"Können nicht länger im kleinen Kreis sudern"

23. Juni 2010, 14:12
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Initiative will sich "stark machen" für besseres Zusammenleben - Demonstration am 18. September am Heldenplatz geplant

Einen neue Initiative - die Kampagne „Machen wir uns stark" - setzt sich für Bildung, Arbeit und ein besseres Zusammenleben ein. Im Vorfeld der im Herbst anstehenden Wahlen will die Initiative „Rückenwind" für eine „mutige Bildungspolitik, eine gerechtere Verteilung des Wohlstands und einen radikalen Kurswechsel in der Fremdenpolitik" erzeugen. Die Initiative fordert auch die Schaffung eines Ministeriums oder Staatssekretariats für Diversität und Integration. Ziel der Kampagne ist eine „Willenskundgebung" am Heldenplatz am 18. September. „Wir sind nicht zufrieden wie es derzeit läuft", so Willi Resetarits, einer der Proponenten, bei der Präsentation der Initiative am Mittwoch in Wien.

„Wir gehen davon aus, dass zehntausende Menschen mit der Situation unzufrieden sind und einen Beitrag zur Veränderung leisten wollen", so die Plattform in einer Erklärung. Auf der Homepage sammeln die Proponenten - darunter auch der Kabarettist Roland Düringer, der Musiker Wolfgang Schlögl oder die Leiterin des Integrationshaus, Andrea Eraslan-Weninger - Unterstützungserklärungen.

Unterstützungen und Spenden

Die Organisatoren wollen sich unabhängig machen von Sponsoren und Parteien, zu schlecht waren die Erfahrungen des Lichtermeers 1993: Unterstützten Parteien damals zwar offiziell die Aktion, war es bei der Umsetzung von Forderungen im Anschluss schnell sehr still. Unabhängig wolle man deswegen nun sein, „parteifern", so Resetarits. Einzig das Integrationshaus ist von damals übrig. Zu dessen 15-jährigen Bestehen kam man auf die Idee, erneut eine Initiative zu starten.

Doch auch eine Demonstration will finanziert werden. Unterstützungserklärungen und Spenden werden auf der Homepage der Initiative gesammelt, 50.000 Euro will man so in den nächsten Wochen lukrieren um die Kosten der Demo zu decken. Philipp Sonderegger von SOS-Mitmensch rechnet mit „ein paar tausend" Unterstützern in den nächsten Wochen, 3333 Personen müssten jeweils 15 Euro spenden, dann ist das Projekt ausfinanziert. "Auch mehr sei erlaubt", so Resetarits. Zurzeit haben ungefähr 400 Personen gespendet, rund 9800 Euro sind so bereits hereingekommen. Doch auch ohne Spende ist eine Unterstützung möglich. Einer Facebook-Gruppe sind bereits rund 1300 Personen beigetreten.

"Verantwortung als Staatsbürger"

Die Initiatoren wollen Unterstützer auch in die Planung und Abwicklung der Veranstaltung einbinden. Durch eine Mitbestimmungsmöglichkeit sollen ab Mitte Juli über ein Teil der Veranstaltungen am Tag der Demo abgestimmt werden. "Wir haben eine Verantwortung als Staatsbürger. Wir können nicht länger zuschauen oder im kleinen Kreis sudern", erklärte Resetarits. Eine Plattform "von unten" wolle man sein. Unterstützt werde man aber auch vom WUK oder dem Lokal U4, die im Vorfeld sich an der Mobilisierung beteiligen werden. "Wir leben in einer sehr guten, aber schnellen Zeit. Dadurch haben wir aber auch die Möglichkeit, sehr schnell etwas zu verändern", zeigt sich Roland Düringer überzeugt. Vielen Menschen würde klar, so Düringer, „entweder es wird ganz oasch oder es wird besser". 

Die Initiative hat es sich zum Ziel gesetzt, durch die Demonstration, ein „politisches Meinungsklima" zu fördern, in dem „Chancen genützt und Probleme angegangen werden - ohne Sündenböcke und ohne zu spalten". Simon Inou vom Verein M-Media mit Blick auf die Asylpolitik: „Es ist an der Zeit für ein neues wir. Es geht nicht mehr um wir und ihr, das neue wir ist inklusiv", so Inou. (seb, derStandard.at, 23.6.2010)

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    „Wir sind nicht zufrieden wie es derzeit läuft", so Willi Resetarits, einer der Proponenten der Kampagne "Machen wir uns stark"

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    "Wir leben in einer sehr guten, aber schnellen Zeit. Dadurch haben wir aber auch die Möglichkeit, sehr schnell etwas zu verändern", zeigt sich Roland Düringer überzeugt.

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