Neue Einsichten über "Weiße Hirn-Masse"

23. Juni 2010, 15:38
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Durch bessere Kenntnisse über Gehirnveränderungen neue Wege zur gezielten Frühdiagnose und Prävention möglich

Berlin - Das Entstehen von vaskulärer Demenz, der nach Morbus Alzheimer zweithäufigsten Form von Demenz, kann möglicherweise schon bald bereits vor dem ersten Auftreten kognitiver Symptome diagnostiziert und durch gezielte präventive Maßnahmen gestoppt oder zumindest gebremst werden. Darauf weist ein Teilergebnis der groß angelegten internationalen LADIS (Leukoaraiosis And DISability) Studie hin. Die Forschergruppe konnte nachweisen, dass bestimmte Veränderungen der sogenannten "Weißen Masse" in den Tiefenregionen des Gehirns mit einem deutlich erhöhten Risiko verbunden sind, innerhalb der nächsten drei Jahre an vaskulärer Demenz zu erkranken.

Beeinträchtige Vernetzung

Vaskuläre Demenz entsteht im Gegensatz zu Morbus Alzheimer durch krankhafte Veränderungen der Blutgefäße als Folge von Bluthochdruck, Diabetes, hohen Blutfettwerten oder Rauchen. Während die Alzheimer-Erkrankung vor allem das Gedächtnis beeinträchtigt, erzeugt vaskuläre Demenz Anomalien der sogenannten exekutiven Gehirnfunktionen, für welche die Vernetzung vieler Gehirnregionen nötig ist - zum Beispiel die Fähigkeit, das Preis/Leistungsverhältnis eines Angebots zu beurteilen und angemessene Entscheidungen zu treffen. Für derartige Vernetzungsleistungen ist im Gehirn die Weiße Masse zuständig.

Bestimmte, auf hochauflösenden Magnetresonanzbildern (MRI) erkennbare symmetrische Veränderungen der Weißen Masse, die sogenannte Leukoaraiose, treten ab dem 60. Lebensjahr immer häufiger auf und können mit Demenz assoziiert sein. Die neuen Studienergebnisse zeigen nun, dass nicht allein der Schweregrad der Leukoaraiose, sondern auch der genaue Ort ihres Auftretens für die Prognose entscheidend ist. 

Leukoaraiose im Stammhirn als Demenz-Prädiktor

639 Probanden ohne Demenz im Alter von 65 bis 84 Jahren wurden auf Ausmaß und Ort von Veränderungen der Weißen Masse hin untersucht und drei Jahre hindurch weiter beobachtet. 90 Probanden entwickelten in dieser Zeitspanne unterschiedliche Formen von Demenz, vor allem vaskuläre Demenz, Morbus Alzheimer und eine Mischform davon. "Dabei zeigte sich, dass periventrikuläre Leukoaraiose ein unabhängiger zusätzlicher Indikator für die Entwicklung von Demenz ist und daher nicht nur als Alterserscheinung betrachtet werden kann. Menschen jedoch, bei denen die Weiße Masse zu Beginn der Studie in den tiefen Gehirnregionen, vor allem im subkortikalen Gehirn, verändert war, entwickelten signifikant häufiger eine vaskuläre Demenz", so Bruno Miranda vom Universitätshospital de Santa Maria, Lissabon, und Hauptautor der Studie. 

Hoffnung auf Früherkennung und neue Präventionsstrategien

"Diese Erkenntnis vertieft unser Verständnis von vaskulärer Demenz", so der Experte. „Darauf aufbauend hoffen wir, diese für Betroffene wie Angehörige quälende Form von geistigem Verfall künftig früher erkennen und besser vermeiden zu können. Weitere Studien werden zeigen, ob wir Menschen mit Leukoaraiose in tiefen Gehirnregionen durch eine aggressivere Behandlung der Grunderkrankung wie Bluthochdruck oder Diabetes zu einer besseren Prognose verhelfen und den Ausbruch vaskulärer Demenz verhindern oder zumindest verzögern können." (red)

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    Die sogenannte "Weiße Masse" befindet sich in den Tiefenregionen des Gehirns

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