Die Welt hat ihren Preis

23. Juni 2010, 17:22
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Als Sammelobjekte sind alte Globen noch beinahe unbekannt, die Weltkugeln erzielen bei Versteigerungen aber schon jetzt hohe Preise

An alten Globen lässt sich die Entdeckung der Welt ablesen. Als Sammelobjekte selbst sind sie zwar noch beinahe unbekannt, erzielen bei Versteigerungen aber schon jetzt hohe Preise.

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"Andere sammeln Glas oder Silber, ich hab mir gewissermaßen die ganze Welt ausgesucht - zumindest als Modell" , sagt Peter Allmayer-Bech, Sammler und Präsident der Coronelli-Gesellschaft für Globenkunde.

Die Faszination für die Weltkugel bleibt nicht bei den Reisen mit dem Zeigefinger stehen, mit der sich Kinder oft in ferne Länder träumen. Globen verdeutlichen Geschichte: Weil immer genauer umrissen neue Länder auftauchten, lassen sich anhand alter Globen die Entdeckungen durch große Seefahrernationen nachvollziehen und durch die Verschiebung von Grenzen sämtliche politischen Umwälzungen verfolgen. Immer wieder mussten obsolet gewordene Globen ersetzt werden, weshalb aus einzelnen Epochen oft nur wenige erhalten sind.

Und das macht sie für Sammler interessant - die aber mit etwas Kleingeld ausgestattet sein sollten. "Sammlergloben erzielen Preise zwischen 500 und 50.000 Euro" , sagt Jan Mokre vom Wiener Globenmuseum. Immer wieder durchbrechen Einzelstücke aber diese Grenze: "Vor kurzem wurden für einen Globus vom Niederländer Willem Janszoon Blaeu 1,9 Millionen Euro angeboten" , sagt Allmayer-Bech. Zwei silberne, anschließend vergoldete Globen - ein Erd- und ein Himmelsglobus - von dem Augsburger Goldschmied Abraham II Drentwett (17. Jahrhundert) wechselten bei Christie's um 1,5 Millionen Euro den Besitzer.

Die Kombination von Erd- und Himmelsglobus zusammen zu erstehen stellt für einen Sammler gewissermaßen das höchste der Gefühle dar. Noch bevor es die Welt war, die durch die Kenntnis von Kartografen auf eine Kugel gebannt wurde, hatte es nämlich Himmelsgloben gegeben. Bereits seit der Antike zeigten sie die von Astronomen vermessenen Sternbilder. Ab dem 15. Jahrhundert wurden Erd- und Himmelsglobus dann im Doppelpack verkauft. Im 19. Jahrhundert lief das Irdische dem Himmlischen und Geistigen dann endgültig den Rang ab.

Begehrt sind auch jüngere Erdgloben: 18.600 Euro erzielte ein mit 80 Zentimeter Durchmesser sehr großer Bibliotheksglobus von Dietrich Reimer um 1900 bei der Auktion zu historischen wissenschaftlichen Instrumenten und Globen im Dorotheum Wien. "Die Preise für Globen sind in den 1990er-Jahren gestiegen, momentan halten sie sich konstant" , sagt Simon Weber-Unger, Globenexperte im Dorotheum Wien. "Das Angebot ist klein" , fügt Sammler Altmayer-Bech hinzu, "in Wien findet man nur selten etwas bei Händlern." Die Zeiten, in denen diese nicht wussten, welche Schätze sie vor sich haben, seien ohnehin vorbei. Gesucht wird also bei Auktionen oder über das Händlernetzwerk, das Sammler sich nach und nach aufbauen.

Eine komplexe Materie

"Der Sammlerwert wird vor allem durch Alter, Seltenheit, Material und Zustand des Globus definiert" , erklärt Allmayer-Bech. Sammler wie er achten sowohl auf die Qualität der Karten als auch auf jene des Gestells, das die Kugel trägt. In beidem spiegelt sich seit Jahrhunderten nicht nur der jeweilige Wissensstand, sondern auch die Kunstfertigkeit und der Stil der Epoche, in der sie erzeugt wurden, wider.

"Globen sind unglaublich komplex und vielseitig" , fasst Jan Mokre zusammen. Sie dienten den Seefahrern und Eroberern zur Orientierung - und an ihnen lässt sich der jeweilige Stand der Wissenschaft ablesen. (Martina Bachler, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.6.2010)

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