"Danish Dynamite" muss explodieren

23. Juni 2010, 14:21
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Die Dänen brauchen gegen Japan einen Sieg zum Aufstieg - Kein Schongang bei den Niederländern gegen bereits gescheiterte Kameruner

Kapstadt/Rustenburg - Wer begleitet die Niederlande aus Gruppe E ins Achtelfinale der 19. Fußball-WM in Südafrika? Diese Frage wird am Donnerstag (20.30 Uhr) im direkten Duell zwischen Dänemark und Japan im Royal-Bafokeng-Stadion von Rustenburg beantwortet. Die punktegleichen Rivalen brauchen dabei gar nicht auf die Parallel-Partie zwischen den Oranjes und den bereits ausgeschiedenen Kamerunern nach Kapstadt zu schielen oder den Rechenschieber auspacken.

Den Asiaten würde nach dem 1:0 gegen die Afrikaner und dem 0:1 gegen die "Elftal" aufgrund der Tordifferenz schon ein Remis genügen. Hingegen ist der Europameister von 1992 nach dem 0:2 gegen die Holländer und dem 2:1 gegen Kamerun zum Siegen verurteilt. "Das ist das erste Finale und wir hoffen natürlich, dass wir das nächste erreichen" sagte der dänische Teamchef Morten Olsen.

Taktische Partie

Der 60-Jährige, der bei der ersten WM-Teilnahme der Dänen 1986 als Kapitän dabei war und das typische "Dynamit" damals mitgeprägt hatte, erwartet sich von seiner Truppe eine ähnliche Leistungsexplosion. "Wir wissen, was zu tun ist. Wir müssen uns selbstbewusst und überzeugend präsentieren", forderte Olsen. Christian Poulsen erwartet einen heißen Tanz. "Die Kameruner waren nicht gut organisiert, die Japaner spielen disziplinierter. Es wird eine schwierige Partie, die mehr von Taktik geprägt sein wird", meinte der Juve-Kicker.

Der Teamchef muss seine Truppe gegenüber der Kamerun-Partie zumindest an einer Position ändern. Anstelle des gesperrten Simon Kjaer dürfte Per Kröldrup in der Innenverteidigung spielen. Eine zweite Umstellung könnte sich noch im Sturm ergeben. Nicklas Bendtner schlägt sich mit Leistenproblemen herum. "Er ist für das Japan-Spiel weiter fraglich. Und das wird auch so bleiben, egal, wie weit wir in diesem Turnier noch kommen", meinte Olsen über den Arsenal-Legionär.

Die Japaner, die ebenso wie die Dänen zum vierten Mal an einem WM-Turnier teilnehmen und bisher erst einmal das Achtelfinale (2002) erreichten, haben für das "Finale" bzw. das zweite Duell mit den Europäern nach dem 2:3 vom 28. Juli 1971 in Kopenhagen alle Mann an Bord. Trainer Takeshi Okada, der vor WM-Beginn die Runde der letzten vier als Ziel ausgegeben hat, bereitete seine Spieler auf "das Match ihres Lebens", wie er es formuliert, vor.

Der 53-Jährige zeigt vor allem vor Arsenal-Stürmer Bendtner, mit dessen Einsatz er rechnet, großen Respekt. "Von ihm droht die größte Gefahr. Wir müssen trachten, dass er keine Vorlagen erhält", glaubt Okada den Schlüssel zum Erfolg zu kennen. Sollte Bendtner spielen, dürfte er den defensiven Yoshito Okubo dem kreativen Shunsuke Nakamura vorziehen. Beim 0:1 gegen die Niederlande war Nakamura bis zur 64. Minute auf der Bank gesessen.

Oranjes haben Lektion gelernt

Die Niederlande haben ihre Lektion gelernt. Schon in den vergangenen beiden Fußball-Turnieren waren die Oranjes nach den ersten beiden Gruppenspielen fix in der nächsten Runde gestanden. Teamchef Marco van Basten hatte zum Abschluss viele seiner Stars geschont - um dann jeweils in der ersten K.o.-Runde auszuscheiden. Das wird seinem Nachfolger Bert van Marwijk nicht passieren. Der Bondscoach will auch am Donnerstag (20.30 Uhr) in Kapstadt gegen Kamerun seine stärkste Elf aufs Feld schicken.

"Ich nehme das Spiel sehr ernst und werde mich nicht auf irgendwelche Experimente einlassen", erklärte Van Marwijk. "Ich habe keine Änderungen vor." Damit sollten auch die mit Gelben Karten belasteten Defensivspieler Gregory van der Wiel und Nigel de Jong sowie Stürmerstar Robin van Persie einlaufen. "Robin braucht Spiele, um seinen Rhythmus zu finden", begründete Van Marwijk. Der Arsenal-Angreifer hat bei dieser WM noch nicht getroffen.

Die Niederländer hatten sich gegen Dänemark (2:0) und Japan (1:0) aber generell überraschend schwergetan, zu Chancen zu kommen. Trotz deutlich mehr Spielanteilen war Geduld gefragt. Gegen die bereits ausgeschiedenen Kameruner würde bereits ein Remis zum sicheren Gruppensieg reichen. Ihren Platz im Achtelfinale haben die Oranjes ohnehin schon sicher. "Jedes Spiel ist ein Schritt zu einem höheren Ziel", betonte Mittelfeldspieler Mark van Bommel.

