Ich liebe Deutsche-land

23. Juni 2010, 13:10
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Meine größte nichtsüdafrikanische WM-Konstante ist der Fußballfan in Schwarz-Rot-Gold, der weltoffen und begeisterungsfähig ist.

Für Torben ist sein Auslandszivildienst Anfang August endgültig Geschichte. Ein Jahr hat der 21-Jährige, der aus Alsfeld bei Kassel stammt, dann in Soweto mit Kindern und Jugendlichen aus benachteiligten Gemeinschaften gearbeitet. Die Organisation heißt Ikageng Itireleng Aids Ministry und hat ihren Sitz gleich in der Nähe des Hector Pieterson Memorials, wo am 16. Juni 1976 ein Protest von Schülern und Studenten blutig niedergeschlagen wurde. Der 12-jährige Hector Pieterson war das erste Opfer gewesen. Auch Torben wohnt in der Nähe des Denkmals, er ist praktisch nur zu Fuß unterwegs im Soweto-Stadtteil Orlando West, für weitere Strecken fährt er Minibus, also in einem Neunsitzer-Bus, der auf fast die doppelte Personenzahl aufgestockt ist. Torben muss auf die Kasse schauen, als Zivildiener bekommt er keinen Cent vom Staat und muss sich alles selbst finanzieren. Torben ist längst in Soweto integriert, nicht nur weil er für die Kids an manchen Wochenenden Fußballturniere und Bastelnachmittage organisiert.

Auch Max (2.v.l.) ist Zivi in Soweto. Gemeinsam mit dem Sohn von Winnie (l.) ist er quer durch Afrika gereist.

Max und Nils haben sich ebenfalls für diese Variante des Zivildiensts entschieden. Die zwei aus der Mainzer Gegend sind mit einem Mercedes Unimog Baujahr 1965 in vier Monaten 28.000 Kilometer durch Afrika gefahren. Nils hat nach dem Abitur ein Jahr gearbeitet, um sich diese Reise und das Zivi-Dasein leisten zu können. Mauretanien, Mali, Togo, Kamerun, zwei Mal Kongo und viele weitere Staaten haben sie durchquert. Anfang April sind sie in Soweto eingetuckert und arbeiten seither ebenfalls als „Burschen für alles" bei Ikageng.

Auch in Johannesburg City, Ladysmith, Howick, Durban, Cintsa, Port Elizabeth/Nelson Mandela Bay und Kapstadt habe ich offene, freundliche sowie an Land und Leuten interessierte deutsche Fußballfans getroffen. Dass sich alle mächtig über das 4:0 gegen Australien gefreut haben, ist nur natürlich - wir Österreicher hätten das auch getan, wären wir in einer solchen Lage. Aber als Serbien im zweiten Match mit 1:0 gegen Deutschland gewonnen hat, habe ich diesmal nicht diese hämische Freude verspürt. Logisch, dass ich Ghana den Aufstieg vergönne, und das aus tiefstem Herzen, denn für meinen urösterreichischen Minderwertigkeitskomplex ist ein deutsches Scheitern immer noch Balsam. Aber ich kann auch mit einem deutschen Sieg leben, weil das junge Team äußerst ansehnlichen Fußball spielt und einen schönen Mix der Bevölkerung darstellt.

  •  Torben organisiert während seines Zivildiensts in Soweto immer wieder Fußballturniere für seine Kids.
    foto: obermayr

    Torben organisiert während seines Zivildiensts in Soweto immer wieder Fußballturniere für seine Kids.

  •  Mit diesem Unimog Baujahr 1965 sind Max und Nils in vier Monaten 28.000 Kilometer bis nach Südafrika getuckert.
    foto: obermayr

    Mit diesem Unimog Baujahr 1965 sind Max und Nils in vier Monaten 28.000 Kilometer bis nach Südafrika getuckert.

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