61 Nobelpreisträger kommen an den Bodensee

23. Juni 2010, 11:33
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Traditionelle Tagung in Lindau: Über 50 Vorträge geplant

Bregenz - Zur 60. Tagung der Nobelpreisträger im bayrischen Lindau sind so viele preisgekrönte Forscher angekündigt wie noch nie in der Geschichte des seit 1951 veranstalteten Treffens. Am kommenden Sonntag (27. Juni) werden 61 Spitzenforscher der Disziplinen Physik, Chemie und Medizin in der Bodenseestadt erwartet.

Das frühere "Familientreffen" der Nobelpreisträger am Bodensee, dem in den 1990er Jahren das Aus drohte, ist mittlerweile eine international beachtete Tagung der besten Forscher von heute und morgen. So reisen neben den Preisträgern am Sonntag 650 Nachwuchsforscher aus 70 Ländern zu dem einwöchigen Treffen. Vor zehn Jahren waren gerade 15 Nationen vertreten.

Die Anfänge

Bei der ersten Tagung 1951 waren noch sieben Preisträger zusammengekommen. Initiiert wurde das Treffen von zwei Lindauer Ärzten, die als Unterstützer Lennart Graf Bernadotte (1909-2004) gewannen. Ihr Ziel: Die Isolation Deutschlands nach dem Krieg zu durchbrechen. Der Graf war nicht nur Herr der Insel Mainau im Bodensee, sondern entstammte dem schwedischen Königshaus. Das sicherte den Segen der schwedischen Nobelpreishüter.

Viele Jahre ging das Konzept auf: Die umworbenen Preisträger genossen das Treffen ohne steifes Protokoll und die üblichen Pflichten. Doch Mitte der 1990er Jahre klang das Wort vom Familientreffen altmodisch. Aktive Topforscher machten einen Bogen um das "Kaffeekränzchen" einer schrumpfenden Zahl älterer Herren. Eingeladene Studenten nutzten die Tagung als Urlaub. Auch für Sponsoren und Stifter war das kaum noch attraktiv.

Wiederbelebt

Ein Kurswechsel rettete die Tagung: Jahrelang waren Kritiker abgekanzelt worden, wenn sie nach aktuellen Themen fragten. Heute stehen Energie, Klima und Bevölkerungswachstum im Zentrum. Nobelpreisträger werden von Sonntag an bei über 50 Vorträgen über das Ende fossiler Rohstoffe und die Rolle der Wissenschaft für eine bessere Zukunft reden.

Unangetastet blieben in der zehnjährigen Reformphase nur die Begegnungen der Preisträger mit jungen Forschern - doch wird der Nachwuchs nun nach strengen Kriterien ausgewählt. Sonst haben die Organisatoren die Fenster zur Welt aufgerissen: Diskussionen werden live im Internet übertragen. Eine Mediathek macht alte Vorträge abrufbar. Es gibt einen Blog, eine Internet-Community soll entstehen. Erstmals können 2010 Nicht-Teilnehmer online Fragen an die Preisträger richten.

Neue Wege geht die Tagung auch vor Ort: Erstmals treffen sich Preisträger, Studenten und 500 Bürger unter dem Motto "Grill and Chill" zum Grillen auf einer Wiese am Bodenseeufer. Und so hat im Interesse des Dialogs zwischen Forschern und Laien am Ende doch ein Hauch von Familientreffen 60 Jahre überdauert. (APA/red)

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