Wien: Zu wenig Katholiken für Religionsunterricht

23. Juni 2010, 12:55
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Religionsunterricht wackelt, Erdiözese verweist auf demografische Entwicklung

Künftig wird wohl nicht mehr an allem Schulen katholischer Religionsunterricht angeboten werden. "Jeder, der sich mit der demografischen Entwicklung beschäftigt, muss damit rechnen", betonte die Leiterin des Schulamts der Wiener Erzdiözese, Christine Mann. Den österreichweit ersten Fall gibt es nun an einer Wiener Volksschule: Dort sind nur zwei der 200 Schüler römisch-katholischen Glaubens, der Staat bezahlt den Religionsunterricht allerdings erst ab drei Angehörigen einer anerkannten Religion, bestätigt Mann einen Bericht der "Kronen Zeitung".

Mittlerweile hat sich allerdings ein drittes katholisches Kind gefunden. Damit ist eine wöchentliche Einheit im Schuljahr 2010/11 gesichert, sagt der zuständige Bezirksschulinspektor Walter Gusterer.

Katholiken trotzdem größte Glaubensgemeischaft

Mann beobachtet die Entwicklung entspannt. "Das ist keine Frage von Gut oder Böse. Das hat einfach damit zu tun, dass Österreicher sich entscheiden, gar kein Kind oder maximal eines zu bekommen und Menschen aus anderen Kulturen eben mehrere." Nachdem sich dadurch die gesamte Schülerpopulation verändere, sei es nur logisch, dass immer weniger Kinder katholischen Glaubens in den Schulen sitzen. Von den mehr als 200.000 Schülern sind laut Stadtschulrat 100.000 römisch-katholisch, die zweitgrößte Gruppe stellen Moslems (35.000).

Die Zunahme von Kindern ohne religiöses Bekenntnis habe unterdessen nur wenig Einfluss. Von jenen 21.000 Schülern würden immerhin zwischen 40 und 45 Prozent dennoch den katholischen Religionsunterricht als Freifach besuchen, schilderte Mann. Wie sich die Zahlen im kommenden Herbst in Folge des Missbrauchskandals in der katholischen Kirche entwickeln könnten, könne sie allerdings nicht einschätzen.

Schutzparagraf für kleinere Religionsgemeinschaften

Dass nicht-katholische Schüler den Religionsunterricht besuchen, führt Mann auf den Wunsch der Eltern zurück, dass die Kinder sich ein Bild von der Religion machen können. Schließlich habe diese einen kultureinführenden und identitätsstärkenden Charakter und sei wichtig als Basis für den interkulturellen und interreligiösen Dialog.

Dass der Staat ab drei Schülern einer anerkannten Kirche Religionsunterricht anbieten muss, ist seit gut 20 Jahren im Religionsunterrichtsgesetz festgeschrieben. Damit sollte ein Angebot für kleinere Religionsgemeinschaften wie Evangelische (7.500 Schüler) oder Serbisch-Orthodoxe (15.000) geschaffen werden. Nun ist Österreichs größte Glaubensgemeinschaft auf den Schutzparagraf angewiesen. Mann: "Damals hätte niemand daran gedacht, dass einmal der katholische Unterricht davon betroffen sein wird."

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