Welche Straßenlaterne ist der schlimmste Nachtfalter-Killer?

23. Juni 2010, 14:26
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Versuchsreihe in Tirol: Sechs verschiedene Beleuchtungstypen verglichen

Völs/Innsbruck - Welche schädlichen Auswirkungen Straßenlaternen auf nachtaktive Lebewesen haben, nimmt erstmals ein Forschungsprojekt der Tiroler Umweltanwaltschaft in Zusammenarbeit mit dem Landesmuseum unter die Lupe. In einer über den Sommer laufenden Versuchsreihe würden sechs verschiedene handelsübliche Beleuchtungstypen auf ihre "Anlockwirkung" hin überprüft, erklärte der Leiter der naturwissenschaftlichen Abteilung der Tiroler Landesmuseen, Gerhard Tarmann, bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Völs bei Innsbruck.

Zum ersten Mal würden auf diese Weise wissenschaftlich fundierte Ergebnisse auf diesem Gebiet geliefert. "Das Projekt hat daher bereits über die Landesgrenzen hinaus Interesse geweckt", betonte Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer. Die Ergebnisse sollen neben der Energieeffizienz ein weiters Entscheidungskriterium für die Auswahl der Beleuchtungsart im öffentlichen Raum bieten. Immerhin hätten die traditionell verwendeten Natriumdampfhochdrucklampen das Potenzial, bis zu 1.000 Nachtfalter in einer Nacht zu töten. Auch Zugvögel würden von manchen Lampen massiv beeinträchtigt.

"Helle Not"

"In 18 Nächten im heurigen Sommer werden wir insgesamt sechs Messstationen in Betrieb haben", schilderte Tarmann. Jeder Kasten ist mit einem anderen Beleuchtungstyp ausgestattet. Darunter befindet sich ein Trichter, indem die angelockten Insekten gesammelt werden. Die Ergebnisse - insgesamt 108 Proben - sollen dann im Tiroler Landesmuseum analysiert und ausgewertet werden, indem die gesammelten Insekten katalogisiert werden. "Auf diese Weise erhoffen wir uns, wissenschaftlich fundierte Daten über die Biodiversitäts-schädigende Wirkung der verwendeten Straßenlampen zu erhalten", erläuterte Tarmann.

Bis jetzt gebe es zwar genügend Prognosen auf diesem Gebiet, aber keine wissenschaftlich fundierten Forschungsergebnisse, betonte Wolfgang Meighörner, Direktor der Tiroler Landesmuseen. Die Ergebnisse sollen nach Abschluss des Forschungsprojektes in breiter Form publiziert werden. Insgesamt beliefen sich die Projektkosten auf rund 22.000 Euro, die zur Gänze von der Umweltanwaltschaft bereitgestellt würden. Das Tiroler Landesmuseum liefere die Expertise, betonte Meighörner. Die jetzige Versuchsreihe findet im Rahmen des vor zehn Jahren ins Leben gerufenen Projekts "Helle Not" statt. Die Anlage bleibe bis auf weiters erhalten. Somit könne die Forschung im nächsten Jahr mit neu auf den Markt gekommenen Lampen fortgesetzt werden, erklärte der Direktor. (APA)

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