Das höhere Ziel heißt WM-Titel. 2006 waren die Oranjes im Achtelfinale an Portugal gescheitert (0:1), bei der EM 2008 an Russland (1:3 n.V.) - jeweils nach souveräner Gruppenphase, die sie mit einer B-Elf beendet hatten. Van Marwijk dürfte auf seine bewährte Stammformation setzen, Superstar Arjen Robben höchstens eingewechselt werden. Der Flügelspieler von Bayern München hat seinen Muskelfaserriss überwunden, bereits mehrmals voll mit der Mannschaft trainiert, will aber nichts überstürzen.

"Es geht immer besser", sagte Robben, der die ersten beiden WM-Spiele versäumt hatte. "Wir werden aber mit der medizinischen Abteilung kurzfristig entscheiden." Einige Einsatzminuten dürften dem 26-Jährigen vor dem Achtelfinale allerdings nicht schaden. "Es könnte sein, dass er spielt", sagte Van Marwijk. Robben wird von niederländischen Medien als jener Mann angesehen, der dem Team jene Kreativität geben soll, die ihm bisher gefehlt hatte.

Um die Ehre

Für Kamerun geht es dagegen im 20. WM-Spiel - ein Rekordwert für afrikanische Teams - nur noch um die Ehre. "Wir können es uns nicht leisten, von einer WM ohne Punkt heimzukommen", betonte Torhüter Hamidou Souleymanou. "Das wäre das schlechteste Turnier in der Geschichte unseres Landes. Das kann nicht passieren." Teamchef Paul Le Guen war nach dem vorzeitigem Out allerdings heftiger Kritik ausgesetzt gewesen - auch von seinen Spielern.

Samuel Eto'o war gegen Dänemark auf eigenen Wunsch ins Sturmzentrum zurückgekehrt, sein Führungstreffer hatte aber nicht gereicht - 1:2. Das vorzeitige Aus scheint auch den Star von Inter Mailand gebrochen zu haben. "Meine ganze Saison war darauf ausgerichtet, für diese WM bereit zu sein. Das war alles, woran ich gedacht habe", erklärte Eto'o. "Ich bin ziemlich am Boden." Dabei hatte er noch vor einem Monat mit Inter neben dem nationalen Double auch die Champions League gewonnen. (APA/Reuters/dpa)

Gruppe E (3. Runde):

DÄNEMARK - JAPAN
(Rustenburg, Boyal-Bafokeng-Stadion, 20.30 Uhr, SR Jerome Damon/Südafrika):

Dänemark: 1 Sörensen - 6 Jacobsen, 13 Kröldrup, 4 Agger, 15 S. Poulsen - 19 Rommedahl, 2 Ch. Poulsen, 10 M. Jörgensen, 8 Grönkjaer - 9 Tomasson, 11 Bendtner

Ersatz: 16 Andersen, 22 Christiansen - 23 Mtiliga, 5 W.-K. Jörgensen, 21 Eriksen, 7 Jensen, 14 J. Poulsen, 17 Beckmann, 20 Enevoldsen, 12 Kahlberg 18 Larsen

Es fehlt: 3 Simon Kjaer (gesperrt)

Teamchef: Morten Olsen (DEN)

Japan: 21 Kawashima - 3 Komano, 22 Nakazawa, 4 Tulio Tanaka, 5 Nagatomo - 8 Matsui, 17 Hasebe, 2 Abe, 7 Endo, 16 Okubo - 18 Honda

Ersatz: 1 Narazaki, 23 Kawaguchi - 15 Konno, 13 Iwamasa, 6 Uchida, 10 Nakamura, 14 Nakamura, 20 Inamoto, 9 Okazaki, 11 Tamada, 19 Morimoto, 12 Yano

Teamchef: Takeshi Okada (JPN)

KAMERUN - NIEDERLANDE
(Kapstadt, Green Point Stadium, 20.30 Uhr, SR Pablo Pozo/Chile)

Kamerun: 16 Souleymanou - 19 Mbia, 5 Bassong, 3 Nkoulou, 2 Assou-Ekotto - 11 Makoun, 6 A. Song, 18 Eyong, 20 Mandjeck - 9 Eto'o, 13 Choupo-Moting

Ersatz: 1 Kameni, 22 Assembe - 4 R. Song, 8 Geremi, 12 Bong, 14 Chedjou, 7 Nguemo, 21 Matip, 10 Emana, 15 Webo, 17 Idrissou, 23 Aboubakar

Keine Ausfälle

Teamchef: Paul Le Guen (FRA)

Niederlande: 1 Stekelenburg - 2 Van der Wiel, 3 Heitinga, 4 Mathijsen, 5 Van Bronckhorst - 6 Van Bommel, 8 De Jong - 7 Kuyt, 10 Sneijder, 23 Van der Vaart - 9 Van Persie

Ersatz: 16 Vorm, 22 Boschker - 12 Boulahrouz, 13 Ooijer, 15 Braafheid, 14 De Zeeuw, 18 Schaars, 11 Robben, 17 Elia, 19 Babel, 20 Afellay, 21 Huntelaar

Fraglich: 11 Robben (nach Muskelfaserriss im Oberschenkel)

Teamchef: Bert van Marwijk

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Morten Olsen entledigt sich explosiv seiner Mütze nach dem Sieg gegen Kamerun.

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