BASF schnappt sich Cognis

23. Juni 2010, 14:27
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Nach jahrelangem Zögern übernimmt der weltgrößte Chemiekonzern den Konkurrenten um 3,1 Milliarden Euro

Frankfurt - Jahrelang hat BASF-Chef Jürgen Hambrecht gezögert, nun greift er zu: Im seinem letzten Jahr als Lenker des weltgrößten Chemiekonzerns hat der Manager die Übernahme des kleineren Wettbewerbers Cognis unter Dach und Fach gebracht. Durch den 3,1 Mrd. Euro schweren Zukauf will BASF das renditeträchtige Geschäft mit Spezialchemikalien ausbauen. "Mit dem Erwerb von Cognis stärken wir unser Portfolio mit konjunkturrobusten und ertragsstarken Geschäften und bauen unsere Position als das weltweit führende Chemieunternehmen weiter aus", sagte Hambrecht, der im Mai nächsten Jahres das Ruder beim Ludwigshafener Konzern abgibt.

BASF übernimmt im Zuge der Transaktion die Schulden von Cognis. Die bisherigen Eigentümer des Unternehmens, die Beteiligungsgesellschaften Permira, Goldman Sachs und SV Life Sciences, erhalten 700 Mio. Euro. Sie hatten bereits mehrere Anläufe genommen, um die ehemalige Tochter von Henkel loszuschlagen. Finanzkreisen zufolge hatten die Investoren beim Kauf von Cognis 2001 eine halbe Milliarde Euro Eigenkapital investiert. Permira-Deutschlandchef Jörg Rockenhäuser sprach von einem überdurchschnittlich erfolgreichen Private-Equity-Investment. Einschließlich Dividenden und Zinsen hätten die Beteiligungsfirmen etwa das Dreifache ihres Einsatzes herausgeholt, hieß es im Umfeld der Eigentümer.

Dritter Kauf in fünf Jahren

Für BASF-Chef Hambrecht ist der Cognis-Deal bereits der dritte Milliardenzukauf binnen fünf Jahren. 2009 übernahm das Unternehmen den Schweizer Ciba-Konzern für rund 3,8 Mrd. Euro, 2006 den US-Katalysatorenhersteller Engelhard für ebenfalls 3,8 Mrd. Euro. Nach dem Ciba-Kauf, den BASF unmittelbar vor dem Zusammenbruchs der US-Investmentbank Lehman Brothers angekündigt hatte, war Hambrecht wegen des hohen Kaufpreis kritisiert worden. Deshalb verhandelte er in den monatelangen Gesprächen über den Cognis-Kauf Kreisen zufolge besonders hart. Er habe seinem Nachfolger, dem derzeitigen Finanzchef Kurt Bock, keine Risiken zu überlassen wollen. Auch der US-Konzern Lubrizol hatte um Cognis gebuhlt.

Cognis setzte 2009 mit 5500 Mitarbeitern rund 2,6 Mrd. Euro um und erwirtschaftete dabei einen Betriebsgewinn (Ebitda) von 322 Mio. Euro. Das Unternehmen aus Mohnheim bei Köln war Ende 2009 mit rund 1,9 Mrd. Euro verschuldet.

BASF erweitert mit dem Cognis-Kauf, der spätestens bis November abgeschlossen werden soll, sein Geschäft mit Kosmetik-Inhaltsstoffen und Substanzen für Wasch- und Reinigungsmittel. Es ist weniger konjunkturanfällig und wirft höhere Renditen ab als Massenchemikalien. Zudem spürt BASF in der Grundstoffchemie zunehmenden Druck von Konkurrenten aus dem Nahen Osten, die billiger produzieren können. Auch Rivalen wie der US-Chemieriese Dow Chemical haben ihr Spezialchemiegeschäft deshalb zuletzt massiv ausgebaut.

"Mit dem Erwerb von Cognis ergänzen wir unser Portfolio vor allem mit Produkten, die auf nachwachsenden Rohstoffen basieren", sagte der zuständige BASF-Vorstand John Feldmann. Cognis produziert Spezialchemikalien und Zusatzstoffe für die Ernährungs- und Gesundheitsbranche, für Hersteller von Wasch- und Reinigungsmittel sowie für Kosmetikfirmen. Dazu kommen Chemikalien für Farben und Lacke sowie Schmierstoffe. Viele Produkte basieren auf natürlichen Ölen und Fetten. BASF steigt durch die Übernahme zum Weltmarktführer im Geschäft mit Kosmetik-Inhaltsstoffen sowie Substanzen für Wasch- und Reinigungsmittel auf.

"Gute Ergänzung"

Analysten sehen Cognis deshalb als gute Ergänzung. "Es ist eine Kunst, sich die wenigen interessanten Unternehmen auf dem Markt zu schnappen", erklärte DZ-Bank-Experte Peter Spengler. Der Kaufpreis sei angemessen. An der Börse legte die BASF-Aktie bis zum Mittag in einem schwächeren Gesamtmarkt 1,2 Prozent zu.

BASF rechnet im Zuge der Cognis-Übernahme bis 2013 mit Synergien von rund 130 Mio. Euro. Die Kosten der Integration bezifferte das Management bis Ende 2012 auf 200 bis 250 Mio. Euro. Ab 2012 soll der Zukauf den BASF-Gewinn erhöhen. Cognis soll in den Unternehmensbereich Performance Products eingebaut werden, zu dem auch die frühere Ciba gehört. Das Segment umfasst das Geschäfte mit Papierchemikalien, Dispersionen und Pigmenten, Substanzen für Reinigungsmittel, Pflege- und Hygieneprodukte wie Lichtschutzmittel für Sonnencremes. 2009 setzte die Sparte 9,4 Mrd. Euro um, knapp ein Fünftel des BASF-Konzernumsatzes. (APA/Reuters)

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    Der weltgrößte Chemiekonzern BASF setzt mit der milliardenschweren Übernahme des Spezialchemiekonzerns Cognis seine Einkaufstour fort.

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