Von Strudelstangerln und Zwiebelbrillen

23. Juni 2010, 11:54
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Sechs Burschen üben sich in der Disziplin von Jamie Oliver und tischen beim Teenie-Kochkurs im rosaroten "Kochwerk" ordentlich auf - Das Gesprächsthema bleibt neben Bärlauchsuppe und Hühnerbrust aber Basketball

Wien - Die Schürzen sind gebunden, die Kochlöffel gezückt: Sechs Jugendliche machen sich bereit für das "Teeniekochen wie Jamie Oliver" im Wiener Kochstudio "Das Kochwerk". Es ist bereits alles vorbereitet: Auf Kochinseln liegt Gemüse sowie vorwiegend rosafärbiges Geschirr, entsprechend der Lieblingsfarbe von Inhaberin Anna Walcher, die überall im Lokal präsent ist.

Ansonsten ist die geräumige Küche in schlichtem Grau und Weiß gehalten, aus allen Ecken blitzen Edelstahl-Kochgeräte, die auf ihren Einsatz warten. Die Stimmung unter den jungen Köchen ist entspannt, trotzdem sind alle neugierig auf den bevorstehenden Nachmittag.

"Wir wollen heute ein dreigängiges Menü zubereiten", erklären Walcher und ihre Mitarbeiterin Doris Rabenreither. Jeder erhält einen rosa Schnellhefter mit den Rezepten für die geplanten Speisen. "Bärlauchschaumsuppe mit Strudelstangerl", "gefüllte Hühnerbrüstchen mit Kräuterknöderl und Gartengemüse" sowie "Joghurtmousse mit Erdbeerfächer und Erdbeersauce" stehen auf dem Plan.

Auffallend ist, dass die Runde ausschließlich aus Buben besteht. Wobei nicht alle freiwillig hier sind: "Meine Mutter hat gemeint, ich soll diesen Kurs machen", meint Max (13) schulterzuckend. Lächelnd fügt er hinzu: "Eigentlich esse ich lieber, als zu kochen."

Begonnen wird mit der Nachspeise: Walcher und Rabenreither geben Hilfestellungen beim Umrühren, Schneiden und Unterheben und sorgen dafür, dass jeder seinen Teil beiträgt. Alle helfen tatkräftig mit, während das Gesprächsthema jedoch nicht beim Kochen, sondern beim Basketball liegt. Zwischendurch darf auch gekostet werden, denn "das gehört schließlich dazu", wie Walcher lächelnd ergänzt.

Exkurs in die Kräuterkunde

Dann kommt auch schon das Dessert zum Rasten in den Kühlschrank, und es geht weiter mit der Suppe. "Wisst ihr, woran man Bärlauch erkennt?", fragt Rabenreither in die Runde. Kopfschütteln ist die Antwort, und es folgt ein kleiner Exkurs in Sachen Kräuterkunde. Schließlich sei es wichtig zu wissen, womit man kocht.

Nachdem der Bärlauch zerhackt ist, müssen Zwiebel geschält werden. Dafür kommen spezielle Zwiebelbrillen zum Einsatz, um lästige Tränen zu vermeiden. Spannend wird es auch bei den "Strudelstangerln". Die Kunst besteht darin, den hauchdünnen Blätterteig fein zusammenzurollen, ohne ihn zu zerreißen. Als das mehr oder weniger geglückt ist, kommen diese in den Ofen, und die Köche widmen sich der Hauptspeise. Für die Knödel wird Petersilie fein gehackt. Am wenigsten Anklang findet das Gemüseschneiden, was neben dem Bearbeiten der Hühner als lästige Pflicht erscheint. Die Hühnerbrüste werden seitlich eingeschnitten und mit einem Pesto aus getrockneten Tomaten und Olivenöl gefüllt. Damit später auch jeder das eigene Stück auf den Teller bekommt, werden sie vor dem Braten noch gekennzeichnet.

Dann heißt es warten, bis alles fertig ist. In der Zwischenzeit wird gemeinsam zusammengeräumt und aufgedeckt. "Ich habe früher am Kollegium Kalksburg Kochkurse gegeben", erläutert Rabenreither die Entstehung der Jugendkochkurse. Es habe ihr schon immer Spaß gemacht, mit Jugendlichen zu kochen. Daher lag es nahe, nachdem sie vor drei Jahren gemeinsam mit Walcher "Das Kochwerk" eröffnet hat, solche auch hier zu anzubieten. Seither habe es schon einige Kurse gegeben, wobei es nie langweilig werde. "Denn es ist jedes Mal etwas anderes, obwohl einige Leute immer wiederkommen."

Als schließlich alle am Tisch sitzen und das Menü Gang für Gang verkosten, erhellen sich die Gesichter. Vor allem die Nachspeise findet großen Anklang.

Doch in Zukunft weiterkochen möchte vorerst nur Kilian (14): "Es macht mir wirklich Spaß, und ich habe auch schon mehrere Kurse gemacht." Von den anderen scheint niemand in Jamie Olivers Fußstapfen treten zu wollen: "Es schmeckt gut, aber es ist so viel Arbeit. Da geh ich doch lieber zu McDonald's", erklärt Aleksander (13) und nimmt noch einen Löffel Erdbeermousse. (Antonia Reiss, DER STANDARD, Printausgabe, 23.6.2010)

DER STANDARD-Webtipp: www.daskochwerk.at

Der nächste "Teeniekochkurs" findet am 26. Juni 2010 statt.

  • Konzentriert werken die Köche an der Füllung ihrer Hühnerbrust. Obwohl
 die Teilnahme am Teeniekochkurs nicht für allefreiwillig war, legen
 sie sich - mit und ohne Zwiebelbrille - ins Zeug.
    foto: standard/walcher

    Konzentriert werken die Köche an der Füllung ihrer Hühnerbrust. Obwohl die Teilnahme am Teeniekochkurs nicht für alle
    freiwillig war, legen sie sich - mit und ohne Zwiebelbrille - ins Zeug.

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