Millenniumsziele trotz Krise bis 2015 erreichbar

23. Juni 2010, 14:26
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Jahresbericht 2010: Kampf gegen Hunger ist von der Krise am stärksten betroffen

New York - Die Wirtschaftskrise gefährdet das Erreichen der
Millenniumsentwicklungsziele (MDGs) bis 2015 nicht, obwohl sie
weltweit viele Arbeitsplätze und Einkommen vernichtet hat. Zu diesem
Ergebnis kommen die Vereinten Nationen in ihrem am Mittwoch
vorgestellten Jahresbericht zu den MDGs. In dem Bericht werden einige
Erfolge präsentiert, aber auch Gründe aufgezeigt, weshalb keine
ausreichenden Fortschritte erzielt werden.

Der Bericht, der von UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon vorgestellt
wird, dient der Vorbereitung auf den UNO-Sondergipfel im September.
Er erscheint nur wenige Tage vor dem G-8 Gipfel in Kanada, bei dem
die Vertreter der großen Wirtschaftsnationen über ihre zukünftigen
Hilfszusagen diskutieren werden.

2000 beschlossen

Im September 2000 wurden folgende acht
Millenniumsentwicklungsziele von den an der 55. UN-Generalversammlung
teilnehmenden Staats- und Regierungschefs beschlossen: die Halbierung
von extremer Armut und Hunger, die Gewährleistung von
Volksschulausbildung für alle Kinder weltweit, die Gleichstellung von
Frauen, die Senkung von Kindersterblichkeit, die Verbesserung der
Gesundheitsversorgung für Mütter, die Bekämpfung von Krankheiten wie
beispielsweise HIV/Aids und Malaria, die Sicherung einer ökologischen
Nachhaltigkeit sowie der Aufbau einer globalen
Entwicklungspartnerschaft.

Ban Ki Moon schreibt im Vorwort des nun vorliegenden Berichts,
"dass die Ziele erreichbar sind, wenn nationale Strategien zur
Entwicklungszusammenarbeit durch internationale Partner unterstützt
werden. Es ist aber auch klar, dass wir das Leben der Armen nur
inakzeptabel langsam verbessert haben. Einige hart errungene Erfolge
sind durch den Klimawandel sowie die Nahrungs- und Wirtschaftskrise
gefährdet worden. Milliarden Menschen blicken auf die internationale
Gemeinschaft, die die MDGs umsetzen soll. Wir müssen dieses
Versprechen einhalten."

In dem UNO-Bericht werden einige große Fortschritte beschrieben:
Immer mehr Kinder können Volksschulen besuchen, vor allem in Afrika.
Fortschritte gibt es auch bei der Bekämpfung von AIDS und Malaria und
der Verbesserung der gesundheitlichen Lage von Kindern. In vielen
anderen Bereichen gibt es jedoch keine Fortschritte. Das hat vor
allem Folgen für die Ärmsten, die Landbevölkerung, Behinderte und
Menschen, die aufgrund ihrer Herkunft oder ihres Geschlechts
diskriminiert werden.

Nur die Hälfte aller Menschen in den Entwicklungsländern hat
Zugang zu ausreichenden Sanitäranlagen wie Toiletten oder Latrinen.
Mädchen aus dem ärmsten Fünftel der Weltbevölkerung haben eine 3,5
Mal geringere Wahrscheinlichkeit, eine Schule besuchen zu können, als
diejenigen aus den reichsten Haushalten.

Die Zahl der Menschen, die mit weniger als 1,25 US-Dollar am Tag
leben müssen, ist von 46 Prozent (1990) auf 27 Prozent (2005)
gesunken. Grund sind Fortschritte in China, Süd- und Südostasien. Es
wird erwartet, dass diese Zahl auf 15 Prozent bis 2015 sinken wird.
Der Kampf gegen den Hunger wurde dagegen durch die Wirtschaftskrise
erschwert. Die Zahl der Unterernährten ist schneller gestiegen, 2008
durch steigende Nahrungsmittelpreise, 2009 durch sinkende Einkommen.

Die Untersuchung von Ziel 8 (Globale Entwicklungspartnerschaft)
durch die UNO belegt, dass trotz der wirtschaftlichen Probleme die
internationale Kooperation nicht signifikant geschwächt wird. Die
Öffentliche Entwicklungszusammenarbeit (ODA) stieg sowohl 2008 als
auch 2009 und beträgt insgesamt knapp 120 Milliarden US-Dollar (97,9
Mrd. Euro) pro Jahr. Im UNO-Bericht wird aber gewarnt, dass die
Zunahme der ODA 2009 in realen Werten lediglich 0,7 Prozent gegenüber
2008 beträgt. Gemessen am gegenwärtigen Kurs des US-Dollars bedeutet
das sogar einen Rückgang um zwei Prozent. Es klaffen noch große
Lücken beim Versprechen von 2005, die Hilfe für Afrika zu verdoppeln.

