"Vandalenaktion" bei Arbeiten in ehemaligem KZ

23. Juni 2010, 10:32
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Fundamentreste wurde abgetragen und ein Gedenkstein verrückt - Bundesdenkmalamt lies Arbeiten aussetzen

Linz - Nach hitzigen Disputen um die Auffüllung eines Großteils der Stollenanlage im ehemaligen KZ Gusen in Oberösterreich, gibt es erneut eine Diskussion um Erdarbeiten: Laut dem örtlichen Gedenkkomitee sollen in einem Teil des Areals ein seit 60 Jahren bestehender Gedenkstein entfernt und Fundamentreste ohne archäologischen Befund zerstört worden sein. Der für die Aktion Verantwortliche weist die Vorwürfe zurück.

Auf dem betroffenen Grundstück in der Gemeinde Langenstein befinden sich zwei ehemalige SS-Wohn- und Verwaltungsgebäude, die bis 2006 bewohnt waren. Dann hätten die Mieter plötzlich ausziehen müssen und der Eigentümer, der Industrielle Anton Poschacher, habe die Häuser abreißen wollen, so Martha Gammer vom Gedenkkomitee Gusen. Daraufhin seien sie wegen "Gefahr im Verzug" sofort unter Denkmalschutz gestellt worden.

Gedenkkomitee spricht von "Vandalenaktion"

Vor einigen Tagen habe rund um diese Gebäude eine "Vandalenaktion" stattgefunden, berichtete Gammer. 67 Jahre alte Bäume seien gerodet, der Gedenkstein entfernt worden. Das Erdreich sei mit Baggern abgetragen worden, ungeachtet der im Boden befindlichen Grundmauern ehemaliger Baracken. "Die plötzliche Aktion der Zerstörung rund um die denkmalgeschützten Gebäude lässt für die Erinnerung an 37.000 namentlich bekannte Opfer nichts Gutes erwarten", befürchtet Gammer.

Verantwortlicher versteht die Aufregung nicht

Poschacher versteht die Aufregung nicht: Der Gedenkstein, den er vor 20 Jahren gespendet habe, sei an einen besser zugänglichen, nur eineinhalb Gehminuten entfernten Platz direkt bei der Einfahrt zu seinem Betriebsgelände versetzt und mit einem würdigen Blumenschmuck versehen worden. Das sei in Absprache mit dem Komitee "Mauthausen aktiv", dem Denkmalschutz, dem Land und Historikern erfolgt, auch der Bürgermeister sei informiert worden. Grundsätzlich wolle er festhalten, dass er sich dem Thema der Verbrechen der Nationalsozialismus stelle, auch wenn er damit nichts zu tun habe.

Zu den Erdarbeiten erklärte er, ein Nachbar habe gebeten, dass dort ein Abstellplatz für die Fahrzeuge seiner Mitarbeiter errichtet werde. Deshalb sei der Humus abgetragen und geschottert worden. Dazu habe das Bundesdenkmalamt eine einstweilige Verfügung auf Stopp der Arbeiten erlassen. Ihm sei nun mitgeteilt worden, die archäologische Vermessung der Grundmauern im Boden sei abgeschlossen, somit könnten die Schotterungsarbeiten fortgesetzt werden.

Gutachten des Innenministeriums läuft

Die Baracken seien vom Bund in den 1950er Jahren an seinen Großvater verkauft und bis vor zwei Jahren von Mitarbeitern des Unternehmens bewohnt worden. Dann seien sie aber abgesiedelt worden, weil die Gebäude Substandard seien. Derzeit sei im Auftrag des Innenministeriums ein Gutachten in Arbeit, ob die Gebäude schützenswert seien. Poschacher gab zu bedenken, dass seinerzeit die von KZ-Aufsehern bewohnten Gebäude außerhalb des KZ-Geländes gestanden seien und nicht die einzigen derartigen Häuser seien.

Die Nationalsozialisten haben im KZ Gusen, einem ehemaligen Außenlager von Mauthausen, mindestens 71.000 Menschen aus 27 Nationen eingesperrt, mehr als die Hälfte kam zu Tode. Allein das Projekt "Bergkristall" kostete mehr als 8.600 Häftlinge das Leben. (APA) 

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