Migräne häufigstes Nervenleiden vor Demenz und Epilepsie

23. Juni 2010, 11:11
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50 Millionen neurologisch Kranke in Europa, davon 41 Millionen Migränepatienten

Berlin - Erkrankungen des Gehirns und Nervensystems sind in Europa sehr häufig und ihre Zahl nimmt weiter zu. Das zeigen Statistiken, die am Treffen der Europäischen Neurologen-Gesellschaft (ENS) in Berlin präsentiert wurden. "Neurologische Erkrankungen sind mit 50 Millionen Betroffenen häufiger als Krebs und belasten die europäischen Volkswirtschaften mit 386 Milliarden Euro pro Jahr", erklärt Gerard Said, neu gewählter ENS-Präsident.

Aufwand: Ein Drittel der Gesundheitsausgaben

Migräne ist mit Abstand das häufigste neurologische Problem in Europa, zeigt der "Neurology Atlas" der WHO. 41 Millionen Europäer leiden an diesen belastenden chronischen Kopfschmerzen, dahinter rangieren Demenz (4,8 Mio.), Epilepsie (2,6 Mio.) und Parkinson (1,2 Mio.). Eine Million Menschen pro Jahr wird Opfer eines Schlaganfalls. Das "European Brain Council" schätzt, dass die Häufigkeit dieser Erkrankungen in den nächsten Jahren um ein weiteres Fünftel zunimmt, wobei vor allem Demenz und Parkinson ins Gewicht fallen werden.

Entsprechend dieser Häufung nehmen auch die Kosten für die Behandlung und Betreuung dieser Patientengruppe gigantische Ausmaße an. Aktuellen Berechnungen zufolge beträgt der Aufwand bereits ein Drittel der gesamten Gesundheitskosten. Die öffentliche Aufmerksamkeit hinkt diesen Zahlen jedoch weit nach, so Said. Zwar widmet nun auch die EU das Rahmenprogramm "Brain Research" dem Thema, doch sollte mehr Augenmerk auf Grundlagenforschung, Entwicklung neuer Behandlungsmethoden und Ausbildung für Neurologen gelegt werden.

Periphere Nervenleiden oft übersehen

Ein Schwerpunkt des Neurologenkongresses sind die Erkrankungen des peripheren Nervensystems, die sogenannten "Neuropathien". 20 bis 30 Millionen Betroffene gibt es davon weltweit und die Bedeutung steigt mit dem Anwachsen der Zivilisationskrankheiten wie Diabetes. "Würden Neuropathien bei Diabetes nicht so oft unterdiagnostiziert oder unterbehandelt werden, ließen sich dramatische Konsequenzen wie Amputationen häufig vermeiden", so der ENS-Präsident. (pte)

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