Alarmierende Zahlen

Für Ziel 7 (Sicherung ökologischer Nachhaltigkeit) enthält der
UNO-Bericht alarmierende Zahlen. Im letzten Jahrzehnt sind auf der
Welt jedes Jahr 13 Millionen Hektar Wald vernichtet worden. Ein
Jahrzehnt zuvor waren es jährlich 16 Millionen Hektar.

Auch der weltweite Ausstoß von Kohlendioxid ist zwischen 1991 und
2007 aufgrund des Bevölkerungswachstums und des Wirtschaftswachstums
um fast 50 Prozent gestiegen. Zahlen für 2008 zeigen aber, dass sich
der Anstieg verlangsamt hat, vor allem wegen der Rezession. Es ist
sogar möglich, dass der Gesamtausstoß an Emissionen 2009 gesunken
ist. Klar ist aber, dass er rasant steigen wird, wenn die
Weltwirtschaft wieder wächst und keine geeigneten Maßnahmen getroffen
werden. Ende 2010 organisiert die UNO im mexikanischen Cancun die
nächsten Klimaschutzverhandlungen.Für die Millenniumsziele 4 und 5 (Senkung der
Sterblichkeitsrate von Kindern und Müttern) werden laut Bericht
Erfolge verzeichnet. Dennoch genügen diese nicht, um die
Millenniumsentwicklungsziele bis 2015 zu erreichen. Die Sterblichkeit
von Kindern unter fünf Jahren ist von 12,6 Millionen (1990) auf
geschätzt 8,8 Millionen (2008) gesunken. Das Sterbeverhältnis lag
1990 bei 100 toten Kindern auf 1.000 Lebendgeburten. 2008 betrug es
72:1000. Das ist ein Rückgang von 28 Prozent, der jedoch nicht
ausreicht, um das Ziel 4 zu erreichen: Zwischen 1990 und 2015 soll
die Sterblichkeitsrate von Kindern um zwei Drittel sinken.

Bei der Sterblichkeit von Müttern gibt es in vielen Ländern
Fortschritte. Nötig wäre aber ein Sinken von jährlich 5,5 Prozent, um
Ziel 5 zu erreichen: Zwischen 1990 und 2015 soll die
Sterblichkeitsrate von Müttern um drei Viertel sinken.
Hunderttausende Frauen sterben während der Schwangerschaft oder
Geburt. Die Gesundheit von Müttern ist schwierig zu messen, häufig
kann die Todesursache nicht eindeutig bestimmt werden. Der
Jahresbericht 2010 belegt aber, dass die Unterschiede bei der
Geburtshilfe zwischen Städten und ländlichen Gebieten geringer
geworden sind und mehr Frauen während ihrer Schwangerschaft
fachkundig betreut werden.

Als UNO-Generalsekretär Ban seinen gemeinsamen Aktionsplan
vorstellte, nannte er den gemeinsamen Kampf gegen HIV/Aids als eines
der hervorragenden Beispiele für gemeinsames Handeln. Die aktuellen
Zahlen belegen das: "Die Verbreitung von HIV hat sich in den meisten
Regionen stabilisiert und mehr Menschen haben bessere
Überlebenschancen", heißt es in dem Bericht. Ziel ist es, die
Verbreitung von Aids zu stoppen und allmählich umzukehren. Die
höchste Sterberate wurden 2004 mit 2,2 Millionen Aids-Toten
verzeichnet. 2008 betrug die Rate 2,0 Millionen.

In den Entwicklungsländern geht insgesamt auch die Tuberkulose
zurück. 1990 war das Verhältnis 310:1000. 2008 betrug es 210:1000. Im
südlichen Afrika ist die Rate aber im selben Zeitraum von 300:1000
auf 490:1000 gestiegen. Die Sterberate war bis 2003 gestiegen.
Seither ist eine Wende zu verzeichnen.

Die Hälfte der Weltbevölkerung hat nach wie vor das Risiko, sich
mit Malaria anzustecken. Der Jahresbericht 2010 zeigt, dass 2008
daran 243 Millionen Menschen erkrankten und 863.000 starben. 89
Prozent der Fälle traten in Afrika auf. Die Zahl der Kinder in Afrika
unter fünf Jahren, die unter Moskitonetzen schlafen, hat sich
zwischen 2000 und 2009 vervielfacht. Auch das ist ein Grund, weshalb
die Sterblichkeitsrate von Kindern gesunken ist.

Die UNO hält vom 20. bis 22. September 2010 in New York einen
Sondergipfel ab. Dort soll ein Plan verabschiedet werden, um die acht
Millenniumsziele weltweit schneller zu erreichen. Mehr als 100
Staats- und Regierungschefs werden erwartet, ebenso Vertreter von
Unternehmen, Stiftungen und der Zivilgesellschaft.

Der MDG-Bericht enthält eine jährliche Bilanz darüber, welche
Fortschritte in einzelnen Regionen bisher erzielt worden sind. Er
enthält die umfangreichsten und aktuellsten Daten und wird von über
25 UNO-Agenturen und -Programmen zusammengestellt. Herausgegeben wird
er von der UNO-Hauptabteilung für wirtschaftliche und soziale
Angelegenheiten. (APA)

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