WHO setzt sich für Beschneidung gegen Aids ein

23. Juni 2010, 11:25
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Illegale Beschneidung in Südafrika tötet 20 Buben - Laut WHO kann professionell durchgeführte männliche Zirkumzision Risiko der HIV-Übertragung verringern

Genf/Kapstadt - 20 südafrikanische Buben sind in der Eastern Cape Provinz an den Folgen einer illegalen Beschneidung gestorben. Dass dies kein Einzelfall ist, bestätigt ein WHO-Experte . Jährlich sterben zahlreiche Buben mit Beginn der Beschneidungssaison an solchen Eingriffen. 60 Jungen konnten von den Gesundheitsbehörden gerettet werden. Auch sie wurden in sogenannten Initiationsschulen beschnitten.

"Das Problem ist meist nicht die Beschneidungen selbst, sondern die mangelnde Nachsorge", meint der Mediziner Tim Farley vom Department of Reproductive Health and Research bei der WHO. "In den ländlichen Regionen der östlichen Kap-Provinz unter den Xhosas ist die Beschneidung ein Initiationsritus, bei dem die Jungen danach isoliert und ohne Wasser und Nahrung zurückgelassen werden." Die Folgen davon seien fatal. BBC berichtet davon, dass die 60 Befreiten septische Wunden haben und dass bei vier von ihnen die Genitalien komplett amputiert werden müssen.

Regierung reagiert mit Haftstrafen

Die südafrikanische Regierung, die sich für die männliche Beschneidung gegen die Ausbreitung von Aids stark macht, geht mit scharfen Mitteln gegen die illegalen und nicht ausgebildeten "Chirurgen" vor. "Die Regierung will diese Praxis abschaffen und fordert auch für die rituelle Beschneidung die Einhaltung von Mindeststandards wie etwa einer Supervision und einer Nachbehandlung", so Farley.

"Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass die männliche Beschneidung das Risiko HIV zu übertragen deutlich verringern kann", so Farley. Seitens der WHO werde die männliche Zirkumzision aufgrund zahlreicher wissenschaftlicher Studien daher promotet. "Einhergehend damit ist aber auch eine Gesundenuntersuchung, die Hinweise auf eine eventuell bereits bestehende HIV-Infektion oder anderer sexuell-übertragbarer Erkrankungen liefern sollen", so der Experte. Der medizinische Eingriff wird von geschultem Personal unter hygienisch einwandfreien Bedingungen durchgeführt.

Diskussion um Tradition und Moderne

Mit bisherigen Mitteln war es nicht möglich, die illegale männliche Beschneidung in dieser Region zu beenden, weiß Farley. Allein im Vorjahr sind 91 Buben gestorben, hunderte mussten in Krankenhäuser gebracht werden. BBC berichtet auch darüber, dass erst Anfang voriger Woche sieben Jungen aus einer Initiationsschule, die ein 55-jähriger illegaler traditioneller Heiler betrieb, der bereits vorher mehrmals verhaftet wurde, befreit wurden.

Die Initiationen und Beschneidungen in der östlichen Kap-Provinz finden entweder im Juni und Juli oder aber im November und Dezember statt. Ein weiteres Problem dabei ist, dass viele Eltern aufgrund des hohen Drucks, den die Betreiber der Initiationsschulen ausüben, ihre Buben viel zu früh einer solchen Prozedur unterziehen. "In Südafrika gibt es die weltweit verbotene weibliche Beschneidung, die medizinisch überhaupt nicht gerechtfertigt ist, nicht ", so Farley. (pte)

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