. Langfristig will sich der Rechtshänger Richtung Top 100 orientieren. (APA) 

  • Jürgen Melzer musste 32 Asse hinnehmen, ging aber doch noch als Sieger vom Platz.

    Jürgen Melzer musste 32 Asse hinnehmen, ging aber doch noch als Sieger vom Platz.

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