Kokainmarkt von den USA nach Europa verlagert

23. Juni 2010, 16:15
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Synthetische Drogen weiter im Vormarsch - Cannabis bleibt bei Konsumenten unangefochtene Nummer eins

Wien -  Neue Suchtmittel, neue Märkte: Das ist das Resümee des Welt-Drogenreports 2010, den das in Wien ansässige UNO-Büro für Drogen- und Kriminalitätsbekämpfung (UNODC) am Mittwoch veröffentlicht hat. Während Kokain und Heroin weniger konsumiert werden, greifen die Konsumenten immer stärker zu synthetischen Suchtstoffen. Unangefochtene Nummer eins bei den Konsumenten bleibt aber Cannabis, das 130 bis 190 Millionen Menschen zumindest einmal pro Jahr rauchen.

Synthetisch Amphetamin-basierte Drogen

Nach UNODC-Schätzungen greifen etwa 30 bis 40 Millionen Menschen zu synthetischen Amphetamin-basierten Stoffen - Tendenz steigend. Die Zahl werde bald die von Heroin- und Kokain-Konsumenten zusammengenommen übertreffen. Auch der Missbrauch von rezeptpflichtigen Medikamenten ist stark zunehmend. "Wir werden das globale Drogenproblem nicht lösen, indem wir einfach die Süchtigen von Kokain und Heroin weg hin zu anderen abhängig machenden Stoffen treiben - und es gibt unbegrenzte Mengen davon, in Labors der Mafia zu verschwindend geringen Kosten hergestellt", warnte UNODC-Direktor Antonio Maria Costa.

Schmuggelrouten sind sehr kurz

Der Umfang des Marktes für synthetische Drogen ist schwer einzuschätzen, weil die Schmuggelrouten sehr kurz seien, so die UNODC. Allerdings sei die Zahl der gemeldeten Laboratorien für Amphetamin-Derivate im Jahr 2008 um 20 Prozent gestiegen. Die Hersteller sind sehr flexibel und stellen sich schnell auf neue Produkte ein - als Beispiel sei nur Spice genannt.

Anbau von Opium und Coca geht zurück

Der Anbau von Opium und von Coca geht hingegen zurück, heißt es in dem Bericht. So sank die weltweite Heroinproduktion 2009 um 13 Prozent auf 657 Tonnen. Sowohl in Afghanistan als auch in Burma wurde weniger Schlafmohn angebaut. Die Heroinmenge, die aktuell auf den Markt kommt, sei weit geringer, weil große Opiummengen derzeit gehortet würden.

Opium-Bedarf für zweieinhalb Jahre: 12.000 Tonnen auf Lager

UNODC-Schätzungen sprechen von mehr als 12.000 Tonnen Opium , die derzeit auf Lager liegen. Das wäre etwa der weltweite Bedarf für zweieinhalb Jahre. Etwa 55 Milliarden Dollar (44,9 Mrd. Euro) werden mit Heroin weltweit umgesetzt. Dabei werden in Afghanistan, Russland, Iran und Westeuropa etwa die Hälfte der gesamten Heroinproduktion konsumiert.

Iran und Türkei beschlagnahmten meistes Heroin

Bei den Heroinaufgriffen ist Afghanistan hingegen unter ferner liefen. Nur zwei Prozent der in Afghanistan produzierten Opiate werden laut UNODC beschlagnahmt. Iran und die Türkei zogen hingegen 2008 etwa die Hälfte des auf der ganzen Welt beschlagnahmten Heroins aus dem Verkehr. In Grenzen halten sich aber die Erfolge der Drogenfahnder sowohl auf der Nord- als auch auf der Balkanroute.

Kokainmarkt von USA nach Europa verlagert

Der Kokainmarkt hat sich laut UNODC in den vergangenen Jahren von den USA in Richtung Europa verlagert. In den Vereinigten Staaten ist der Konsum signifikant zurückgegangen. Costa: "Einer der Gründe für den Drogenkrieg in Mexiko liegt darin, dass die Kartelle um einen schrumpfenden Markt kämpfen."

Kokain: Verlagerung der Schmuggelrouten

Das Problem ist aber über den Atlantik gewandert. In der vergangenen Dekade habe sich die Zahl der Kokain-Konsumenten verdoppelt, so das UNODC. 2008 war der europäische Markt mit 34 Milliarden Dollar (27,7 Mrd. Euro) bereits fast so groß wie der nordamerikanische (37 Milliarden Dollar oder 30,2 Mrd. Euro). Die Verlagerung der Nachfrage bedingt eine Verlagerung der Schmuggelrouten: Die Menge des aus den Andenstaaten über Westafrika nach Europa transferierten Kokains sei stark gestiegen.

Schlechter Zugang zu Drogentherapien

Der Welt-Drogenbericht sieht jesdoch auch einen ernsthaften Mangel an Möglichkeiten zur Suchtgifttherapie weltweit. Speziell die Menschen in ärmeren Nationen sind davon betroffen. Nach UNODC-Schätzungen hatte 2008 nur jeder fünfte Problem-Konsument weltweit im abgelaufenen Jahr Zugang zu einer Drogentherapie.(APA)

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